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Aachens Polizei geht auf Migranten zu

Von: Martina Stöhr
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Aachen. Vertrauen schaffen und Ängste und Distanz abbauen: Das will die Aachener Polizei, die deshalb mit den Integrationskursen der Volkshochschule (VHS) kooperiert.

Dort erlernen Menschen aus Ländern wie Marokko, Polen, Bulgarien, Syrien, Spanien, Griechenland, Tunesien und vielen anderen die deutsche Sprache und lernen die Sitten und Bräuche des Landes kennen. Und seit neuestem lernen sie nun auch die Polizei kennen.

„Wir kommen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger“, sagt Thomas Hinz als Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Polizei. Rund 50 Zuwanderer sitzen im Forum der VHS, als er mit seinem Informationsmodul beginnt. Er fragt seine Zuhörer, aus welchem Land sie kommen, und schnell wird deutlich, dass der Vielfalt keine Grenzen gesetzt sind.

Dann gibt es grundlegende Informationen zur Arbeit der Polizei und wie sie zu erreichen ist. Außerdem stehen Beamte des Kriminalkommissariats „Vorbeugung“ für Antworten auf eine Vielzahl an Fragen rund um das Thema Kriminalprävention und Opferschutz bereit.

Sylvia Reinders, Opferschutz-Beauftragte bei der Polizei, geht das Thema „häusliche Gewalt“ an. „Es muss nicht immer Blut fließen, damit es ‚häusliche Gewalt’ ist“, sagt sie. Schon wer seine Frau einsperre, damit sie nicht zu einer Feier oder mit ihren Freundinnen ausgehe, übe häusliche Gewalt aus. Das sei vielen nicht bewusst.

Immerhin kommen die Zuwanderer aus anderen Kulturen und haben oft ein Bild von der Polizei, das mit deutschen Verhältnissen nichts zu tun habe, so Hinze. Locker und sympathisch geht er auf sein Publikum zu und versucht dabei, einen früheren Fehler nicht zu wiederholen. „Beim ersten Mal habe ich die Leute direkt angesprochen und nach ihrem Namen gefragt“, sagt er. Das sei bei dem einen oder anderen gar nicht gut angekommen. Jetzt fragt er nur noch nach dem Land, aus dem sie stammen.

Wie am Schnürchen spulen die meisten die Antwort ab. Mit ihrem Namen. Ganz freiwillig. Ihre Deutschkenntnisse reichen inzwischen aus, um der Veranstaltung zu folgen. Und wenn nicht, sollen sie ihn nur unterbrechen, fordert Hinz sie auf.

Die Integrationskurse sollen die Teilnehmer auf ein Niveau bringen, auf dem sie sich allgemein verständigen können. Laut Beate Blüggel, Leiterin der VHS, werden die Kurse gut angenommen. 600 Unterrichtsstunden beinhaltet einer. Dabei wird in einem Orientierungskurs auch über die gesellschaftlichen Verhältnisse gesprochen. Den Auftritt der Polizei hält Blüggel für eine sinnvolle Ergänzung. In den Kursen wird der Besuch der Polizei vor- und nachbereitet.

Thomas Hinz freut sich, dass er in einem angenehmen Umfeld Kontakt zu den Zuwanderern bekommen kann. Er ermuntert sie, sich an die Polizei zu wenden, wenn sie Hilfe brauchen. Und er hofft, dass die Aktion dazu beiträgt, ein objektives Bild der deutschen Polizei zu vermitteln und Vorurteile abzubauen.

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