Abteigarten Kornelimünster: Neue Schule? Nein, danke!

Von: Werner Breuer
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Sie wollen dem alten Standort am Abteigarten treu bleiben: Schulpflegschaftsvorsitzender Marcus Sommer, Michael Meyer von der Schulkonferenz, „Spielraum”-Betreuerin Erika Mohl und die stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende Birgit Haveneth mit Marie Leonie (von links) drängen auf eine zügige Sanierung der Grundschule. Von einem Neubau halten sie wenig. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Im Winter geht es noch”, sagt Bettina Wedig-Vössing, als sie Tür zu den Toiletten öffnet. Der Geruch ist umwerfend, aber im Sommer offenbar noch steigerungsfähig. „Wenn dann ein Windstoß kommt, zieht es in die benachbarten Klassenzimmer”, berichtet die Leiterin der Katholischen Grundschule am Abteigarten in Kornelimünster.

Mitunter musste deshalb schon der Unterricht in andere Räume verlegt werden. „Putzen hilft da nicht mehr”, weiß Schulpflegschaftsvorsitzender Marcus Sommer, selbst mit Hochdruckreinigern und scharfen Reinigungsmitteln sei der Duftnote nicht beizukommen.

„Hier herrscht dringender Sanierungsbedarf”, sagt Sommer und meint damit nicht nur den Toilettenbereich. Die Rahmen der einfach verglasten Fenster bröseln vor sich hin, der Putz zeigt Risse, überall sieht man Flickwerk. In einem Nebenraum ist ein Fenster unten mit einer Holzplatte abgedichtet, öffnen lässt es sich nun nicht mehr.

Dass etwas getan werden muss, wissen Verwaltung und Politiker schon seit Jahren. Die Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim setzte die Schule schon 2006 auf die Tagesordnung. Seither wurden verschiedene Gedankenspiele durchgerechnet. Das städtische Gebäudemanagement erkor zur „wirtschaftlichsten Lösung” schließlich einen Neubau auf dem sogenannten Hoven-Gelände am Vennbahnweg. „Da gibt es Altlasten”, warnt Michael Meyer, Mitglied der Schulkonferenz.

Und überhaupt: Die Schule will gar nicht umziehen, sondern bleiben, wo sie ist. „Der Standort hat identitätsstiftenden Charakter”, formuliert es Marcus Sommer. Für die Bewohner des Indestädtchens gehöre die Schule einfach an den Abteigarten. „Da ist die Kirche in der Nähe”, sagt die stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende Birgit Haveneth, „das spielt bei einer katholischen Schule auch eine Rolle”. Erika Mohl legt zudem Wert auf den Wald in der Nachbarschaft. Sie betreut den „Spielraum” an der Schule und kann mit den Kindern nachmittags „mal flott raus in die Natur”.

Michael Meyer ist daneben froh über das weitläufige Gelände. „Je enger Kinder zusammengepfercht werden, desto größer ist das Konfliktpotenzial.” Am Abteigarten hingegen können sich die Kinder unterschiedlicher Jahrgänge wunderbar aus dem Weg gehen, die Erstklässler haben sogar einen eigenen Schulhof.

Ausreichend Platz

Bei einem Neubau wäre wohl Schluss mit großzügig, fürchtet Schulleiterin Wedig-Vössing. „Die Räume würden wohl kleiner”, meint sie, und ein weitläufiges Areal für die derzeit 222 Schüler gäbe es dann wohl auch nicht mehr. „Bei steigenden Schülerzahlen bietet dieser Standort mehr Potenzial”, meint Marcus Sommer.

Ganz klar hatten sich Eltern und Lehrer deshalb für den Verbleib am Abteigarten ausgesprochen und waren entsprechend zufrieden mit der Verwaltungsvorlage, die in der vergangenen Woche in der Bezirksvertretung beraten wurde. Dort empfahl die Verwaltung letztlich doch die Sanierung der Altbauten zu geschätzten Kosten von 5,8 Millionen Euro. Ein Neubau auf dem Hoven-Gelände wäre rund zwei Millionen Euro teurer und zudem mit einigen Unklarheiten behaftet: Was geschieht dann mit dem Areal am Abteigarten? Wie könnte es vermarktet werden? Was würde ein Verkauf einbringen?

Die Kommunalpolitiker in der Bezirksvertretung warfen in der vergangenen Woche noch eine andere Frage auf: Wie wäre es denn mit einem Neubau am alten Standort? „Das würde nur weitere Verzögerungen bringen”, fürchtet Schulpflegschaftsvorsitzender Marcus Sommer und hadert vor allem mit den Christdemokraten des Indestädtchens. Auch mit ihnen habe die Elternschaft stets in engem Kontakt gestanden, „jetzt kommt plötzlich eine dritte Variante ins Spiel”. Jahrelang sei nach Lösungen für die Schule gesucht worden, „die CDU hätte vorher mal ihr Hirn einschalten müssen”.

Neuerliche Beratungen, Berechnungen und andere zeitraubende Prozeduren seien nun alles andere als willkommen. „Wenn das jetzt wieder verschoben wird”, so Sommer, „wäre das nicht in unserem Sinne”. Das hat die Elternpflegschaft nun auch den Mitgliedern des Schulausschusses schriftlich gegeben.

Das Gremium berät am heutigen Donnerstag (17 Uhr im Verwaltungsgebäude Mozartstraße) über Neubau oder Sanierung. Für Letzteres wollen Sommer und seine Mitstreiter tapfer kämpfen.

Die Politiker sollten nicht zuletzt auch an das idyllische Indestädtchen denken, rät Sommer. Dort sorgten die Kinder für Leben am Abteigarten, „wenn die Schule verschwinden würde, wäre das katastrophal für den Ortskern”.
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