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Aachens Schullandschaft ändert sich nachhaltig

Von: Alfred Stoffels
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Aachen. Mit den Stimmen von CDU, SPD, Grünen und Linken beschloss der Stadtrat am Mittwochabend eine tiefgreifende Veränderung der Aachener Schullandschaft: Es wird eine neue - vierte - Gesamtschule geben, aber es werden auch drei von insgesamt sechs Hauptschulen zugemacht.

Wieder gab es Proteste der zahlreich anwesenden Lehrer, Eltern und Schüler, denen allerdings erneut mitgeteilt wurde: Wir haben einfach keine andere Wahl.

Beschlossen wurde im Einzelnen: Die Gemeinschaftshauptschulen in Eilendorf und am Kronenberg sowie die Katholische Klaus-Hemmerle-Schule in der Franzstraße werden zum 31. Juli 2011 „auslaufend” geschlossen; ebenfalls und zum gleichen Datum wird die David-Hansemann-Realschule den Unterricht einstellen; am Standort dieser Realschule in der Sandkaulstraße wird die neue Gesamtschule eingerichtet, sofern die Anmeldungen (112) stimmen.

So hatte schon der Schulausschuss entschieden, der Rat fügte noch einen Passus hinzu: Die Verwaltung soll erkunden, wie die auslaufenden Hauptschulen künftig genutzt werden können, denn „alle Standorte eignen sich unter Umständen auch weiterhin für die Unterbringung von Bildungseinrichtungen”. Dieser Punkt wurde wohl hinzugefügt, um umlaufenden Gerüchten entgegenzutreten - dass nämlich schon Investoren auf der Matte stünden, um Grundstücke und Gebäude zu übernehmen.

„Nicht aus Bosheit”

Dass die Schulschließungen eine harte Sache für die Betroffenen sind, wurde allseits konzediert. CDU-Fraktionschef Harald Baal präsentierte die Zahlen, die zu dem unpopulären Entschluss geführt hätten: Nur noch neun Prozent aller Aachener Eltern wählen die Hauptschule für ihr Kind, viel zu wenig, um auf Dauer sechs zu betreiben. Lege man in dieser Situation die Hände in den Schoß, laute die Konsequenz in zwei Jahren: „Es gibt nur noch die Hauptschule Drimborn.”

Ähnlich äußerten sich Mathias Dopatka für die SPD („wir schließen Standorte nicht aus Bosheit”) und Ulla Griepentrog für die Grünen („nichts zu tun, ist der falsche Weg”). Was die neue Gesamtschule angehe, so könne man von einem „historischen Tag für Aachen” sprechen, die letzte Neugründung liege 16 Jahre zurück.

Mit Nein stimmte die FDP, deren Ratsfrau Gretel Opitz erklärte, gerade Hauptschüler benötigten „individuelle Förderung und kleine Lerngruppen”, weshalb man allen existierenden Schulen noch drei Jahre Zeit einräumen solle. Hans-Dieter Schaffrath (FWG) bemängelte, dass es keine solide Abwägung bei der Auswahl des Standortes Sandkaulstraße gegeben habe (auch der Kronenberg war im Gespräch). Für die Linke erklärte Andreas Müller, die Sandkaulstraße sei im Rahmen einer unschönen „Salamitaktik” durchgedrückt worden.

Bei Schwarz-Grün und auch der SPD klang immer wieder durch, dass man sich die Sache nicht leicht gemacht habe, dass man den erzeugten Ärger aber verstehe. Wolfgang Boenke (CDU) zitierte Lichtenberg: Eine Fackel durchs Gedränge zu tragen, „ohne den Bart zu versengen”, sei schlechterdings nicht möglich.
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