Aachen - Aachen hat gesungen - und Originalität gezeigt

Aachen hat gesungen - und Originalität gezeigt

Von: Jule Klieser
Letzte Aktualisierung:
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Riesenandrang an den verschiedenen Veranstaltungsorten, wie hier in der Citykirche in der Großkölnstraße.

Aachen. Aachen singt! An fünf verschiedenen Stellen hat am Samstagabend die lange Chornacht begonnen. 44 Chöre aus Aachen und der Euregio machen Musik in den Kirchen St. Anna, St. Nikolaus und St. Foillan, im Hof und in der Aula Carolina. Es ist das fulminante Abschluss-Event der Internationalen Chorbiennale.

In der Annastraße, ganz früh schon gegen halb sieben, haben sich Konzertbesucher eingefunden, die Kirche ist voll. Bis nach draußen hallt der harmonische Gesang der Cappella Aquensis. Kaum einem Aachener braucht man diesen renommierten Chor vorzustellen, er gestaltet oft die Hochämter in Aachener Kirchen.

Es ist eine ruhige Stimmung in St. Anna, die sich auf die ganze Straße überträgt. Fast bis zum Fischmarkt klingt und schwingt das Singen der geistlichen Musik - eine schöne Einstimmung.

Im Hof hat sich inzwischen gut gelauntes Publikum unter blauem Himmel eingefunden. Die Leute sitzen vor den Cafés und auf den Steinstufen und lassen sich bestens unterhalten.

Gospels, Jazziges, Kabarettistisches, Renaissance- und Volkslieder flott dargebracht sowie Unterhaltungsmusikalisches werden geboten mit den Gruppen einKlang, Taktlos, Carmina Mundi und dem Jungen Chor Overbach. Das Publikum geht mit, lacht, genießt.

Nicht weit davon entfernt beginnt in St. Foillan die Konzertreihe. Stimmig in dem ehrwürdigen Kirchenraum singen AcCanto unter dem Motto „Musik für die Seele” eine Messe von Gabriel Faur, wie immer, wenn dieses Ensemble auftritt, in 1a-Qualität. Auch hier: Zuhörer in großer Zahl, einige müssen stehen.

Für den Fußgänger ist das Viereck Hof, St. Foillan, Aula Carolina und St. Nikolaus leicht zu bewältigen. Auch die Zuhörerin Reglinde Gedig ist zu Fuß unterwegs und begeistert von der Stimmung: „Ich war gerade in St. Foillan und wandere einfach zur nächsten Bühne. Das gefällt mir sehr.

Hier merkt man, wie sehr die Musik die Menschen verbindet. Sehr schön finde ich auch, dass sich hier sehr viele junge Menschen in den Chören engagieren und auch im Publikum zu sehen sind.”

Beim Betreten des ehemaligen Kirchenschiff in der Pontstraße erlebt der Besucher ein Kontrastprogramm. Der sonore Klangteppich des Männerchores St. Mariengesangverein Aachen-Horbach erfüllt das Gewölbe.

Ein ganz anderes Timbre versprüht das darauf folgende Frauenensemble namens „Charivari”. Mit afrikanischer Lebensfreude-Musik bringen sie das Publikum in Bewegung, ernten begeistertes Pfeifen, Rufen und Klatschen.

Zum Bersten voll mit Menschen ist die Aula. Alle sitzen, stehen, lagern auf dem Boden, sehr diszipliniert, sehr andächtig, sehr dankbar. Trotz des Kommens und Gehens an den Eingängen entsteht keine Unruhe.

Im Wechselbad der Musikwelten ist anschließend ein Werk von Claudio Monteverdi zu vernehmen, gesungen vom Figuralchor, und danach das Locker-Flockige der fröhlichen Gruppe „D´accord”. Die 25 und Sängerinnen wandern musikalisch durch die Zeiten und Länder, singen alle Texte in den Originalsprachen.

Zeit für einen Abstecher in die Annakirche. Obwohl etwas abgelegen, steht auch hier nach wie vor das Publikum bis vor die Türen. Drinnen bilden das Raumambiente der Kirche, der Charakter von Chorgruppe und Musik ein einzigartiges Miteinander. Das achtköpfige Eupener Vokalensemble Pro arte, das in Belgien der Exzellenzklasse angehört, singt neue klassische Musik. Das ist Hörgenuss pur.

Zurück in der Citykirche St. Nikolaus scheint es, als hätten sich noch mehr Menschen eingefunden, jetzt gibt es kaum noch einen Stehplatz, die Luft ist stickig. Das stört aber niemanden. Stimmungsvoll wirkt das Kirchenschiff, ziemlich dunkel, nur zwei Säulen vorn und das Gewölbe leuchten matt orange, im vollen Licht stehen dagegen die auftretenden Chöre. Hier kommt Jazz. Und kein Wunder, dass es diesen Andrang gibt. „Sing-A-pur” ist eine kleine Truppe vom Feinsten. Sie interpretieren Jazz- und Popstücke, bekannte und unbekanntere, auf ihre sehr eigene Weise. Das Publikum kann sich kaum einkriegen vor Begeisterung.

Kaum weniger originell und doch wieder ganz anders steht anschließend der große Chor NotaBene im Chorraum. Querbeet durch die Jahrhunderte singen die gut 40 Männer und Frauen aus ihrem Repertoire, erfrischend gekleidet in weiß-beige.

Nach diesem Konzert, das wie alle Auftritte des Abends etwa 20 Minuten pro Gruppe dauert, ergießen sich wiederum die Scharen von Zuhörern auf die Straße. Manche bleiben stehen, um Luft zu schnappen oder sich auszutauschen. Andere pilgern weiter zur nächsten Bühne. Es ist ein buntes Treiben von unzähligen bunt gemischten Chorgesangs-Interessierten.

Spät abends treffen sich im düsteren Hinterhof der Aula Carolina oder besser auf dem Schulhof des Kaiser-Karls-Gymnasiums zehn Männer mit schwarzem Mantel und Hut. Sie sind aber nicht zum Fürchten, zumal sie anheben zu singen. Die Männer nennen sich „BinSingen” und ölen gerade ihre Stimmen für den Auftritt. Dann kommen sie durch den Bühneneingang in die Aula, beziehen Stellung inmitten der Vorgänger-Gruppe, den Sängerinnen von „Taktlos”. Gemeinsam interpretieren sie „Strangers in the Night”. Der Saal tobt, es ist einfach toll.

Der ganze Abend zeigt: die Chorlandschaft in Aachen und der Umgebung ist höchst lebendig. Traditionelles wird ebenso bewahrt wie Neues ausprobiert. Es gab alles zu hören, was der Chorgesang stilistisch und musikgeschichtlich hergibt. Die Leute können singen, sie können sehr gut singen. Professionelle Chorleiter engagieren sich in einzigartiger Weise, um das Beste aus ihnen herauszuholen. Und sie alle hatten Spaß in dieser langen Chornacht. Alle waren so intensiv bei der Sache, dass die Funken übersprangen aufs Publikum.

Am Schluss fanden sich sämtliche Chöre noch einmal auf dem Markt ein. Der Platz vor dem Rathaus war voll von Menschen. Auf der Empore der Rathaustreppe kamen einige Chorleiter zusammen, Carmina Mundi stimmte das gemeinsame „Farewell” an. Im Volk unten befanden sich verstreut jede Menge Chormitglieder, manche hielten ein Notenblatt in der Hand. Eigentlich sollten sie mitsingen, doch es entstand andächtiges Zuhören. Zuletzt war es bis auf den Chorgesang beinahe still auf dem Marktplatz trotz der Menschenmassen.
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