Aachen - Aachener Solarcup: Iskar und sein Flitzer machen das Rennen

Aachener Solarcup: Iskar und sein Flitzer machen das Rennen

Von: Christopher Gerards
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Die „Blauen Engel”  vom Pius
Die „Blauen Engel” vom Pius-Gymnasium haben mit ihrem sonnenbetriebenen Bobby-Car den zweiten Aachener Solarcup gewonnen. Der achtjährige Iskar (vorne) steuerte das Gefährt zum Sieg. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Noch ein kleines Stück zurück, dann kanns losgehen. „Drei, zwei, eins”, zählt der Moderator runter, und die jungen Fahrer treten energisch aufs Gas-Pedal ihrer kleinen Flitzer. Familien und Sponsoren feuern fröhlich an, ein Cheerleader-Trupp schwingt seine roten und weißen Puschel durch die Luft.

Und auch die Sonne scheint kräftig, während die tempofreudigen Kids Kopf an Kopf über den Asphalt rasen.

Die Sonne, sie ist das Lebenselixier der Flitzer, die sonst eher selten als Rennwagen in Erscheinung treten, die Tankstelle gewissermaßen. Denn der fahrbare Untergrund der Piloten ist ein solarbetriebenes Bobby-Car. Mit ihm treten sie an diesem Samstagmittag beim zweiten Aachener Solarcup an, der als Teil der Aachener Solartage auf dem Stawag-Gelände an der Lombardenstraße stattfindet.

Monatelang haben Schüler der achten bis zehnten Klassen an sechs Aachener Schulen mit einem Industriepartner an den Bobby-Cars getüftelt. Aus einem stinknormalen Plastikwägelchen samt Solar-Bausatz haben sie elegante Mini-Rennwagen gebastelt: Die Plastikreifen wurden durch Gummi-Pendants ersetzt, die Wagen lackiert, an der Lenkung gefeilt oder der Stellwinkel der Solarmodule optimiert. Bewertungskriterien sind unter anderem die Optik, die Dokumentation des Tüftelns und die drei Rennen auf dem Stawag-Gelände.

Iskar (8) geht noch zur Grundschule. Aber heute startet er für das Team „Blaue Engel” des Pius-Gymnasiums. Schon nach einer Runde hat er einen stattlichen Vorsprung herausgefahren. Er lacht fröhlich, während er mit geschätzten 30 Sachen über den Asphalt flitzt und von den zahlreichen Zuschauern vom grünen Hang aus angefeuert wird. Nach drei Runden ist Iskar immer noch vorne, und so dürfen die Pius-Schüler letztlich - auch dank der guten Leistungen in den anderen Disziplinen - ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen.

„Absolut super”, sei das, meint Lucca Groß (15), Zehntklässler des Pius-Gymnasiums. „Mir hat das Projekt sehr gut gefallen, weil das eine absolut zukunftsfähige Technologie ist.” Die Schüler hätten einiges an technischem Know-how mit auf den Weg bekommen, sagt Mathematik- und Physikehrer Doktor Guido Bragard. Außerdem hätten sie gelernt, sich für eine Sache langfristig zu engagieren.

Ute Melchior, Projektleiterin der städtischen Wirtschaftsförderung, Veranstalter des Cups, erklärt die Ziele des Projekts: „Zum einen sollen die Schüler an das Thema erneuerbare Energien herangeführt werden. Zum anderen bekommen die Schüler dadurch, dass sie in Unternehmen mitgearbeitet haben, Einblicke in die Arbeitsweisen von Werkstätten.”

Doch auch abseits des Renngeschehens stehen bei den Solartagen die Elektro-Fahrzeuge im Vordergrund. Denn im Schatten eines großen Sonnenschirms hat Stephan Nagel (55) seinen elektrisch betriebenen weißen Golf, Baujahr 1985, geparkt. „Lautlos durch die Gegend zu fahren macht Spaß”, sagt er und packt einige Zahlen zu seinem Elektro-Oldtimer aus: 2002 hat er ihn für 2700 Euro gekauft. Maximal 100 Kilometer hält der Akku, fünf bis sechs Stunden braucht es, ihn komplett aufzuladen. Die Höchstgeschwindigkeit des Wagens beträgt 100 km/h.

„Das Auto der Zukunft”

Und trotz kleiner Schwierigkeiten im Alltag glaubt Nagel fest an den Durchbruch der Technik: „Ich bin davon überzeugt, dass das Elektro-Auto das Auto der Zukunft ist. Nur wie lange es dauert, bis es sich durchsetzt weiß ich nicht.”

Solche Fragen kann hier wohl niemand beantworten. Aber in einem weißen Zelt gibts reichlich Infos und Tipps zu den Themen Photovoltaik-Anlagen und Solarthermie. „Die Leute fragen, ob es sich grundsätzlich lohnt, eine Photovoltaik-Anlage anzuschaffen”, sagt Maria Feldhaus, Energieberaterin der Verbraucherzentrale, die auch einen Stand gepachtet hat. „Grundsätzlich empfehle ich, genau hinzugucken, denn pauschal kann man das nicht sagen. Es hängt ab von der Himmelsrichtung, der Dachneigung und der Verschattung”, sagt sie. Aber auch andere Fragen interessierten die Leute. Beim Thema Heizungen zum Beispiel sei es sinnvoll, sich schon im Sommer damit zu beschäftigen.

Aber an diesem warmen Sommertag ist vielen Besuchern eher nach Abkühlung zumute. Am Getränkestand jedenfalls gehen die kühlen Limonaden und Wasser weg wie, nun ja, warme Semmeln. Mancher schleckt genüsslich an seinem Eis. Andere wiederum, vor allem die Jüngeren, versuchen es mit etwas Wind. Fahrtwind, um genau zu sein, nicht in einem Cabriolet, es geht noch ja noch viel luftiger: auf einem Bobby-Car.
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