Aachen - Aachener Restauratorin räumt in Köln den Trümmerschutt weg

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Aachener Restauratorin räumt in Köln den Trümmerschutt weg

Von: Georg Dünnwald
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Die Restauratorin Katharina Kleine wurde vom Aachener Stadtarchiv nach Köln „verliehen”. In der Domstadt hilft sie, nach dem Einsturz des dortigen Stadtarchivs geborgene und beschädigte Papierschätze wieder herzustellen.

Aachen. Katharina Kleine wohnt in Köln. Sie fährt regelmäßig nach Aachen. Hier ist ihr Arbeitsplatz, sie ist als Restauratorin damit beschäftigt, alt ehrwürdigen Folianten den letzten Schliff zu geben. Seit vergangener Woche Donnerstag aber ist sie vom Aachener Stadtarchiv an ihre Heimatstadt ausgeliehen.

Sie leistet Amtshilfe, sie sortiert, sichtet und restauriert wertvolle Gegenstände, die nach dem verheerenden Einbruch des Kölner Stadtarchivs unwiederbringlich verloren schienen.

„Per E-Mail bat der Landschaftsverband Rheinland um Hilfe und die Kölner Fachhochschule, die Restauratoren ausbildet, schickte an die Fachleute einen Hilferuf raus”, erklärt die 36-Jährige. Also meldete sich Katharina Kleine.

Ihr Chef, Stadtarchiv-Leiter Dr. Thomas Kraus besorgte bei der Stadt Aachen die erforderliche Genehmigung für die junge Frau, also hilft die Diplom-Restauratorin jetzt, die Auswirkungen des riesigen Unglücks ein wenig zu mildern.

„Der erste Tag war chaotisch, im Kölner Polizeipräsidium hat man uns von Pontius nach Pilatus geschickt, weil wir einen Ausweis zum Betreten des Unglücksgebietes brauchten”, erinnert sich Katharina Keine. Zunächst habe sie mit anderen Restauratoren im Keller des gegenüber dem eingestürzten Stadtarchivs gelegenen Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums gelagerte Archivarien sortiert.

Seit zwei Tagen ist sie nun in einer riesigen Lagerhalle im Kölner Stadtteil Porz eingesetzt. Dort werden Unmengen von Schutt in Containern angeliefert. Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen haben die Aufgabe, im Dreck zu wühlen, um wertvolle Altertümchen zu sichern.

Und die landen dann unter anderem bei Katharina Kleine. Sie sorgt für die fachgerechte Aufbereitung. Ganz nasse Papiere kommen zunächst in die Gefriertrocknung, „damit sich kein Schimmel ansetzt”, erläutert die Papierrestauratorin.

Massen von Mikrofiches werden - ebenfalls in riesigen Containern - gebracht. „Die lassen wir erst mal liegen, in einem Wasserbad werden sie bald vom Schlamm befreit.”

Etwa 30 Fachkollegen sind zurzeit in Porz damit beschäftigt, Teile des Kölner Stadtarchivs zu retten. Und feiern auch Erfolge. Orpheus wurde aus der Unterwelt befreit: Große Teile des Nachlasses vom kölschen Pariser Komponisten Jacques Offenbach sind gerettet.

Auch liturgische Handschriften des „hillige Kölle” aus dem 16 Jahrhundert sind von Dreck und Schlamm befreit. „Von Konrad Adenauer haben wir ein Negativ gesichert, das ihn in den 20er Jahren vor dem Kölner Dom zeigt”, es klingt berechtigt stolz, was Katharina Kleine da erzählt.

Vielleicht hat die Stadt mit dem Böllschen Nachlass genauso viel Glück wie mit den Hinterlassenschaften von Offenbach. Jedenfalls wird Katharina Kleine noch einige Zeit dem Aachener Stadtarchiv fehlen und statt dessen von ihrer linksrheinischen Wohnung auf die „schäl Sick” nach Porz zur Arbeit fahren.
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