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Aachen nimmt Abschied von Jost Pfeiffer

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Trauergottesdienst im Dom für den verstorbenen Ehrenbürger Dr. Jost Pfeiffer: OB Marcel Philipp (am Mikrofon) nannte ihn einen „wahrhaft großen Menschen”. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Stadt Aachen hat am Freitagmorgen bei einem ökumenischen Trauergottesdienst im Dom Abschied von ihrem Ehrenbürger Dr. Jost Pfeiffer genommen. Oberbürgermeister Marcel Philipp nannte den vor einer Woche im Alter von 89 Jahren gestorbenen Kaufmann und Politiker einen „wahrhaft großen Menschen”, dessen Sachverstand und Ideenreichtum man schmerzlich vermissen werde.

Die Beisetzung fand anschließend auf dem Westfriedhof statt.

Neben dem OB waren sein Vorgänger Jürgen Linden, Vertreter der Parteien und der Verwaltung, des Wirtschaftslebens und der Kultur, Repräsentanten des Karlspreises und viele Bürger der Stadt in den Dom gekommen, um dem Toten ihre Wertschätzung zu bekunden.

Allen Anwesenden war die Überzeugung gemein: Hier ist wieder jemand gegangen, dem das Gemeinwesen unendlich viel verdankt. Der Spuren hinterlassen wird im Bild der Stadt, aber noch mehr in den Köpfen und Herzen all jener, die ihm im Laufe seines langen Lebens begegnet sind.

Gestaltet wurde der Gottesdienst vom Hamburger Pastor Helmut Plank, einem Freund der Familie, und Dompropst Helmut Poqué, der dankbar vermerkte, dass Pfeiffer, wiewohl evangelischer Christ, häufiger Gast im Dom gewesen sei und sich für den Erhalt des Weltkulturerbes intensiv eingesetzt habe.

„Unverzichtbar”

Philipp würdigte Jost Pfeiffer als eine der herausragenden Persönlichkeiten, die die kaputte Stadt nach dem Krieg wieder aufgebaut und gestaltet hätten, „er hat für Aachen gelebt wie kaum ein anderer”.

Lange Jahre war der promovierte Mediziner, der später das gleichnamige Modehaus in der Großkölnstraße leitetet, an führender Stelle in der CDU tätig, unter anderem als Vorsitzender und Fraktionschef, bis zuletzt als unermüdlicher Ratgeber und wohlwollender Mahner. Und er war der letzte noch lebende Angehörige des ersten Stadtrats nach Ende der Naziherrschaft, gewählt im Oktober 1946.

„Pragmatisch” und „visionär” gleichermaßen nannte der OB Pfeiffers Wirken, seinen immerwährenden Einsatz bezeichnete er als nachgerade „unverzichtbar, er ist der Vater des heutigen Aachen”. Und auch für ihn als jungen Politiker sei der prominente Parteifreund ein verlässlicher Wegbegleiter gewesen.

„Sein Name und der Name der Stadt gehören zusammen”, so fasste Plank seine Eindrücke von dieser jahrzehntelangen Verbundenheit zusammen, die nicht zuletzt durch „gelebte christliche Weltverantwortung” geprägt gewesen sei. Doch der Pastor beließ es nicht dabei, die öffentlichen Verdienste des Verstorbenen zu würdigen, er ging auch - warmherzig und sehr taktvoll - auf den Privatmann und Familienmenschen Jost Pfeiffer ein.

Sprach davon, dass er im April mit seiner schwer kranken Frau Eiserne Hochzeit habe feiern wollen; wie sehr Annelies Pfeiffer den politischen Rundumeinsatz ihres Mannes und dessen Motto: „Keine halben Sachen, kein Kokolores” immer mitgetragen habe; dass schon Vater Kurt, Mitbegründer des Karlspreises, Aachener Ehrenbürger war; dass Jost Pfeiffer durch „ein tiefes Tal” musste, als „das Ende der geliebten Firma” gekommen war.

Urbs Aquensis

Und Plank schilderte, wie Pfeiffer sein legendäres blaues Besuchersofa nutzte, um „mit wachem Geist und hervorragendem Gedächtnis” (Personal-)Politik zu machen. Die Zahl derer, die da gesessen und auf den Orakelspruch gewartet haben, ist in der Tat Legion - „es war ein wirklich genutztes Möbel”, so Plank.

Bestimmt wurde der Gottesdienst nicht zuletzt durch die ergreifenden Beiträge des Vokalensembles „Singer Pur”. Gegründet 1991 von ehemaligen Regensburger Domspatzen, gehört das Sextett mittlerweile zu den herausragenden A-capella-Gruppen weltweit.

Kurz bevor der Sarg aus dem Oktogon getragen wurde, stimmte die Trauergemeinde die Aachener Nationalhymne „Urbs Aquensis, urbs regalis” an. Ein wahrhaft großer Mann war auf dem letzten Weg.
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