Ningbo - Aachens Partnerstadt Ningbo: Getauft werden die Erwachsenen

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Aachens Partnerstadt Ningbo: Getauft werden die Erwachsenen

Von: Clara Lamm
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Bischof Matthew Hu vor der Jianbei Kirche in Ningbo. Hier werden englischsprachige Messen angeboten. Fotos (2): Clara Lamm Foto: Clara Lamm
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Blick in die Jianbei Kirche: Englischlehrer Justin Berg ist der musikalische Leiter.

Ningbo. Etwa sechs bis zehn Millionen Katholiken leben in China, 28.000 von ihnen gehören zum Bistum Ningbo. Dieses bietet den Gläubigen nicht nur chinesische Messen in 80 Kirchen, sondern auch englische Gottesdienste. Jeden Sonntag um halb elf finden diese in der Jianbei Kirche in der Nähe des besonders bei Ausländern beliebten Kneipenviertels Laowaitan statt.

Dort findet man eine bunte Mischung verschiedener Nationalitäten wie beispielsweise Katholiken aus Afrika, Südamerika, Kanada, Mexiko, Europa und asiatischen Ländern wie Indonesien. „Neben etwa 40 Ausländern pro Woche kommen größtenteils Chinesen zur Messe, die neugierig den nicht-chinesischen Kirchgängern folgen oder ihr Englisch als gläubige Christen verbessern wollen”, sagt Justin Berg, der seit dreieinhalb Jahren als musikalischer Leiter der Jianbei Kirche tätig ist.

Durch seinen viel reisenden Vater und viele seiner Professoren, die in fernen Ländern lebten, wurde der Amerikaner motiviert, ebenfalls solche Reiseerfahrungen zu machen und kam vor fünf Jahren nach China.

Der hauptberufliche Englischlehrer leitet auch den Kirchenchor, der sich jeden Sonntag vor der englischen Messe trifft. Hier hat er mit schwankenden Sängerzahlen von einer bis 20 Personen zu kämpfen, die ihm die Proben erschweren. Das liegt daran, dass viele Studenten und einige Geschäftsleute den Chor und die Messe besuchen. Diese beiden Gruppen bleiben meist nicht lange Zeit in Ningbo, was wiederum zu den unsteten Mitgliederzahlen führt.

Bereits im Jahr 1628 kam ein portugiesischer Missionar nach Ningbo und 1640 wurde ein italienischer Missionar erster katholischer Priester der Stadt. Innerhalb von fünf Jahren führte er dort 560 Taufen durch. Etwa 200 Jahre später gab es ein Apostolisches Vikariat in der Zhejiang Provinz, zu der auch Ningbo gehört. Im Jahr 1876 zog der Bischof nach seiner Ankunft in Ningbo in die Jianbei Kirche ein.

1941 zeigten Statistiken, dass es in Ningbo selbst bereits 5123 Kirchenmitglieder gab und 52.199 inklusive der Nachbarorte Zhoushan, Yuyao, Shaoxing, Ninghai, Xiangshan und Wenzhou. Fünf Jahre nach dieser Zählung wurde das Vikariat Bistum, zu dem eine Grundschule sowie die „Ningbo Yisan Middle School” gehörten. Während der Kulturrevolution von 1966 bis 1979 wurden jegliche religiöse Aktivitäten eingestellt, anschließend aber wieder aufgenommen.

Heute leitet Bischof Matthew Hu das Bistum, in dessen Jianbei Kirche jährlich etwa 40 Trauungen von Chinesen oder Ausländern zelebriert werden. Hu selbst fand mit 14 Jahren seinen Glauben zu Gott. Zu dieser Zeit war er so schwer krank, dass die Ärzte ihn nicht mehr heilen konnten. Seine Familie begann zusammen mit ihm zu Gott zu beten und an ihn zu glauben – und der jetzige Bischof wurde gesund. Daraufhin konvertierte die gesamte Familie zum Katholizismus. „Auf dem chinesischen Land wendet man sich zu Gott, wenn ein Prediger kommt, eine Heilung vollzogen wird oder jemandem Demenz oder Wahnsinn ausgetrieben wird”, meint Matthew Hu.

Aber auch andere Wege führen Chinesen zum Glauben, wie das Beispiel von Josh Zhang zeigt. Der Familienvater suchte aus Interesse 2008 die englische Messe auf und ließ sich noch im gleichen Jahr taufen. Anfangs war er der einzige Gläubige in seiner Familie, doch inzwischen ist seine Frau auch getauft und sein Sohn wird bald folgen.

Die 300 jährlichen Taufen des Bistums werden anders als beispielsweise in Deutschland hauptsächlich bei Erwachsenen im Alter von 40 bis 50 Jahren durchgeführt. Der Kinderanteil an diesem ersten Sakrament von nur zehn Prozent hängt mit der Ein-Kind-Politik zusammen. Stammen die Kinder nicht aus einer katholischen Familie, kommen sie kaum mit der Kirche in Berührung und glauben auch nicht an Gott.

Religion wird in China nicht als Schulfach unterrichtet und es gibt lediglich informelle Sonntagsschulen für Kinder, so dass viele sich erst im Erwachsenenalter für den Kircheneintritt entscheiden.

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