Aachens Pfalz soll schöner werden

Von: Wolfgang Schumacher
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Vor Christiane Gastmann erklärt Architekt Günter Baum mit viel Engagement seine Vision der Pfalz Karls des Großen. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Rund um Dom und Rathaus” ist der Titel eines beliebten Traditions-Radrennens, dessen kurvenreiche Strecke teilweise eng auf das Gebiet der alten Pfalz Karls des Großen führt.

Rund um Dom und Rathaus, so verkündete am Montag die Leiterin des Planungsamtes Christiane Gastmann die Ergebnisse eines Architekten-Wettbewerbs, soll es nach dem siegreichen Entwurf der Düsseldorfer Architekten Fritschi/Stahl/Baum alsbald so richtig schön werden.

Vor allem eine Innenstadt „aus einem Guss” streben die Düsseldorfer an, „Ruhe und Klarheit” sollen demnächst gestalterisch in den Freiräumen des ehemaligen Pfalzbereichs einkehren. Planer Günter Baum und seine Kollegin Sibylle Ortmann waren nach dem einstimmigen Sieg schnellstens angereist und erklärten an der Seite der Planungsamtschefin, was sie mit den 2,6 Millionen Euro aus Konjunkturmitteln so alles anstellen wollen - die Stadt selbst muss noch einmal knapp 30 Prozent drauflegen.

Mit den rund 3,4 Millionen Euro hat Günter Baum einiges vor, auch durchaus Revolutionäres. Zeitlich gesehen ist als erstes der Katschhof an der Reihe. Wann das genau ist, hängt entscheidend davon ab, wie schnell der Durchlauf nach der Wahl in den dann neu besetzten kommunalen Gremien zu schaffen ist.

Zunächst soll der Katschhof als größter repräsentativer Platz einige durchaus gravierende Veränderungen erfahren - hier dominiert die Forderung nach Klarheit. Am Kopf des Platzes soll die bestehende „und optisch abtrennende” Rampe” (Baum) einer Freitreppe weichen, die vor allem „zum Sitzen” genutzt werden soll.

Die beiden jetzigen Treppen gefielen den Architekten gar nicht, Karls Kräutergärtchen sei viel zu versteckt ebenso wie der äußere Gastrobereich des Ratskellers - kurzum die verschiedenen Ebenen jetzt seien optisch total verwirrend. Gelöst wird dies durch eine abschließende Bank aus Stein, die die repräsentative Treppenanlage nach oben begrenzt und zur ruhigen Sicht auf den Platz einlädt. Dort oben können nach wie vor Karlspreisträger geehrt oder Bands aufspielen, wie der Architekt versicherte.

Apropos Kräuter: Baum will eine Reihe von Bäumen an der Rückfront der Krämerstraße pflanzen und weil Karl der Große damals seine neue karolingische Agrarordnung einführte, sollen daneben von kleinen Buxbaumhecken gefasste Gartenvierecke angelegt werden. Dazu kommen Schrifttafeln aus Blaustein, die über historische Themen berichten sollen, übrigens überall im engeren Umfeld der Pfalzanlage.

Auch an der Rückfront der Krämerstraße soll eine lange Steinbank platziert werden, auf der man auch „ohne Gastronomieangebot” (Baum) verweilen könne. Gegenüber soll es vor dem Verwaltungsgebäude wiederum einer trennend hohen Steinanlage an den Kragen gehen. Hier ist geplant, das Plateau vor dem denkmalgeschützten Gebäude, das zum Zentrum der Route Charlemagne werden soll, zu entfernen und eine flache, gläserne Eingangssituation zu schaffen.

Auch der Spolienhof vor dem Dom kommt an die Reihe. Dort, wo alte Steine ruhen, soll künftig ein freier Blick auf die Kirche vorherrschen, auch hier fällt die eingrenzende Mauer. Als zeitlich zweiten Schritt wird man vom Klosterplatz in der jetzigen Form Abscheid nehmen müssen - die Autos sollen weg.

Die „einmaligen Aachener Dreiecksplätze”, die durch das Aufeinandertreffen des alten römischen Straßenverlaufs und der neuen mittelalterlichen Ausrichtung von Dom und Rathaus zustande kommen, sollen dort am Klosterplatz um einen „Ritter-Chorus-Platz”, der straßenbaulich neu geschaffen wird, erweitert werden.

Einheitliches Erscheinungsbild

Auch in der Johannes-Paul-II-Straße mit dem Eingang zur Domschatzkammer, dem neu geplanten Dom-Info-Center gegenüber und im Raum ums Fischpüddelchen soll einiges geändert werden. „Kastenlinden” etwa sollen vor das Info-Center und in die Ritter-Chorus-Straße an der Domsingschule gepflanzt werden. Ihre klare Form ist ein Teil der optischen Aufräumarbeiten im jetzigen innerstädtischen Kuddelmuddel. Am neuen kleinen Platz soll „eine Arkadensituation” entstehen.

Man wolle großflächig, erklärte Baum weiter, von der Ursulinerstraße bis zum Rathaus ein einheitliches Erscheinungsbild in den Böden herstellen. Als Material schlägt der Architekt die heimische Grauwacke vor, barrierefrei und ohne Bordsteinkanten sollen die Flächen werden. Dazu kommen in Abständen besagte Themenplatten in Blaustein.

„Wir greifen auf ruhiges, archaisches Material zurück”, meint Baum. Sogar das Lichtkonzept steht schon in Grundzügen: „Wir wollen keine rundum leuchtenden Straßenlaternen, die blenden”. Man habe sich für ein „Downlight-Konzept” entschieden: Nur die Bäume werden von unten angestrahlt, das Licht generell ist auf den Boden gerichtet.

Zwei „Kleinode” reichern die architektonische Begeisterung an. Das eine ist das sogenannte Quadrum, Kreuzgang mit Innenhof der Domsingschule. Er soll ebenso wie der kleine Platz am Grashaus, dem alten Rathaus und jetzigen (Noch)-Stadtarchiv, ins Konzept mit einbezogen werden.

Der Siegerentwurf der Architekten Fritschi/Stahl/Baum sowie die anderen vier Enwürfe sind im Bürgerservice im Verwaltungsgebäude Katschhof zu sehen. Die Ausstellung beginnt am 18. und endet am 30. September.
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