Aachen - Aachen: Geliebt, gelebt, getwittert

Aachen: Geliebt, gelebt, getwittert

Von: Marc Heckert
Letzte Aktualisierung:
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Getwitterstimmung in Aachen: Jede Woche schreibt auf dem Twitterprofil „@wirlebenac“ ein neuer Kurator über das, was er in Aachen erlebt oder über Aachen denkt. Gewechselt wird am Montag um 12 Uhr – dann ist der nächste Autor dran. Collage: zva/dpa
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Das blaue Vögelchen ist das Markenkzeichen von Twitter. Rebekka Badenheuer-May (links) und Sabine Nowak lassen den Piepmatz 52 Wochen lang zum Thema Aachen zwitschern. Foto/Montage: Heckert

Aachen. Der eine Autor stellt seine Lieblingsorte in der Stadt vor. Eine andere Verfasserin nimmt ihre Leser mit zum CHIO. Mal geht es in den Texten um das Aachener Wetter, mal um Studentenpartys und mal um das tägliche Pendeln über die verstopfte A4. Eins haben alle Beiträge gemeinsam: Keiner hat mehr als 140 Zeichen.

Denn 140 Zeichen sind die Obergrenze für einen Beitrag auf Twitter. Das Projekt dahinter heißt „Wir leben AC“: Ein Jahr lang schreiben 52 Autoren jeweils eine Woche lang über die Kaiserstadt.

„Wir leben AC“ startete am Montag, 22. April, mit dem ersten Tweet. In den folgenden Wochen gaben sich auf dem Twitterprofil „@wirlebenac“ Autoren mit den unterschiedlichsten Themen und Anliegen die Klinke in die Hand. Exakt sieben Tage hat jeder von ihnen Zeit, zu erzählen, was er möchte – ob es um Musik, die Öcher Kneipenkultur oder den Bambini-Lauf am Tivoli geht. Gewechselt wird stets am Montag um 12 Uhr.

Am Montag begann bei „Wir leben AC“ die Woche Nummer zwölf. Der derzeit twitternde Autor ist der bürgerlichen Welt als Christian Essers bekannt, seinen Freunden auf Twitter unter dem Pseudonym @chris_is_oecher. Zum Einstand lockte er seine Leser mit einer fröhlichen Provokation aus der Reserve: „Welches Gebäude in Aachen sollte man unbedingt abreißen?“

In der folgenden, munteren Debatte wurde unter anderem der Busbahnhof nominiert, ferner der Dom – allerdings der in Köln, nicht der in Aachen – und das Uniklinikum. Das Krankenhaus fand auch Verteidiger: „Das sieht alles so ein bisschen nach ,Raumpatrouille Orion in 30 Jahren‘ aus. Der Teppich toppt aber alles“, schrieb Twitterer Mario, der selbst schon einmal den Kurator bei „Wir leben AC“ gegeben hat.

Die Idee, wechselnde Autoren zu einem Thema im Netz schreiben zu lassen, ist nicht völlig neu. Auf dem Profil @I_amGermany etwa wird über Deutschland getwittert. „Ich dachte: So etwas will ich auch für Aachen haben“, sagt Rebekka Badenheuer-May, eine der Organisatorinnen von „Wir leben AC“. Zusammen mit Sabine Nowak hat die Designerin und Wahl-Aachenerin das erste derartige Vorhaben in der Region auf die Beine und ins Netz gestellt.

Das Schlagwort lautet „Rotation Curation“: Ein regelmäßig wechselnder Autor, der sogenannte Kurator, übernimmt für einen bestimmten Zeitraum die Pflege einer Profilseite in einem Sozialen Netzwerk wie Facebook oder Twitter. Die Leser dieses Profils erleben dann im Idealfall eine abwechslungsreiche Behandlung des Leitthemas aus einer ständig wechselnden Perspektive. Dies verbunden mit einer lebendigen Debatte, denn das weitgehend öffentliche Netzwerk Twitter lebt vom unkomplizierten Mitreden, Antwortengeben und Kennenlernen.

Und da sich mit einem Smartphone praktisch jederzeit und überall twittern und auf die Tweets anderer antworten lässt, entsteht oft eine munter blubbernde Diskussion. Die Follower begleiten den Kurator buchstäblich in Echtzeit durch dessen Tag. Das geht vom morgendlichen Aufstehen – ein gerne lang ausschlafender Student begrüßte seine Leserschaft einmal mit einer vorab programmierten Meldung – bis zur feierabendlichen Parkplatzsuche.

„Wir leben AC“ ist nebenbei auch ein Versuch, die im Vergleich zu Städten wie Köln oder Düsseldorf eher überschaubare Aachener Internetszene weiter zu beleben. „Der Vernetzungsgedanke steht für uns im Vordergrund“, sagt Sabine Nowak. Es ist nicht der erste derartige Vorstoß: Von der „Webmontag“-Vortragsreihe über die „Twittagessen“-Treffen bis zum „Plogbar“-Bloggerstammtisch hat es in den vergangenen Jahren nicht an solchen Initiativen gefehlt. Vielen dieser regelmäßig stattfindenden Social-Media-Veranstaltungen ging allerdings mit der Zeit die Luft aus.

„Wir leben AC“ soll neue Kontakte herstellen. Eine Gelegenheit, dann außerhalb des Internets die Menschen hinter den Twitternamen kennenzulernen, bietet sich beispielsweise bei einem weiteren geselligen Event der Twitterszene. Nutzer aus der Region treffen sich regelmäßig beim „Aachener Schnitzeltestessen“ – auf Twitter organisiert und mit Hingabe kommentiert unter dem Hashtag #steac.

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