Aachen - Aachener helfen Jommeke auf die Sprünge

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Aachener helfen Jommeke auf die Sprünge

Von: Gerald Eimer
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Jommeke machts möglich: Die
Jommeke machts möglich: Die beiden Aachener Mario Wagner (links) und Dirk Sieprath begeben sich als Comic-Verleger auf unbekanntes Terrain und veröffentlichen die Abenteuer des belgischen Blondschopfs nun auch in Deutschland. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein Wiedersehen nach knapp 40 Jahren hat die beiden Aachener Mario Wagner und Dirk Sieprath infiziert: Jommeke, Held einer belgischen Comic-Serie, lässt sie nicht wieder los.

Mit ihren 47 Jahren sind Wagner und Sieprath zwar Jommekes eigentlicher Zielgruppe längst entwachsen, von Aachen aus wollen sie dem kleinen Kerl mit den strohblonden Haaren nun dennoch zum Siegeszug in Deutschland verhelfen.

Schon einmal hatte Jommeke dazu angesetzt - in den 1970er Jahren unter dem Titel „Die tollen Abenteuer von Peter und Alexander”. „Ein unmöglicher Name”, findet Wagner, der sich schon damals über die schwache Übersetzung und eine bescheidene Druckqualität geärgert hat. „Aber es hat gereicht, um in Erinnerung zu bleiben.”

Vor zwei Jahren kam es dann in einem belgischen Ferienhaus zu dem folgenschweren Wiedersehen. Neue Jommeke-Abenteuer lagen da aus, die nicht nur Mario Wagner, sondern auch seine Kinder sofort wieder in ihren Bann zogen. „Bis dahin habe ich nicht mal gewusst, dass es Jommeke noch gibt.”

55 Millionen Exemplare

Und wie es ihn gibt - jedenfalls in Belgien, beziehungsweise in seinem flandrischen Teil. Wer die reinen Verkaufszahlen betrachtet, muss glauben, dass kein Flame ohne Jommeke großgeworden ist. Mehr als 55 Millionen Exemplare der Erfolgsserie wurden seit Jommekes erstem Auftritt vor mehr als 50 Jahren verkauft. Bis heute sind 254 Bände erschienen, jedes Jahr kommen vier neue hinzu. Die jährlichen Verkaufszahlen liegen bei rund einer Million Alben, sagt Dirk Sieprath. „Das ist dort ein absoluter Selbstläufer.”

Doch der Sprung über die Sprachgrenzen hinweg ist dem kleinen Abenteurer mit seinem sprechenden Papagei Flip, seinem treuen Begleiter Filiberke, dem schlauen Professor Gobelijn und all den anderen Freunden bislang nicht recht gelungen. „Völlig unverständlich”, findet das Mario Wagner. Jommeke sei einfach „unglaublich abwechslungsreich”, „total sympathisch”, „völlig verquer” und „immer zum Schmunzeln”. Vor allem für Erstleser und Kinder bis zehn Jahre könne der Comic eine echte „Einstiegsdroge für Lesemuffel” sein, sind Wagner und Sieprath überzeugt.

Für beide gab es somit genügend Gründe, sich auf für sie bis dahin unbekanntes Terrain zu begeben. Wagner, eigentlich tätig als Patentanwalt, und Sieprath, versiert in der Druck- und Werbebranche, erwarben die Lizenz für Jommeke und gründeten den Comic-Verlag „stainless Art” mit Sitz an der Karl-Friedrich-Straße in Richterich. Anfang September brachten sie die ersten beiden Hefte in neuer deutscher Übersetzung raus: „Der Schildkrötenschatz” und „Das Jampuddinggespenst”. Auf der Frankfurter Buchmesse haben sie soeben das dritte Heft „Kinderherrschaft” vorgestellt.

Mit einer Auflage von etwa 4000 Stück pro Band kommen sie bislang zwar nicht annähernd an die belgischen Verkaufszahlen ran, die ersten Rückmeldungen lassen sie jedoch hoffen. „Die Comic-Szene ist begeistert”, sagen sie. Vor allem im Internet überschlagen sich die Fans vor Freude. Für Wagner und Siep­rath geht es jetzt vor allem darum, allmählich Jommekes Bekanntheit zu steigern. „Wir haben nicht die Position wie große Verlage”, sagen sie, „wir müssen erstmal in die Breite kommen.”

Keine schnellen Gewinne

So führt Jommeke bislang neben Donald Duck, Asterix, Lucky Luke oder Tim und Struppi noch ein Schattendasein. „Aber wir können mit drei Pfunden wuchern”, sagt Wagner: „Da ist der immense Erfolg in Flandern, es gibt eine Riesenserie in der Pipeline und wir besetzen eine Nische für dieses Lesealter.” Schnelle Gewinne sind bislang jedoch nicht einkalkuliert. „In zwei bis drei Jahren können wir dann mal über so etwas wie Kostendeckung nachdenken”, meint Sieprath. So treibt die beiden Geschäftspartner auch der Idealismus an. Bislang verband sie vor allem das gemeinsame Hobby Golf - die Liebe zu Belgien und Jommeke ist inzwischen hinzugekommen. „Wir wollen damit auch Freude machen und Kindern Spaß bereiten”, sagen die Väter von insgesamt sieben Kindern. Und dann ist da noch die Absicht, „nicht alles den digitalen Medien zu überlassen”. Jommeke hat im Dienste altmodischer Druckwerke den Kampf mit Playstation und Nintendo aufgenommen.

Erhältlich sind die Hefte in allen Aachener Buchhandlungen und Comicgeschäften sowie deutschlandweit in allen Bahnhofsbuchhandlungen.
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