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Aachen: Ein Kumpel auf dem Thron des Narrenherrschers

Von: Georg Dünnwald und Hendrik Trautmann
Letzte Aktualisierung:
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Sie werden heute Abend allesamt im Mittelpunkt stehen: der Aachener Prinz Thomas II. und seine Hofstaatsmitglieder. Viele Öcher kennen die Truppe schon.
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111 Kilo bringt Prinz Thomas II. auf die Waage. Daran sind auch ein wenig die Kochkünste seiner Ehefrau schuld.
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„Wir sind eine glückliche Familie, wir spielen nichts vor“, bemerkt Thomas Sieberichs. Mit seiner Rolle als Karnevalsprinz sind die 46-jährige Ehefrau Gitte, Tochter Leonie und Sohn Dennis absolut einverstanden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Wir“, dieser Begriff ist für Thomas Sieberichs sehr wichtig. Denn ohne seinen Hofstaat und ohne seine Familie könnte der designierte Narrenherrscher die diesjährige – besonders harte, weil sehr kurze – Session nicht durchstehen. Am Aschermittwoch werden er und seine Truppe rund 320 Auftritte bewältigt haben.

Samstagabend, ab etwa 23 Uhr, wird Sieberichs als Thomas II. endgültig über Aachens Narren herrschen. Helfen wird ihm dabei sein 14-köpfiger, kompetenter Hofstaat. Alle Hofstaatsmitglieder haben vom Karneval eine Menge Ahnung, denn sie gehören alle einem Fastelovvendsverein an. „Darauf habe ich großen Wert gelegt“, sagt Sieberichs bestimmt. Und auf noch etwas legt er Wert: Während der gesamten Session wird das 111-Kilo-Schwergewicht Wasser trinken, nichts als Wasser. Wie zur Bekräftigung dieser Aussage nimmt er in seinem gemütlichen Wohnzimmer des Zweifamilienhauses in der Carla-Siedlung einen großen Schluck Bier aus seinem Glas.

„Nun fragen Sie mich um Gottes Willen nicht danach, ob ich nervös vor der Prinzenproklamation bin. Ich sage es gleich: Ich bin es zurzeit nicht“, unterstreicht der neue Karnevalsprinz mit dem Kumpeltyp-Image. Alles sei nur eine Sache der Vorbereitung. Und dazu gehörten auch so unangenehme Dinge wie das nötige Kleingeld.

„In Aachen werden wir gesponsert. Das ist in Köln nicht der Fall. Da muss das Dreigestirn alles selbst bezahlen oder der Festausschuss schießt was zu“, äußert Sieberichs seinen tiefen Dank an seine Geldgeber. In Insiderkreisen ist längst bekannt, dass eine Session den Prinzen um die 100.000 Euro kostet. Eine Summe, die Sieberichs jedoch nicht bestätigt. Der joviale Leiter der Wagenhalle des Festausschusses Aachener Karneval (AAK) ist stolz darauf, dass die Kölner das AAK-Sicherheitskonzept für den Rosenmontagszug übernommen haben.

Innige Beziehung

Zum Karneval hat Sieberichs schon als Kind durch seine Eltern eine innige Beziehung aufgebaut. „Die haben mich immer mit zum Pfarrkarneval von St. Martin genommen. Nachher, als Erwachsener bin ich dann durch Jakob Heutz zu den Duemjroefe gekommen“, erzählt die designierte Tollität.

Der 4 x 11-Jährige legt Wert darauf, dass jedes Hofstaatsmitglied bei ihm wichtig ist und einbezogen wird. Selbstverständlich auch in die Arbeit. „Ich bin eine von 15 Personen, und in diesem Ensemble bin ich eben der Prinz.“ Das schließt ein, dass die Tollität Aufgaben an seine Hofstaatsmitglieder delegiert, „um diese Aufgabe, wie CD-Verkauf, die Einladungslisten und, und, und, kümmere ich mich dann nicht mehr, erwarte aber Ergebnisse“. Deshalb wertet es Sieberichs als gut, dass er mit Gustl Brammertz, dem Hofmarschall, und Alwin Fiebus, dem Prinzen des Jahres 2011, Berater zur Seite hat, „die das ‚Geschäft‘ absolut verstehen“.

Das Prinzenspiel, nach dem er Samstagabend zur Tollität proklamiert wird, wurde von Wolfgang Pauels, seinem Krippekratz, beispielsweise in einem Stau auf der Autobahn verfasst. In nur zwei Stunden schrieb Pauels das rund 20-minütige Prinzenspiel, „und daran wurde kaum etwas geändert“, sagt Sieberichs bewundernd. „Der Wolfgang kann‘s einfach.“ Und auch die Granden des AKV seien total begeistert gewesen.

Ehefrau Gitte wird während der Proklamation mitten im Saal sitzen. „Wenn der Thomas dann proklamiert wird, werden bei mir sicher ein paar Tränchen rollen“, ist sie überzeugt. Mit neun Hofstaatsdamen wird sie sich während der fast vierstündigen Veranstaltung sicher bestens vergnügen. Sie zeigt Verständnis: „Ich habe Thomas‘ Wunsch, Prinz zu werden, akzeptiert. Er hat ja auch Spaß daran. Und die Session ist ja auch sehr kurz“, meint sie.

Mit Gitte Sieberichs wird auch die 14-jährige Tochter Leonie mittenmang im Europasaal sitzen. Und auch Sohn Dennis (19) ist mit von der Partie. Er beobachtet das Spektakel von der Galerie aus, wo er als Duemjroef mitten unter seinen Kollegen sitzt. Dennis, Schüler des Paul-Julius-Reuter-Kollegs, findet es „eine schöne Sache, dass Papa sich nun seinen Traum erfüllen kann“. Ebenso ist Tochter Leonie einverstanden mit des Herrn Papas Entscheidung, Prinz Karneval zu werden. Auch ihre Freundinnen aus der Schule (Maria-Montessori-Gesamtschule) finden es „echt cool“, dass der Vater der Achtklässlerin nun das höchste Amt im Öcher Fastelovvend bekleidet.

Für zwei Monate freigestellt

Urlaub nehmen muss der Lkw-Fahrer bei Boendgen nicht: „Die Firmenleitung hat mich für zwei Monate freigestellt“, erklärt er. Wie gesagt, er ist weder nervös noch verspürt er Lampenfieber. Aber, so vermutet er, das könne sich durchaus noch heute Abend bei ihm einstellen. „Ich werde froh sein, wenn alles vorbei ist, denn die Vorbereitungen sind mit ziemlich viel Stress verbunden.“

Thomas Sieberichs ist selbstsicher: „Die Session wird erfolgreich“, sagt er mit einer festen Stimme und einem hintergründigen Lächeln. Dabei denkt er bestimmt an sein Prinzenspiel, das eine Überraschung für die Jecken im Saal werden soll. Deshalb verliert er auch kein Wort darüber, was am Abend auf der Eurogressbühne ablaufen wird. Durchgesickert ist bisher nur, dass der Brunnen auf dem Markt eine wichtige Rolle spielt, „wegen Angeln und so“.

Sieberichs freut sich auf seine Rolle als Narrenherrscher. Und auch darauf, dass er in große und kleine Säle Stimmung bringt. „Das ich das kann, habe ich mit meinen Leuten schon bewiesen. Wir sind ja schon bei einigen Sitzungen aufgetreten“, unterstreicht er. Nach Auskunft seines Pressesprechers Wolfgang Pauels waren es bisher 75 Auftritte, die der Prinz und sein Gefolge bestritten haben. Und dort haben sie auch schon jede Menge CDs mitsamt Booklet verkauft.

Der Erlös geht vollständig an den Nele-und-Hanns-Bittmann-Verein und an das Aachener Klenkes-Komitee, beide Vereine setzen sich für Kinder und Jugendliche ein. Die CD wird gemeinsam mit einem Benefizorden an die Frau und an den Mann gebracht. Die Idee zum Benefizorden hatte Alwin Fiebus in seinem Prinzenjahr, im vergangenen Jahr übernahm Rainer Cohnen sie. „Warum soll ich solche guten Ideen nicht auch nutzen“, ist eine eher rhetorische Frage von Sieberichs. Vieles auf der CD, die vom Aachener Produzenten Frank Stumvoll umgesetzt wurde, dreht sich ums Angeln. Denn Sieberichs ist leidenschaftlicher Petri-Jünger. Deshalb heißt sein Motto auch: „Mit Petri Heil im frühen Tau, Öcher Jecke angele an Wurm und Pau.“

Der Vollblutkarnevalist ist sicher, dass in der Session alles bestens laufen wird und alle – er, sein Gefolge und die Mitarbeiter, die hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf sorgen – jede Menge Spaß haben werden: „Wer meint, dass ich am Aschermittwoch in ein tiefes Loch falle, der irrt.“ An diesem Tag, wenn alles vorbei sein wird, werden er und sein Gefolge mit der Prinzengarde zusammen im Quellenhof ein Fischgericht einnehmen. Vorher gehen alle in den Dom zur Abschlussmesse des Festausschusses Aachener Karneval. „Zum Schluss werden wir in der Elephant-Bar auf Mitternacht warten, dann starten meine Leute und ich nach Mallorca zu einem viertägigen Entspannungsurlaub.“

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