Aachener Krimitage: Elisabeth Pfister liest im Justizzentrum

Von: Martina Stöhr
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Warum suchen Frauen die Nähe zu Verbrechern, die im Gefängnis sitzen? Die Autorin Gisela Pfister las im Rahmen der Krimitage im Aachener Justizzentrum. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Gisela war 20, als sie dem Triebtäter Jürgen Bartsch ihren ersten Brief ins Gefängnis schrieb. Auf ihn aufmerksam geworden war sie durch die vielen Zeitungsberichte über ihn. Sie machte sich mit seinen Gräueltaten vertraut und suchte dennoch seine Nähe.

„Ich würde sterben ohne ihre selbstlose Liebe“, schreibt Bartsch später, als aus den beiden ein Paar geworden ist. Sie heiraten sogar. Doch als der pädophil veranlagte Bartsch sich für seine Frau kastrieren lassen will, kommt er bei der Operation ums Leben. Wahrlich keine leichte Kost war das, was Elisabeth Pfister ihren Zuhörern im Rahmen der Aachener Krimitage im Justizzentrum bot.

Warum suchen Frauen die Nähe zu Verbrechern, die im Gefängnis sitzen? Das war die Frage, die sie bewegte, als sie begann, nach entsprechenden Frauen zu suchen. Das sei nicht leicht gewesen, erzählte sie dem Publikum. Die Gefängnisse seien nicht bereit, entsprechende Kontakte herzustellen. Dennoch hat sie schließlich eine ganze Reihe von Frauen gefunden. Ihre Geschichten sind in dem Buch „Wenn Frauen Verbrecher lieben“ zusammengefasst und mit entsprechenden Infos und Ergänzungen angereichert.

Laut Pfister sind es zu 90 Prozent traumatisierte Frauen, die die Nähe zu einem Mann im Gefängnis suchen. Es sei eine Art Identifikation mit dem Aggressor, die dem zugrunde liege. Und solche Begegnungen können durchaus folgenschwer sein.

Bettina wird beim Stöbern im Internet auf die Kontaktanzeige eines Gefängnisinsassen aufmerksam. H. hat ein geistig behindertes Mädchen erst vergewaltigt und dann totgeschlagen. Ob der „Schwere seiner Schuld“ wird er zu lebenslanger Haft verurteilt. Bettina verliebt sich in ihn, obwohl sie selbst eine geistig behinderte Tochter hat. Die beiden sind viereinhalb Jahre ein Paar. Als Bettina sich trennen will, bringt H. sie um. Sechs Monate später erhängt er sich in seiner Zelle.

„90 Prozent der Beziehungen scheitern“, erklärte Elisabeth Pfister im Anschluss an die Lektüre. Viele Frauen trennten sich kurz vor der Entlassung ihres Partners. „Sie leben in unterschiedlichen Universen“, führte Pfister aus. Das gemeinsame Leben in Freiheit werde zu einer nicht zu bewältigen Herausforderung.

Doch gab sie den Zuhörern auch noch eine etwas versöhnliche Geschichte mit auf den Weg. Eine junge Journalistin lernt bei der Einweihung einer Gefängniskapelle einen Straftäter kennen. Der hat mehr Zeit in Haft verbracht als in Freiheit. Nach sieben Jahren Bekanntschaft heiraten die beiden. Nun kennen sie sich 15 Jahre und haben noch keinen Tag zusammen in Freiheit verbracht. Eine Therapeutin begleitet das Paar.

Das Aufschreiben all dieser Geschichten sei durchaus anstrengend gewesen, räumte Pfister ein. Aber Alpträume habe sie nicht gehabt. „Viele Frauen zieht die gewalttätige Aura von Männern im Gefängnis an“, sagte sie. Sie stellte die einzelnen Geschichten vor, ohne zu urteilen. Wichtig sei ihr die Ausgewogenheit von Empathie und Distanz. Die Begegnungen mit den Frauen hätten sie bereichert. Und auch wenn es nicht den Anschein habe, habe man dabei auch viel gelacht.

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