Aachen - Aachener Menschenrechtler: Flüchtlinge brauchen Schutz und Hilfe

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Aachener Menschenrechtler: Flüchtlinge brauchen Schutz und Hilfe

Von: Martina Stöhr
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Hilfe für Flüchtling: Martin Pier (l.) und Ingeborg Heck-Böckler (Mitte) unterstützen die Kampagne „Save me“. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Ich liebe Deutschland. Ich fühle mich hier Zuhause“, sagt Hussam F. aus Syrien. Und er sagt das, obwohl er als Flüchtling nicht immer die besten Erfahrungen mit den deutschen Behörden gemacht hat. Ein Jahr hat es gedauert, bis er seine Frau zu sich nach Deutschland holen konnte, obwohl ihm Asyl bewilligt worden war und es entsprechend keine Probleme hätte geben dürfen.

Er könne nicht in seine Heimat zurück, sagt er. Denn dort müsse er um sein Leben fürchten. „Flüchtlinge können arbeiten und der Gesellschaft etwas geben“, meint er. Er ist dabei selbst das beste Beispiel für einen Mann, der sich auch von der schwierigen Situation als Flüchtling niemals unterkriegen ließ und den Neuanfang nicht scheute.

„Flüchtlinge sind Menschen mit Träumen, Hoffnungen und Ängsten“, sagt Ingeborg Heck-Böckler von Amnesty International. Gemeinsam mit dem Katholikenrat kümmert sich Amnesty International in der Kampagne „Save me“ darum, dass politisch mehr getan wird für Flüchtlinge, und dass sie vor Ort durch Paten betreut werden.

Für Ali G. war das eine große Hilfe. Als anerkannter Flüchtling war für seine Unterbringung und sein Auskommen gesorgt. „Aber ich hatte keine Freunde“, erinnert er sich. Die hat er nach und nach über Amnesty International gefunden. Dass sein irakischer Schulabschluss in Deutschland nicht anerkannt wird, hat er inzwischen schweren Herzens akzeptiert. „Ich wollte eigentlich Bauingenieur werden“, sagt er. „Aber jetzt bin ich auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz im Bereich Elektrotechnik.“

Wenig humanitäre Gesetze

Abschlüsse, die nicht anerkannt werden, unnötige Papiere, die eingefordert werden: Noch immer werden den Flüchtlingen offensichtlich jede Menge Steine in den Weg gelegt. Das kann auch Ingeborg Heck-Böckler aus ihrer Erfahrung bestätigen.

Vielfach seien die Gesetze selbst wenig humanitär. Gemeinsam mit Holger Brantin, Vorsitzender des Katholikenrates, kämpft sie darum, dass sich daran etwas ändert. Brantin fordert eine Willkommenskultur und eine Politik, die dazu beiträgt, dass Menschen ihr Land gar nicht erst verlassen müssen, erklärt er anlässlich des gestrigen Weltflüchtlingstags, der auf die schwierige Situation der Flüchtlinge aufmerksam macht. Alis Erinnerungen an den Irak sind so düster, dass er nicht einmal im Traum daran denken mag, zurückzukehren.

„ Ganz anders die Situation von Youssef K. Er kam als Einjähriger mit seinen Eltern aus dem Libanon nach Deutschland und kann sich an diese Zeit nicht erinnern. Er ist in Deutschland aufgewachsen, zur Schule gegangen, hat hier studiert und meint dennoch: „Ich habe nicht denselben Status wie ein Deutscher. In manchen Situationen bin ich immer noch der Ausländer.“ Dass Youssef einen deutschen Pass hat, scheint daran nichts zu ändern. In den Libanon jedenfalls will er nicht zurückkehren, auch wenn inzwischen seine ganze Familie wieder dort lebt. Er fühlt sich wohl in Deutschland und ist hier Zuhause. Die politische Situation im Libanon verfolgt er mit großer Sorge.

Die Sorge um die, die daheim geblieben sind, treibt viele Flüchtlinge um. Kampagnen wie „Save me“ unterstützen sie dabei, sich in der neuen Welt zurechtzufinden und Freunde zu finden, die ihnen dabei helfen, die schlimmen Erfahrungen zu bewältigen. In Aachen sind inzwischen weit über 600 Paten unterwegs, so Martin Pier vom Büro der Regionaldekane. Damit ist Aachen die zweitstärkste Gruppierung in ganz Deutschland.

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