Aachen - Abi-Streiche: Direktoren wollen Auswüchse begrenzen

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Abi-Streiche: Direktoren wollen Auswüchse begrenzen

Von: Heiner Hautermans
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Die Feiern vor dem Abitur sind von Jahr zu Jahr ausgedehnt worden, hier ein Bild aus dem Jahr 2012. Inzwischen gibt es auch einen Bierathlon, einen Wettbewerb, in dem zwei Teilnehmer einen Kasten Bier austrinken müssen. Die Gewinner erhalten das Pfand der anderen. Foto

Aachen. Wer sich in den letzten Jahren vor den Osterferien in Aachen umgesehen hat, mag sich manches Mal erschrocken haben. Scharen junger Menschen zogen durch die Stadt, kostümiert und meist deutlich alkoholisiert.

Oft auf Gefährten wie Trecker mit voll beladenem Anhänger, gerne auch zu Fuß, unter Mitführung größerer Mengen Bier oder Schnaps und Orte wie Katschhof oder Markt aufsuchend. An den Gymnasien griffen nämlich immer mehr sogenannte Mottowochen um sich.

An den einzelnen Tagen wurden bestimmte Vorgaben gewählt, nach denen sich alle möglichst phantasievoll kleiden mussten, um sich dann in die weite Welt der Innenstadt zu begeben. Ganz oben in der Gunst steht der „Asi“, beliebt ist auch der „erste Schultag“, „Oma und Opa“ oder der „Traumberuf“. Manche Veranstaltungsorte sahen anschließend aus wie nach einem mittelprächtigen Rosenmontagszug, mit leeren Flaschen und von Unrat übersät.

Und auch die eigentlichen Abi-streiche, verübt am letzten regulären Schultag, diesmal der Freitag, 11. April, drohten immer häufiger aus den Fugen zu geraten. Luftballons in den Treppenhäusern reichten oft nicht mehr aus, da wurden auch schon einmal Lehrerzimmer unter Wasser gesetzt, ein Feueralarm ausgelöst oder rabiate Wasserschlachten auf den Schulhöfen ausgetragen. Und so mancher Eleve, dem in wenigen Monaten das Reifezeugnis attestiert wird, schaute zu tief ins Glas, die Hinterlassenschaften waren eindeutig unappetitlich.

Verhaltenskodex

Ein Oberstufenkoordinator fasst es so zusammen: „Es gab in den letzten Jahren in Aachen erhebliche Probleme bei diesen beiden Veranstaltungen.“ Verschärft wurden diese noch durch Pendeln zwischen den Innenstadt-Gymnasien, die nur wenige hundert Meter auseinanderliegen. Gruppen zogen von einer Schule zur anderen und schaukelten sich gegenseitig hoch.

Damit soll in diesem Jahr Schluss sein, zumindest wenn es nach den Direktoren geht, die sich mit Polizei und Ordnungsamt zusammengesetzt und eine Art Verhaltenskodex entwickelt haben. „Die anderen Schulen werden in Ruhe gelassen, striktes Alkoholverbot in der Schule, Begrenzung der Aktivitäten auf drei Tage“, so fasst Günther Sonnen die Ziele kurz zusammen. „Es hatte eine Dynamik bekommen, die eingegrenzt werden musste“, formuliert es vornehm der Direktor des Couven-Gymnasiums. Um die drei Ziele umzusetzen, sind allerdings an seinem Institut mit etwas mehr als 1.100 Schülerinnen und Schülern nicht weniger als 15 Punkte verfasst worden, die in der Jahrgangsstufenversammlung der Q 2 (früher Stufe 13, ganz früher Oberprima) und am Runden Tisch mit den Eltern vorgestellt wurden. „Die Schüler, die sich geäußert haben, akzeptieren stilvolle Umgangsformen“, ist Sonnen guter Hoffnung. Selbst für die Wasserschlachten hat man Regeln erarbeitet, „wie beim Fußball“.

Am Kaiser-Karls-Gymnasium gibt es „nur“ zehn Gebote. „Wir basteln schon lange daran, diese Mottowoche unter der Beteiligung der Schüler in den Griff zu bekommen“, sagt Leiter Dr. Paul Wolfgang Jaegers. Ähnliche Regeln habe man auch schon 2013 vereinbart, aber „ohne sichtbaren Erfolg, um ehrlich zu sein“. Das liege daran, dann man keine praktischen Mittel als Sanktionen zur Verfügung habe, weil man ja auch „nicht in den letzten Monaten das Klima vergiften“ wolle.

Alle angehenden Abiturienten haben nun eine Vereinbarung abzeichnen müssen, in der unter anderem drinsteht, dass keine anderen Schulen besucht werden dürfen, am Montag und Dienstag regulärer Unterricht stattfindet und in der Schule ein Vermummungsverbot herrscht. In Punkt 10 heißt es knallhart: „Schüler, die gegen die vereinbarten Regeln verstoßen, können von den weiteren Feierlichkeiten ausgeschlossen werden. Die Schulleitung behält sich weitergehende Maßnahmen vor, bei Gesetzesverstößen (z. B. Alkohol) muss die Polizei eingeschaltet werden.“ Direktor Jaegers setzt auf die Vernunft: „Zu diesem Zeitpunkt gibt es ja eigentlich noch nichts zu feiern. Der krönende Abschluss kommt ja noch. Die sollen aber ruhig ihr Späßchen haben.“

Auch Ralf Gablik, Chef im Einhard-Gymnasium, tritt für klare Vorabi-Regeln ein, die mit Schüler- und Elternvertretern erarbeitet worden seien. „Das, was die Schüler an den Mottotagen für ihr Recht hielten, hat sich in den letzten Jahren gesteigert. In jedem Jahr wurde noch einer draufgesetzt.“ Dabei gebe es die Mottowoche offiziell gar nicht. Deshalb habe man die Auswüchse eingrenzen müssen. Mit im Boot ist auch das Inda-Gymnasium, das allerdings weniger betroffen ist: „Wir liegen etwas außerhalb und haben deshalb nicht das große Problem damit“, meint die stellvertretende Schulleiterin Martina Schneider.

Vorbereitet ist man auch beim Ordnungsamt, teilt Leiter Detlev Fröhlke mit: „Wir habe verstärkte Präsenz in der Innenstadt angesetzt.“ Auch die Polizei ist gewappnet, die allerdings darauf hinweist, dass die Schule zunächst einmal ihr Hausrecht durchsetzen müssten. Erst bei Straftaten schreite man ein, etwa Körperverletzung oder Abgabe von Alkohol an Minderjährige: „Dann stellt sich die Frage, wo die das her haben,“ sagt Sprecher Paul Kemen.

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