Aachener Kunstroute überzeugt mit innovativen Werken

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
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Erstmals in Deutschland zu seh
Erstmals in Deutschland zu sehen sind diese individuell-künstlerischen Büchlein von Ed Hanssen. Alfred Reuters vom Atelier Prozitron (Bild) präsentierte diese ungewöhnliche Sammlung. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Um 12 Uhr, eine Stunde nach der Eröffnung, hatten wir schon 60 Besucher”, freute sich Janice Orth, eine der Künstlerinnen des euregionalen Verbandes „Dreieck e.V.”, in der Burg Frankenberg. Hier hatten sich unter dem Motto „P 35” (35 Positionen) die Kunstschaffenden des Vereins über die teils sehr maroden Räume verteilt, um die Kraft von Malerei und Installation in dieser Atmosphäre wirken zu lassen.

Die hohe Besucherzahl war symptomatisch für die beiden Tage der diesjährigen Kunstroute mit insgesamt 35 Ausstellungen. Bei schönstem Wetter strömten die Kunstfreunde nicht nur durch die Innenstadt. „Bei uns ist ein absolutes Kommen und Gehen”, stellte etwa Theo Ramrath von der gleichnamigen Galerie zufrieden fest. „Und zur Vernissage meiner Ausstellung ?22 Jahre in der Pont. 22 kamen die Leute gezielt.” Hierfür hatte Ramrath wunderbar überraschende Gemälde auf Holz mit Glasplättchen-Inlays geschaffen, die großes Staunen hervorriefen.

Auch am Blücherplatz im „Atelier Lake” war Graffiti-Künstler Lars Kesseler begeistert von seinen Gästen, besonders auch den aus den Niederlanden. „Sie interessierten sich sehr für die Übergänge der Stile, etwa von Airbrush zu Fotografie”, berichtete er.

Einen regelrechten Kunsthit landete der Maastrichter Künstler Ed Hanssen mit seiner „project mailart” in der Ateliersozietät „Prozitron”. Hier präsentierte Atelier-Mitglied Alfred Reuters etwa 200 kleine, individuell-künstlerische Büchlein, die Hanssen blanko per Post verschickt hatte und bearbeitet zurück erhielt, um sie in ihrer Vielfalt ausstellen zu können. Bei „Prozitron” ist die Sammlung das erste Mal in Deutschland zu sehen, durch andere Länder wandert sie bereits (www.projectmailart-books.com).

Hohen Innovationswert besitzen neben den Inlay-Gemälden und der Mini-Buchkunst auch die „Woodstock”-Arbeiten von Manfred Sukrow in der Galerie Am Elisengarten. Hierfür bilden Dachlatten das Ausgangsmaterial für bisweilen gewaltige Kunstwerke, die mit Säge und Fräse ihren Anfang finden und anschließend bemalt werden. Ob Stadtflucht oder Natursehnsucht - Sukrow platziert seine Dachlatten auf Abstand voneinander. So könne das „gewachsene Licht” des Holzes das Licht im Raum zusätzlich in die Bilder integrieren, ob sie nun vor der Wand oder frei von der Decke hängen.

Passend zur Kunstroute zeigte die Mies-van-der-Rohe-Gesellschaft im Rahmen des Ehrenwert-Aktionstages in ihrem neuen Präsentationsraum an der Ursuliner-straße eine Ausstellung des Aachener Künstlers Hubert Werden, der unter anderem mit K.O. Götz und K.F. Dahmen zur Aachener Avantgarde gehört. Römische Mauerreste und eine Wand aus dem Mittelalter machen den Raum zusätzlich interessant.

Unspektakulär still, aber mit Tiefenschärfe präsentieren sich Arbeiten von Helène de Beauvoir, der Schwester von Simone de Beauvoir in Gegenüberstellung mit den Arbeiten des niederländischen Malers Simon van Biesbrock. Hier begegnen sich nicht nur der Süden und Norden Europas, sondern auch eine gewisse Leichtigkeit und Strenge.

Mit Christiane Dénes und Damien Ledoux stellte das Vorzeigepaar der Städtefreundschaft Aachen-Reims im Deutsch-Französischen Kulturinstitut Malerei und Skulptur aus. „Gier” ist das Thema der Bilder - zum Fressen gern mögen sich Menschen bis hin zum Kannibalismus.

Installation aus Krähenfedern

„Durchzug” nennen die Künstler der Galerie Artikel 5 ihre Ausstellung, passend zur Vielzahl der Aussteller und Besucher. Gitarrist Benjamin Schneider (21) spielte zwischen Porträts, Textilkunst und einer Installation aus Krähenfedern zur Freude aller: „Mir gefällt es hier sehr gut, die ganze Kunstroute gefällt mir jedes Jahr”, erzählt Kunstfreund Marius Klose.

Lediglich an „Lilith” in der Aula Carolina schieden sich die Geister. Die niederländische Foto-und-Performance-Künstlerin, die über das ostbelgische Kunstinstitut „Ikob” an der Kunstroute teilnahm, präsentierte sich leicht bekleidet in bisweilen anzüglichen Posen und spielte gekonnt mit den Erwartungen ihres Publikums. Sie bot aber auch, Gäste zu fotografieren, kostümiert mit Hüten oder Tüchern aus ihrem Fundus.

Besucherin Annemarie Seidel aus Herzogenrath bleibt skeptisch, was die künstlerische Qualität der Dame angeht. Aber sonst ist sie zufrieden mit der 15. Kunstroute: „Es ist angenehm anders als sonst. Besonders die Arbeiten von Manfred Sukrow finde ich ganz fantastisch.”
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