Aachen - Aachener Panzerknacker waren frisch rasiert

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Aachener Panzerknacker waren frisch rasiert

Von: Von Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Hangeweiher tresor
Dezember 2011: Taucher des Technischen Hilfswerks bergen drei Geldschränke und Geldkassetten aus dem Hangeweiher in Aachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Vier Angeklagte im Alter zwischen 23 und 26 Jahren müssen sich seit Dienstag vor dem Aachener Landgericht verantworten - als eine reale Neuauflage der bekannten Panzerknackerbande aus den weltweit verbreiteten Mickey-Mouse-Comics.

Doch im Gegensatz zu den mit Stoppelbart und schwarzer Augenmaske ausgestatteten, etwas dicklich-tollpatschigen Comicfiguren mit dem unbezwingbaren Drang zum Geldtresor von Onkel Dagobert wurden in den Sitzungssaal der 1. Großen Strafkammer (Vorsitzender Richter Arno Bormann) am Dienstagmorgen vier gut durchtrainierte und frisch rasierte junge Männer geführt. Sie müssen sich nun wegen bandenmäßigen Diebstahls in 37 Fällen verantworten. Bei neun Fällen soll es laut Staatsanwaltschaft bei Versuchen geblieben sein.

Die überwiegend in Aachen lebenden mutmaßlichen Panzerknacker sollen laut Anklageschrift zwischen September 2011 und Mitte Oktober 2012 in 36 verschiedene Altenheime und Seniorenstifte im rheinischen Dreieck zwischen Köln, Bonn, Dormagen, Heinsberg, Aachen bis hin ins belgische Grenzgebiet eingebrochen sein.

Ihr Ziel war nicht so sehr gewesen, die Tresore an Ort und Stelle fachgerecht zu knacken. Sie rissen vielmehr mit ihren Werkzeugen die meist mittelgroßen Stahlschränke aus ihren Verankerungen. Zu große Exemplare ließen sie stehen. Dann brachten sie sie an „einsame Orte“, wie es in der Anklageschrift hieß, wo sie die Stahlschränke dann aufbrachen, leerten und zur Spurenvernichtung ausbrannten.

Die Gesamtbeute beläuft sich auf etwa 150.000 Euro. In Einzelfällen ergatterten sie Spitzenbeträge von mehr als 20.000 Euro. Als die Bande noch unentdeckt Ende 2011 und im Verlauf des Jahres 2012 „arbeitete“, fand man in Teichen und Weihern, auf denen ansonsten nur Enten, Schwäne oder Tretboote ihre Runden ziehen, aufgebrochene und geleerte Tresore.

Selbst aus Aachens Stadtteich, dem Hangeweiher, fischte man 2011 und 2012 wiederholt solche Geldschränke. Die Polizei war ratlos, bis das Quartett in der Nacht des 18. Oktober bei einer spektakulären Polizeiaktion in Aachen-Haaren im Auto gestoppt wurde. Die Flüchtigen wurden festgesetzt. Der Prozess soll am 3. Mai weitergehen.

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