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Aachener rocken den „Gangnam Style“

Von: Martina Feldhaus
Letzte Aktualisierung:
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Diesen Tanz kennen Internetnutzer weltweit: den „Gangnam Style“ des südkoreanischen Musikers Psy. Die Aachener Band „Start a Revolution“ – hier Sänger Patrick Portnicki – hat jetzt eine Metal-Version daraus gemacht.

Aachen. Was haben der US-amerikanische Präsident Barack Obama, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und eine Aachener Punk-Metal-Band gemeinsam? Sie alle sind begeisterte Fans von Psy. Der südkoreanische Pop-Künstler schaffte das, worauf so viele Möchtegern-Musiker und Talente lange vergebens hoffen.

Mit einem knallbunten und recht schrägen Musikvideo zu seinem Song „Gangnam Style“ erlangte der schon etwas ältere Rapper innerhalb weniger Monate weltweite Bekanntheit.

Das Youtube-Video und mit ihm der „Gangnam-Style“-Tanz – ausladende Hüpf-Bewegungen, die irgendwie an einen Westernreiter auf Crack erinnern – wurde ruckzuck zum beliebtesten Video in der Geschichte der Internetplattform. Psys Song wurde zum Hit, das Phänomen schlug sich in der internationalen Presse nieder. In Deutschland gewann der Clip bei den MTV Europe Music Awards in der Kategorie „Best Video“. Fans riefen zu zu Flashmobs auf und drehten reihenweise eigene Parodien.

So auch die fünf Jungs von „Start a Revolution“ aus Aachen. Der Unterschied: Ihre Version ist kein laienhaft zusammengeschnibbeltes Video mit in Jogginghose tanzenden Normalos. Ihre Version heißt „Badass Gangnam Style“ und ist eine äußerst professionell produzierte Abwandlung des Erfolgs-Clips im rotzigen Punk-Rock-Metal-Stil. „Ich hatte das Original in Hamburg bei einem Freund gesehen und dachte nur ‚Was geht denn da ab? Die Koreaner sind echt verrückt“, erzählt Gitarrist und Sänger Malik Aziz.

Er und sein Kumpel – der nennt sich Johnny Deathshadow und macht sogenannten Horror-Punk – konnten sich von dem koreanischen Pop-Video in Bonbonfarben gar nicht mehr trennen. Immer wieder klickten sie es auf Youtube an, begannen den ihnen unverständlichen Songtext mitzusprechen. Und transkribierten ihn schließlich in einen für Deutsche lesbaren Text. „Koreanisch konnte natürlich keiner“, sagt Aziz. „Aber wenn man genau hinhört, versteht man, was gesungen wird.“

So wurde aus einer Albernheit zunächst eine A-cappella-Aufnahme, gesungen von Malik Aziz und Johnny. Einige Telefonate und Tage später war die musikalische „Start a Revolution“-Version mitsamt Schlagzeug aufgenommen und bei einem weiteren Kumpel in Duisburg abgemischt. Jetzt hatten Aziz und die anderen – Sänger Patrick Portnicki, Jens Breuer, Markus Kreutz und Tamon Nüssner – Blut geleckt. „Das klang viel besser als gedacht“, erzählt Aziz. „Also sagten wir uns: Da muss man mehr mit machen.“ Kurzerhand aktivierte die Aachener Band ihr Netzwerk.

Vor allem Johnny aus Hamburg war hilfreich. Seine Kontakte zu einer Video-Produktionsfirma und anderen Leuten aus der Branche brachten innerhalb kürzester Zeit ein ganzes Team an Profis zusammen – und das auch noch zu äußerst günstigen Konditionen. Aziz: „Die Leute da sind alle große ‚Gangnam‘-Fans. Und denen gefiel unsere Aufnahme.“ Aber auch viel Glück sei noch dazu gekommen – etwa bei der Suche nach geeigneten Drehorten.

Die entsprechen nun wunderbar dem Klischee einer lauten Metal-Band. Zahlreiche Szenen spielen etwa in einem berühmten SM-Club auf dem Hamburger Kiez. Dort räkelt sich Sänger Patrick Portnicki – mit wilder Mähne und dickem, schwarzem Lippenstift – hilflos festgeschnallt auf einer drehbaren Holzplatte, umgeben von Tänzerinnen im Lack- und Lederoutfit. An anderer Stelle tanzen die Aachener, die „eigentlich alle keine Tänzer sind“ (Aziz), den cowboyartigen „Gangnam-Style“.

Wie viel Spaß das Ganze gemacht hat, lässt sich nur erahnen. Dass das Ganze eine Parodie auch auf die eigene Szene ist, ist kaum zu übersehen. Aziz: „Wir sind normalerweise ganz normale Rocker, die in Jeans und T-Shirt auf die Bühne gehen.“ Doch angesichts des Erfolgs, den die Aachener derzeit mit ihrem „Badass Gangnam Style“ einheimsen, überlegen sie, ob ihre Bühnenshow nicht doch mal ein Upgrade braucht. Am Freitag lag ihr Youtube-Video bei knapp 47.000 Klicks, Tendenz stetig steigend.

Bekannte Musiksender wie MTV und VIVA sendeten das Video bereits ebenso wie Szeneblogs. „Unsere Metal-Version wurde schon auf Partys in Berlin gespielt. Auch im Aachener Apollo sind die Leute dazu abgegangen.“ Von so einer Resonanz hatten die Fünf nicht mal geträumt. Doch jetzt träumen sie weiter. Ihre kuriose Idee: Sie wollen als Vorband von Psy auftreten, sobald dieser auf Tournee nach Deutschland kommt, und bewerben sich mit einer eigens eingerichteten Webseite. Aziz: „Bis jetzt hat er sich noch nicht gemeldet.“ Die Jungs nehmen‘s locker. In erster Linie war der Dreh für sie ein großer Spaß, in zweiter Linie können sie das Video für‘s Selbstmarketing gut gebrauchen. Und sonst? „Wir schauen einfach, wie‘s weitergeht.“

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