Aachen - Aachens Pirat: „Werden die FDP ablösen”

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Aachens Pirat: „Werden die FDP ablösen”

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Seit zwei Jahren als Einzelkä
Seit zwei Jahren als Einzelkämpfer im Rat: Thomas Gerger von den Piraten. Die jüngsten Wahlerfolge und Umfrageergebnisse für seine Partei stimmen ihn optimistisch. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Mit knapp neun Prozent schafften die Piraten in der vergangenen Woche in Berlin erstmals den Einzug in ein Landesparlament. Laut ZDF-Politbarometer vom Wochenende kann sich inzwischen fast jeder fünfte Wähler vorstellen, die Piraten zu wählen.

Die junge Partei erreicht vorwiegend junge Wähler, denen die anderen Parteien zu bürgerlich und langweilig geworden sind. Über die jüngsten Erfolge sprach unser Redakteur Gerald Eimer mit dem Aachener Piraten Thomas Gerger, der vor zwei Jahren von 1680 Aachenern (1,7 Prozent) in den Stadtrat gewählt wurde.

Seit der Berlin-Wahl segeln die Piraten mit Rückenwind. Spüren Sie das auch in Aachen?

Gerger: Auf jeden Fall. Wir verzeichnen seit der Wahl vor einer Woche 141 neue Mitglieder in ganz NRW. Wir haben in Aachen eine Wahlparty gefeiert, die sehr rege besucht war. Insgesamt ist die Motivation bei allen deutlich gestiegen.

Wenn der Trend anhält, den das ZDF-Politbarometer meldet, müssten Sie bei der nächsten Kommunalwahl die FDP locker hinter sich lassen und in Fraktionsstärke in den Rat einziehen. Können Sie sich den Erfolg erklären?

Gerger: Ich glaube, die Berlin-Wahl hat vielen Menschen gezeigt, dass man uns ernst nehmen muss, und dass wir mehr sind als eine Spaßpartei. Viele Leute trauen sich jetzt erst, uns zu wählen, weil wir im Parlament sitzen. Wir kriegen insgesamt mehr Aufmerksamkeit.

Gibt es für den Erfolg denn inhaltliche Gründe, oder sind die Piraten nur eine Protestpartei?

Gerger: Wir haben sehr starke Inhalte. Wir werden zwar häufig nur auf das Internet und die Netzfreiheit reduziert. Aber wir wollen vor allem mehr Bürgernähe und die Basisdemokratie stärken. Zur letzten Landtagswahl hatten wir meiner Meinung nach eines der besten Bildungsprogramme und klare Positionen zu den Themen Verkehr und Gesundheit. Dass wir noch nicht alle Themen abgedeckt haben, liegt daran, dass wir uns als junge Partei vieles noch ernsthaft erarbeiten müssen.

Wenn Sie sich politisch selbst verorten, fühlen Sie sich eher dem linken oder dem rechten Spektrum zugehörig?

Gerger: Mit solchen Kategorien habe ich große Probleme, weil sie starke Assoziationen wecken, aber inhaltlich nicht viel besagen. Ich kann mir mit jeder demokratischen Partei eine Zusammenarbeit vorstellen. Entscheidend ist die themenorientierte Arbeit.

Sie sind jetzt seit zwei Jahren im Rat. Hatten Sie vor dem Einzug konkrete politische Ziele?

Gerger: Ja klar. Wir hatten ein Wahlprogramm. Wir wollten die Bürgerbeteiligung stärken. Wir haben ein freies W-Lan-Netz für die Stadt gefordert. Wir wollten öffentliche Daten der Verwaltung frei zur Verfügung stellen.

Haben Sie das Gefühl, etwas verwirklicht zu haben? Oder überwiegt die Enttäuschung?

Gerger: Als Einzelkämpfer hat man natürlich nur begrenzte Möglichkeiten. Aber wir haben ganz aktuell sehr stark an dem Konzept für einen Bürgerhaushalt mitgemischt. Und auf unsere Initiative hin hat sich ein überparteilicher Arbeitskreis gebildet, der sich kritisch mit der Videoüberwachung in Aachen beschäftigt. Ich denke, unsere Anwesenheit hat sehr dazu beigetragen, dass auch die anderen Parteien Anträge zu mehr Bürgerbeteiligung und Bürgerrechten gestellt haben.

Apropos Bürgerhaushalt: Ihr Kollege in Berlin kannte nicht mal den Schuldenstand in seiner Stadt. Wissen Sie, wie hoch Aachen verschuldet ist?

Gerger: Ich weiß, dass die Schulden jährlich um rund 60 Millionen Euro wachsen.

Stimmt. Und der Gesamtschuldenstand liegt bei rund 650 Millionen Euro. Dennoch: Wenn der Boom der Piraten anhält, werden Sie mehr kompetente Mitstreiter brauchen. Wäre dann auch mal eine Frau an Bord zu erleben?

Gerger: Natürlich. Wir sind zwar in der Tat etwas männerlastig, aber es gibt Frauen bei den Piraten. Sie haben sich allerdings noch nicht zur Wahl aufstellen lassen. Aber wir sind nicht nur offen für die Mitarbeit von Frauen, wir wünschen sie ausdrücklich.

Der Eindruck täuscht, dass unter der Piratenflagge vor allem technikbegeisterte Sonderlinge und Computerfreaks unterwegs sind?

Gerger: Ich bin selbst kein Sonderling und auch kein Informatiker oder Systemadministrator. Ich bin Chemiker. Meine Gründe für das Engagement bei den Piraten liegen in erster Linie in dem Wunsch nach mehr Basisdemokratie und Mitbestimmung.

Sie gehen davon aus, dass die Piraten mehr sind als eine Mode­erscheinung?

Gerger: Auf jeden Fall. Für mich ist ganz klar, dass wir weiter wachsen und dass wir über kurz oder lang die FDP als fünfte etablierte Partei ablösen werden.
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