Aachener Science Slam: Ein humoriger Wettkampf der Worte und Fakten

Von: Svenja Pesch
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Sorgten für Sprachwitz: Peter Schneider (RWTH AC), Elisabeth Mettke (Bonn), Jens Wehner (Darmstadt), Carrie Ankerstein (Saarbrücken), Jutta Teuwsen (Dortmund), Katharina Minz (Berlin) und Darius Rupalla (Witten, von links). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wissenschaftliche Vorträge können ganz schon zäh und langweilig sein. Dass es auch anders geht, zeigen die nicht mehr wegzudenkenden Science-Slams. Denn wo sonst stürmen überwiegend junge Menschen freiwillig und mit großer Vorfreude in oftmals enge Räume, um sich genau das anzuhören?

Im Franz hat das ziemlich gut funktioniert, denn dort wurden nun die „Westdeutschen Meisterschaften – der 15. Aachener Science Slam“ – ausgetragen. Sieben „Slammer“, darunter vier Frauen und drei Männer aus dem Westen Deutschlands, lieferten sich auf der Bühne einen Wettkampf der Worte und Fakten.

„Jeder Teilnehmer hat zehn Minuten Zeit, dem Publikum das eigene Wissensgebiet auf unterhaltsame Weise zu präsentieren. Dabei ist alles erlaubt, was die Hausordnung hergibt: von einer aufwendigen Präsentation bis hin zum Einrad. Der beste Vortrag wird am Ende von den Besuchern durch Applaus gekürt“, erklärte Organisator Sven-David Gettys. Die zwei Sieger fahren zum großen Finale der Meisterschaft nach Ulm.

Moderator Niklas Fauteck merkte beim Betreten der Bühne schnell, dass es für die meisten Anwesenden nicht der erste Besuch eines Science Slams war. Ein komplett ausverkauftes Haus fieberte dem Wettbewerb entgegen. Dass Aachen aufgrund der Technischen Hochschule ein spezielles Pflaster sei, ließen die Anwesenden mit einem Lächeln unkommentiert. Auch die Tatsache, dass Peter Schneider, Maschinenbaustudent aus Aachen, mit seinem Vortrag zum Thema „Leichtbau im Backofen“ an den Start ging, konnte nur ein Zufall sein. Oder doch ein Klischee?

Aber nicht nur technisch wurde „geslammt“, was die Vortragslust hergab, auch Geisteswissenschaftler präsentierten aktuelle Forschungsprojekte. Carrie Ankerstein, Katharina Minz, Jutta Teuwsen, Elisabeth Mettke, Darius Rupalla, Peter Schneider und Jens Wehner lieferten sich einen wissenschaftlichen Konkurrenzkampf auf hohem Niveau.

Die Sprachwissenschaftlerin Ankerstein referierte in ihrem Vortrag „Hören, es geht um die Ohren“ über auditorische Illusionen. An der Uni Saarbrücken befasst sie sich mit dem Unterschied von Hören und Wahrnehmen und beleuchtet in ihrer aktuellen Forschung, wie Sehen und Hören die Sprachwahrnehmung beeinflussen.

Jens Wehner hingegen ist Physiker an der Uni Darmstadt. Er machte deutlich, dass Physik auch alltagstauglich sein kann. „Wie man Paare auseinander bringt“ – oder wissenschaftlich ausgedrückt „Dissoziation von Zweiteilchenanregungen“ lautete sein Thema, in dem er anhand von Solarzellen und Glühbirnen erklärte, wie man positive Elektroden ganz leicht in negative umwandeln kann. Ergo: Aus Zweisamkeit wird spielerisches Single-Dasein. Ganz schön viel akademischer Stoff für einen Abend.

Sprachwissenschaftlerin Minz konnte mit ihrem Vortrag „Wie die Sprachwissenschaft die Hälfte der Menschheit rettete“ gemeinsam mit Elisabeth Mettke den Wettbewerb für sich entscheiden. Letztere promovierte im Bereich Immunologie an der Uni Bonn und sprach ein Gebiet an, welches manch einen erst einmal peinlich berührte „Alles im Lot mit'm Kot“, so ihr Thema. „Mikrobiota, die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm, sind wie eine Hippie-WG, die den Organismus im Idealfall gesund halten. Und Autoimmunerkrankungen sind Resultat einer schlechten Mikrobiota“, so Mettke. Klingt logisch, oder?

Genau wie bei Minz, die die Berufsfelder von Pragmatikern, Syntaktikern, Semantikern und Phonetikern genauer erläuterte. Denn vor allem Vokale können entscheidend sein. Einmal eine falsche Aussprache und zwei Menschen reden völlig aneinander vorbei.

Beim 15. Aachener Science Slam redeten die „Slammer“ alles andere als am Thema vorbei, sondern machten deutlich, dass Wissenschaft durchaus humoristisch ist.

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