Aachener Kolloquium für Fahrzeug- und Motorentechnik: Gegen den Vertrauensverlust

Von: Hermann-Josef Delonge
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Die Organisatoren des Aachener Kolloquiums für Fahrzeug- und Motorentechnik: Prof. Lutz Eckstein (links), Direktor des RWTH-Instituts für Kraftfahrzeuge, und Prof. Stefan Pischinger, Leiter des Lehrstuhls für Verbrennungskraftmaschinen an der RWTH. Foto: Harald Krömer

Aachen. Neue Dieselmotoren? Selbstverständlich! Denn der Diesel hat Zukunft. Davon sind jedenfalls Lutz Eckstein und Stefan Pischinger überzeugt. Und so präsentieren Daimler, BMW oder auch Hyundai bei der von den beiden RWTH-Professoren organisierten 26. Auflage des Aachener Kolloquiums für Fahrzeug- und Motorentechnik ihre neuesten Modelle mit der arg in Verruf geratenen Technik. Und die Branche schaut ganz genau hin.

Dazu gab es in den vergangenen Tagen im Eurogress viel Gelegenheit. Das Kolloquium strahlt weltweit aus und gilt als der europaweit wichtigste Kongress dieser Art in der Automobilbranche. 1800 Teilnehmer aus 30 Nationen sind nach Aachen gekommen, gut 100 Fachvorträge standen auf der Agenda. Knapp 65 Automobilhersteller und Zulieferer präsentierten sich und ihre Produkte in der begleitenden Fachausstellung.

Eckstein, Direktor des Instituts für Kraftfahrzeuge, und Pischinger, Leiter des Lehrstuhls für Verbrennungskraftmaschinen, plädieren für eine Versachlichung der Diskussion um den Verbrennungsmotor. „Die Fakten kommen zu kurz“, bemängeln sie und verweisen auf eine Petition der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik (WKM), einem Zusammenschluss von 32 namhaften Universitätsprofessoren auf dem Gebiet der Kraftfahrzeug- und Motorentechnik.

Es gebe die Möglichkeit von „vollständig umweltneutralen verbrennungsmotorischen Antrieben“. Das Thema Emissionen und Immissionen werde kein Argument gegen Diesel- oder Benzinmotoren sein. Die Aachener Professoren gehören zu den Unterzeichnern des Papiers. Sie nennen es fahrlässig, diese Technologie, in der Deutschland weltweit führend sei, grundsätzlich in Frage zu stellen oder gar ad Acta zu legen.

Das Thema ist selbstverständlich auch beim Aachener Kolloquium präsent. Und dass die Branche unter einem enormen Vertrauensverlust leidet, ist nicht zu leugnen. Das macht sich auf vielen Ebenen bemerkbar – bis hin zu der Beobachtung, dass sich mittlerweile weniger Studierende aus Deutschland für Verbrennungsmotoren interessieren. Pischinger und Eckstein finden diese Tendenzen fatal und wollen mit ihren Kollegen den Blick nach vorn richten. Themen, betonen sie, gibt es genug.

Die Agenda der Aachener Tagung zeigt, welche das sind. Selbstverständlich spielt die Elektromobilität dort eine große Rolle. Doch auch hier wenden sich die RWTH-Professoren gegen ein Denken in schematischen Entweder-oder-Kategorien. Unterschiedliche Antriebstopologien aus Verbrennungsmotor, E-Motoren und Brennstoffzellen würden eine wichtige Rolle spielen. Und auch synthetische Kraftstoffe aus Biomasse, Ökostrom und Kohlendioxid, an denen Pischinger mit seinem Team intensiv forscht, würden eine zunehmend große Bedeutung erhalten.

Und dann das Thema des vernetzten und automatisierten Fahrens. Das ist viel weiter gefasst als die Vorstellung von einem autonomen, also komplett fahrerlosen Vehikel. Es umfasst auch die Vernetzung von Mensch und Maschine, also die Interaktion von Fahrer und Fahrzeug, aber auch die Kommunikation von Fahrzeugen untereinander, um die Verkehrsströme besser koordinieren zu können und die Sicherheit zu erhöhen.

Die Automatisierung von Fahrzeugen wird es wie die Elektrifizierung von Antrieben in vielfältigen Ausprägungen geben. Deutschland, sagen die Professoren Eckstein und Pischinger, habe die Technologie und auch das Wissen, um eine zukunftsgerechte und umweltfreundliche Mobilität zu gestalten.

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