Aachen - Aachens jüngere Geschichte in rasanten Bildern

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Aachens jüngere Geschichte in rasanten Bildern

Von: Werner Czempas
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Aachen. Bleibt auf, wenn Ihr Aachener seid... Leicht verfremdet mag der Schlachtgesang der Tivoli-Fans auch den echten, den wahren Öcher puschen. „Aufbleiben!“ heißt die Parole für ihn am Freitagabend: Zu später Stunde zeigt das WDR-Fernsehen ab 23.15 Uhr den 45-minütigen Dokumentarfilm „Heimatabend Aachen“.

Rund 200 Aachener gingen im voll besetzten Space des Ludwig-Forums in einer Vorschau schon einmal vorab auf die bewegende Zeitreise durch „os Oche“. Ihr Applaus bekräftigt: Unbedingt anschauen!

Unveröffentlichte Filmschätze

In seiner „Heimatabend“-Serie geht der WDR in zehn nordrhein-westfälischen Städten dem großen und immer wiederkehrenden Wort Heimat nach. Was ist Heimat, Heimatgefühl? Warum leben Menschen gern in ihrer Stadt? Was ist das Liebenswerte? Wie wandelten sich die Städte in den Nachkriegsjahrzehnten und wurden sie zu dem, was sie heute ausmacht? Im eigenen, in privaten und im Bundesfilmarchiv bargen die WDR-Macher zum Teil unveröffentlichte Filmschätze.

„Heimatabend Aachen“ setzt ein mit der Befreiung Aachens am 21. Oktober 1944 durch die Alliierten. In rasanten Schnitten und Sprüngen fliegen Zeit und Erinnerung dahin: Aachen ein Trümmerberg. Experimentierfeld beim Aufbau der Demokratie. Ausgemergelte Menschenschlangen vor Bruchbuden, die Geschäfte sind. Aber schon 1947 „die große, weite Welt“ wieder beim Reitturnier. Die sündige Grenze und die Schmuggler. Tagesvisa, um nach Vaals oder Belgien zu kommen. Schoko-Streusel in Vaals kaufen.

Die erste Disco Deutschlands

Die Roskirmes mit dem Klömpcher werfenden Streuengelchen. Die erste Pommesbude am Kaiserplatz. Pralles abendlich-nächtliches Leben in den 50ern, 800 Kneipen, die erste Disco Deutschlands, „das New Orleans Deutschlands“. Wiederaufbau der „neuen Stadt“, aber wie? Die Adalbertstraße früh als elegante Flaniermeile und die Tram noch mittendurch. Bau der Studententürme. Studenten- und Schülerproteste, der Geist der 68er schwappt auch auf die ruhigere, da technisch geprägte RWTH über.

Stationen: Niederländische Frauen und Männer in der Aachener Industrie. Die Alten schlürfen „Eierwasser“ im Elisenbrunnen. 1950 der erste Karlspreis, noch mit steifem Pomp und Muff unter den Talaren. Der wiederauflebende Karneval. Das katholische Aachen und die riesigen Prozessionen durch Trümmerstraßen, Kirche als Macht. Viel später das legendäre Pop-Festival im Sommer 1970 „mit dem fremden, süßlichen Duft“„über der Soers. Drogentouristen. Philipp Leisten in der Adalbertstraße. Neue Rathaustürme. Rue de Antoinette. Der Koloss Klinikum zunächst als gefühlter „Schock“. Gala-Eröffnung des Spielcasinos mit Curd Jürgens. Ende der Tuch- und Nadelindustrie, Aus für die Zechen. Das Schengener Abkommen 1985 und die offenen Grenzen, ihr Wegfall.

In dieser faszinierenden filmischen Zeitreise kommen als Zeitzeugen immer wieder echte Aachener zu Wort: Ulla Schmidt, Jürgen Linden, Heinz Malangré, Jürgen von der Lippe, Klaus Quirini, Angela Maas, Ernst Hilpert, Dorothée und Yvonne Hugot und als Wahl-Aachener Holger A. Dux. Als Filmsprecher legt sich Wendelin Haverkamp gewohnt humorvoll ins Zeug.

Sie alle machen das so liebenswürdig und mit köstlichen Ameröllcher und Erinnerungen an Kindheit und Wiederaufbau, dass Moderator Ralf Raspe vom WDR-Studio Aachen, seit 32 Jahren Neubürger Aachens, am Ende des Films bekannte: „Aachen ist schön – oder? Ich hatte ein bisschen Wasser in den Augen.“

Die Suche bricht plötzlich ab

Ein bisschen Wasser denn auch in den Wein eines wunderbaren Films. Der WDR führt mit dem Streifen heran bis an die 90er Jahre. Auf der Suche nach dem „großen Wort und starken Gefühl Heimat“ vielleicht mit Absicht nur bis dahin. Aber manchem Zuschauer wird dieses Ende als abgebrochen, als zu plötzlich erscheinen. In einer von Ralf Raspe im Anschluss an den Film wie stets charmant geführten kleinen Gesprächsrunde machte Alt-OB Jürgen Linden darauf aufmerksam: „Was fehlt im Film? Mir fehlt das moderne Aachen, das sich im Westviertel entwickelt hat.“

Er meinte damit den gewaltigen Ausbau des RWTH-Hochschulgebiets, an dem er nicht unmaßgeblich beteiligt war. Dieser Ausbau repräsentiere die Gegenwart der Stadt und belege den Strukturwandel Aachens auf dem Weg zu einer Wissenschaftsstadt von weltweitem Rang. Linden: „Damit wird aus einem Heimatgefühl ein Stück Zukunftsgefühl.“

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