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Aachens Norden gehört mit zum Fracking-Feld

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Hier wird nicht gefrackt: Das Gebiet Lohn nahe der Benediktinerabtei gehört nicht zum Erlaubnisfeld Rheinland, das sich der Energiekonzern Wintershall gesichert hat. Aachens Norden aber wohl. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Seit zwei Monaten geistert der Begriff „Fracking“ durch Aachen und macht die Gemüter scheu. Aufgetaucht ist er erstmals in einer Vorlage des Planungsausschusses, in der Sitzung vom 4. Dezember, beim Tagesordnungspunkt Bebauungsplan 812 Kornelimünster-West/Oberforstbacher Straße.

Unter Punkt 3: Bericht über das Ergebnis der Beteiligung der Behörden steht dort folgende Passage : „Bergbau: Die Wintershall Holding GmbH verfügt über eine öffentlich rechtliche Berechtigung zur Aufsuchung und Gewinnung von Kohlenwasserstoffen (Hydrofracking). Ein entsprechender Hinweis soll in die schriftlichen Festsetzungen des Bebauungsplans und in die Begründung des Flächennutzungsplans aufgenommen werden.“

Die Piraten haben schon eine Mitteilung herausgegeben, in der Bedenken gegen das Vorhaben angemeldet werden. Schließlich stehe die Stadt Aachen ja doch dem Vorhaben der Erkundung von Schiefergas aus unkonventionellen Quellen ablehnend gegenüber, wie den Nachbarn in den Niederlanden anlässlich einer grenzüberschreitenden Konsultation im letzten Jahr mitgeteilt worden ist.

Fracking, also das Erkunden und Bohren nach Gas in tiefen Gesteinsschichten, also im Aachener Süden – in Sichtweite der alten Abtei? Nicht nur die Piraten gruseln sich vor dieser Vorstellung. Die ist auch so nicht richtig, wie tagelange Recherchen der „Nachrichten“ ergeben haben. Zumindest nicht für Kornelimünster.

„Es ist ein klassisches Missverständnis“, gesteht Axel Costard vom Presseamt zu. Wintershall hat für Kor­nelimünster-West keine Rechte geltend gemacht, wohl aber in Laurensberg, für den Bebauungsplan Nr. 954 N – Laurentiusstraße / Laurentiushang, Nord – im Planbereich zwischen Laurentiusstraße, Karl-Friedrich-Straße und Haus Lind, der am 10. Dezember im Rat beschlossen wurde.

Darin heißt es nämlich ebenfalls: „Der räumliche Geltungsbereich des Bebauungsplanes befindet sich innerhalb des bergrechtlichen Erlaubnisfeldes Rheinland der Wintershall Holding GmbH, Erdölwerke. Hierbei handelt es sich um eine öffentlich–rechtlich verliehene Berechtigung zur Aufsuchung und Gewinnung von Kohlenwasserstoffen.“

Der Energiekonzern habe also lediglich die Bebauungspläne verwechselt, so Costard weiter. Der nördliche Stadtbereich mit Rich­terich und Laurensberg gehöre nämlich durchaus zum Erlaubnisfeld Rheinland, wie der Skizze der dafür zuständigen Bezirksregierung Arnsberg zu entnehmen sei.

„Keine Erlaubnis“

Was aber bedeutet das? Laut Axel Costard noch nicht viel: „Mit diesem nachrichtlichen Hinweis im Bebauungsplan ist keinesfalls eine Erlaubnis – z.B. für das Fracking – verbunden.“

Er sei vielmehr vergleichbar mit dem Hinweis, ob etwa mit Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg zu rechnen sei. „Wintershall wurde wie viele andere Behörden und Organisationen angeschrieben. Das Verfahren dient dazu, transparent auf Dinge hinzuweisen, die für eine Bebauung möglicherweise erst in ferner Zukunft relevant sein können.“ Ausgeschlossen scheint also nicht, dass irgendwann Fördertürme in Aachens Norden stehen.

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