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Aachen gerät mächtig ins Schwitzen

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
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Das Beste, was man bei dem heißen Wetter machen kann, ist Abkühlung suchen – wie beispielsweise im Freibad Hangeweiher. Foto: Harald Krömer

Aachen. Unangenehm sind die Tage, an denen man morgens wie gerädert aus dem Bett steigt, weil die Wohnung sich über Nacht nicht abgekühlt und man schlecht geschlafen hat: Es ist heiß in Aachen, und das soll auch am Mittwoch und Donnerstag so bleiben. Doch die Hitze ist nicht nur lästig, sondern kann auch gefährlich werden.

„In den letzten Tagen kam es hitzebedingt zu einer 25-prozentigen Steigerung der Patientenzahl in der Notaufnahme“, sagt Dr. Thomas Möllhoff, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Intensivmedizin am Marienhospital. Das seien überwiegend ältere Patienten mit Herz- und Kreislaufbeschwerden gewesen. „Ursache ist häufig die zu geringe Trinkmenge bei gleichzeitig höherem Flüssigkeitsverlust infolge der Hitze.“ Bei hohen Temperaturen verliere der Körper nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralien, und das führe in Kombination zu Kreislaufproblemen.

Leute halten sich im Freien auf

Auch jüngere Patienten sehe man bei heißen Tagen vermehrt im Krankenhaus: „Diese klagen seltener über Kreislaufbeschwerden als über von der Sonne verbrannte und schmerzende Hautpartien“, erklärt Möllhoff. Auch seine Kollegin Heike Schumacher, ärztliche Leiterin der Notaufnahme am Luisenhospital, berichtet von einigen Patienten, die aufgrund der Hitze in die Klinik gekommen seien.

Aus dem Klinikum berichtet die Notaufnahme auch über andere Fälle: „Wir haben auch mehr Patienten mit Frakturen und Wunden, da die Patienten sich mehr im Freien aufhalten, Fahrrad fahren und dabei stürzen“, erläutert Jörg Christian Brokmann, Leiter der Klinikum-Notaufnahme.

Die Ärzte raten, genügend Wasser zu trinken, und die Finger vom Alkohol zu lassen: „Der Körper kann Alkohol bei Hitze schlechter verwerten“, erklärt Möllhoff aus dem Marienhospital. Darüber hinaus fördere der Alkohol die Urinausscheidung, was zu noch mehr Flüssigkeitsverlust führe. Auch würden sich durch Alkohol die Gefäße weiten und die Transpiration erhöht, ergänzt Heike Schumacher vom Luisenhospital.

Dass es in Aachen heiß ist, merkt man bei der Stawag nicht nur beim Blick aufs Thermometer, sondern auch beim Wasserverbrauch: „An normalen Tagen liegt der Wasserverbrauch in Aachen bei rund 60.000 Kubikmetern pro Tag“, erklärt Stawag-Sprecherin Eva Wußing. Alleine am Montag seien 75.000 Kubikmeter abgezapft worden, und morgen werden es noch mehr. „Der Löwenanteil geht in die Pflanzenbewässerung in den Außenbezirken“, sagt Wußing.

Auch die Stadt braucht derzeit viel Wasser für ihre Pflanzen: Für Beete und Kübel in der Innenstadt werden pro Tag derzeit zwölf bis 15 Kubikmeter gebraucht, für Bäume fahren die städtischen Mitarbeiter rund sechs Ladungen von je 2500 Liter Wasser alleine in die City. „Wer den Bäumen in der Stadt etwas Gutes tun will, kann sehr gerne mal einen Eimer sauberes Wasser beischütten“, sagt Björn Gürtler vom Presseamt. Putzwasser solle man aber nicht verwenden, das schade den Pflanzen.

Arbeit beschert das Wetter auch der Aachener Feuerwehr: So gab es in den vergangenen Tagen mehrere kleine Flächenbrände zu löschen. „Das ist für die Wehrleute in dieser Jahreszeit Alltagsgeschäft, man würde nicht von erhöhten Einsatzaufkommen sprechen“, erklärt Evelyn Woelk vom Presseamt.

Trotzdem gilt ab Donnerstag hohe Waldbrandgefahr, betont Björn Gürtler. „Das Forstamt weist darauf hin, dass man auf keinen Fall im Wald grillen oder rauchen soll“, sagt er. Wer einen Brand im Waldgebiet bemerkt, solle keinesfalls selbst einen Löschversuch starten, sondern sofort die Feuerwehr rufen.

Auto wird zum Backofen

Bei hohen Temperaturen wird das Auto schnell zum Backofen. Viele Fahrzeughalter verkennen dieses Problem. Alleine in der vergangenen Woche musste die Feuerwehr ein Kind und zwei Hunde aus geparkten Autos befreien, die dort von ihren Eltern, beziehungsweise Besitzern zurückgelassen worden waren.

„Das hat sich seit Jahren nicht geändert. Die Leute sind einfach uneinsichtig“, sagt Vera Scholz, Tierschutzbeauftragte im Vorstand des Tierschutzvereins für die Städteregion und fährt fort: „Dabei ist es supergefährlich, Kinder und Tiere im Auto zu lassen – auch für fünf Minuten.“ Tiere könne man ja beim Einkauf nicht überall hin mitnehmen. Darum sei es besser, sie zu Hause zu lassen, wo sie sich zurückziehen können und Zugang zu Wasser haben.

Die Expertin empfiehlt, auf ein paar Dinge zu achten: „Gassi gehen sollte man nur früh morgens oder spätabends.“ Tiere reagieren auf Sonne genauso empfindlich wie Menschen. „Hunde ziehen sich schnell einen Sonnenbrand auf der Nase zu“, sagt Scholz. Auch im Tierheim ist nach 11 Uhr „Spazierverbot“ angesagt: Der Asphalt wird zu heiß, das sei nicht gut für die Tiere, erklärt Scholz.

Wer seinem Hund – oder auch der Katze – etwas Gutes tun will, solle eine Wanne mit Wasser zur Abkühlung aufstellen. Füttern sollte man Hunden an den heißen Tagen nur kleinere Portionen, Die Verdauung spiele oft nicht mit. Durchfall oder Erbrechen seien mögliche Folgen.

Linderung erwartet Mensch und Tier in Aachen zum Wochenende: Dann sollen die Temperaturen wieder etwas sinken.

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