Ab Montag ist Regionaldekan Josef Voss nur noch Pfarrer

Von: Georg Dünnwald
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Morgen endet für Josef Voss die fünfjährige Amtszeit als Regionaldekan. Ein Nachfolger ist derzeit nicht in Sicht. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zurzeit ist Josef Voß in Urlaub. Er erholt sich von den großen Strapazen der vergangenen fünf Jahre. Morgen ist nämlich sein letzter Tag im Amt des Regionaldekans Aachen-Stadt. „Ab Montag bin ich nur noch Pfarrer. Pastor zu sein ist das Schönste“, stellt der 60-Jährige lächelnd fest.

Voß ist mit Leib und Seele katholischer Priester. Er hält große Stücke auf die Basis. Aber noch einmal eine fünfjährige Amtszeit hinter sich zu bringen, nein, das will er nicht. „Die Belastung ist einfach zu groß“, befindet er, obwohl es mit einem Nachfolger im Amt ziemlich mau aussieht. „Es gibt keinen Kandidaten.“

Nur ein amtierender Pfarrer könne Dekan in der Region werden. Nur noch 14 Kollegen, die teilweise Mammut-Pfarreien vorstehen, könnten den Pfarrer von St. Martinus in Richterich, St. Heinrich in Horbach und St. Laurentius in Laurensberg „beerben“. „Es ist schade, dass keiner Regionaldekan werden will“, resümiert Voß. Denn das Amt des Bischofsvertreters in einer Region sei ein Amt, das wirklich demokratisch besetzt wird. „Der Regionaldekan wird gewählt“, betont Voß. Wahlberechtigt seien die Priester, die Pastoral- und Gemeindereferenten und Vertreter der Pfarrgemeinderäte. „Da sind Hauptamtler, Laien und Ehrenamtler dabei.“ Aber offensichtlich gibt es einfach zu wenig Priester. „Vielleicht wäre es besser gewesen, die Aufgaben des Dekans auf mehrere Schultern zu übertragen“, denkt Voß nach.

Einsatz für Arbeitslose

Denn neben der Pfarrtätigkeit sei es schon sehr stressig, sich quasi auch noch in die „Tagespolitik“ einklinken zu müssen. Dabei ist dem Pfarrer, der das Leben eher durch eine heitere Brille sieht, eine Herzensangelegenheit, sich auf Kundgebungen gegen Neonazis und Rassisten zu engagieren. „Da muss doch Stellung bezogen werden“, fordert er. Aber auch für Arbeitslose und deren Initiativen setzt sich der Aachener Regionaldekan ein. Außerdem ist er automatisch Pfarradministrator eines verwaisten Sprengels, dem der Pfarrer aus irgendwelchen Gründen abhanden gekommen ist.

Wie geht es denn nun weiter in der Region Aachen-Stadt? „Das Büro ist besetzt, die Organisation läuft weiter.“ Aber, der Repräsentant in der Region für die katholische Kirche fehle. „Der Dekan spricht für die Kirche, er mischt sich ein.“ Vielleicht werde Bischof Mussinghoff ja einen Kollegen bitten, das Amt vertretungsweise zu übernehmen, bis ein Nachfolger gewählt ist. Allerdings könne er keinen seiner Amtsbrüder dazu verpflichten. „Das Amt des Dekans ist eben demokratisch legitimiert“, unterstreicht Voß.

Die katholische Kirche in Deutschland wandelt sich. In Voß‘ Gemeinden gibt es bereits eine gemeinsame Führung durch den Pfarrer, seine hauptamtlichen Mitarbeiter und gewählte Pfarrgemeinderäte. „Das ist gut angelaufen, wir können dadurch auch die Basis mehr einbinden“, sagt Voß.

Viel schlimmer als die wegbrechende Zahl von Priestern und auch Gläubigen aber sei die Tatsache, dass das Christentum in Deutschland, ja ganz Westeuropa leidenschaftslos werden, der Biss fehle.

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