Aachen braucht weitere Angebote für „Seiteneinsteiger“

Von: Margot Gasper
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Ingesamt drei weitere Internationale Förderklassen sollen an Aachener Schulen eingerichtet werden, um Seiteneinsteiger aus aller Welt, die zunächst Deutsch lernen müssen, zu fördern. Foto: Stock/Chromorange

Aachen. Die Hugo-Junkers-Realschule will erstmals eine Internationale Förderklasse (IFK) einrichten. Das Couven-Gymnasium hat eine zweite Förderklasse zugesagt. Und an der Hauptschule Aretzstraße ist man bereit, zusätzlich zu den bestehenden vier Förderklassen noch eine weitere zu eröffnen.

Die dramatische Situation bei der schulischen Versorgung von Schülern, die aus dem Ausland zuziehen, dürfte sich damit zumindest ein wenig entspannen.

Im Schulausschuss stand die „Unterrichtsversorgung von Seiteneinsteigern“ nun auf Antrag von SPD und Grünen auf der Tagesordnung. Denn die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die neu in die Stadt kommen und in der Schule erst mal Deutsch lernen müssen, steigt massiv und kontinuierlich, vor allem weil zahlreiche junge Flüchtlinge in Aachen versorgt werden müssen.

Von aktuell 103 Seiteneinsteigern in der Sekundarstufe I und II sind allein 50 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, stellt die Verwaltung fest. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Seiteneinsteiger um 25 Prozent gestiegen.

Die Stadt könne Schulplätze nicht so schnell zur Verfügung stellen, wie sie benötigt werden, bedauerte Schulamtschefin Elke Münich. Dabei gibt es in Aachen bereits 15 Internationale Förderklassen: vier an der GHS Aretzstraße, fünf an der Reformpädagogischen Sekundarschule am Dreiländereck (vormals Hauptschule Kronenberg), zwei an der GHS Burtscheid, je eine an der GHS Drimborn, am Couven-Gymnasium und am Geschwister-Scholl-Gymnasium sowie eine Klasse am Käthe-Kollwitz-Berufskolleg.

„Es ist ein zunehmendes Problem, im laufenden Schuljahr Schüler mit Unterricht zu versorgen“, erklärte Schulrat Wolfgang Mül­lejans. Die Zahl der Seiteneinsteiger sei nun einmal nicht planbar. Die Kinder kämen zudem mit ganz unterschiedlichem Förderbedarf nach Aachen „Und so viele Lehrer für Deutsch als Fremdsprache sind auch nicht auf dem Markt.“

Kein Angebot an Gesamtschulen

An den vier Aachener Gesamtschulen gibt es bislang keine Internationalen Förderklassen. Das hat auch damit zu tun, dass die Gesamtschulen sehr gefragt und die Klassen in der Regel sehr voll sind. Zum Prinzip der Förderklassen gehört es aber, dass die Schüler in den normalen Unterricht wechseln, sobald sie in den Förderklassen genügend Deutsch gelernt haben. „An der Öffnung der Gesamtschulen für Seiteneinsteiger wird kein Weg vorbeiführen“, prognostizierte Müllejans dennoch, zumal es demnächst in Aachen nur noch drei Hauptschulen gebe. Diese Schulform aber integriert derzeit die meisten Seiteneinsteiger.

Axel Schneider, Schulleiter der Viktoriaschule und Vertreter der evangelischen Kirche im Schulausschuss, warf die Frage auf, warum zum Beispiel die Heinrich-Heine-Gesamtschule keine Seiteneinsteiger aufnehme. Kapazitäten seien seines Wissens vorhanden, so Schneider.

Das allerdings will Heinrich Parting, Schulleiter der Heinrich-Heine-Gesamtschule, so nicht stehen lassen. „Unsere Schule ist mit der engagierten Einführung der Inklusion schon außerordentlich belastet. Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten bereits am Limit“, erklärte Parting auf Anfrage der „Nachrichten“. „Bei aller grundsätzlichen Bereitschaft muss ich mich dennoch fragen, ob wir ein weiteres Arbeitsfeld noch stemmen können. Ohne zusätzliche angemessene Ressourcen wird das kaum möglich sein.“

An den Aachener Grundschulen gibt es bislang keine Internationalen Förderklassen für Seiteneinsteiger. Und aus Sicht von Schulrätin Ulla Roder spricht auch viel dafür, dass das so bleibt. In der Schulleiterkonferenz sei man jüngst übereingekommen, dass alle Grundschulen für die Seiteneinsteiger Verantwortung übernehmen sollen, berichtete sie. Statt die Kinder an einzelnen Schulen zu bündeln, sollten sie weiterhin wohnortnah in heterogenen Lerngruppen unterrichtet werden.

Allerdings denke man über ergänzende „Crashkurse“ für diese Kinder nach. „Wir sind dabei, ein Konzept für ergänzende intensive Sprachförderung für Seiteneinsteiger zu entwickeln“, sagte Roder. In diesen „Crashkursen“ könnten die Grundschüler stundenweise intensiv Deutsch lernen. Zusätzliche Stunden für dieses neue Angebot wird es aber nicht geben. „Die Lehrerstellen müssten den Brennpunktschulen weggenommen werden“, betonte Roder.

Einstimmig beauftragte der Schulausschuss die Verwaltung, gemeinsam mit der Schulaufsicht nach Lösungen zu suchen, damit noch mehr Unterricht für Seiteneinsteiger angeboten werden kann. Bildung sei schließlich ein Menschenrecht, so Bernd Krott .

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