70 Minuten lang atemlose Spannung

Von: Grit Schorn
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Petra Welteroth und Franz Sodann (im Hintergrund) wollen mit der neuen Fassung des Bühnenstücks „Misery” nach Stephen King das Aachener Publikum im Theater K. auf eine 70-minütige Folter spannen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der hilflose Autor Paul liegt im Bett und wird hingebungsvoll von seinem „größten Fan” gefüttert: Von Annie, einer früheren Krankenschwester, die Paul nach seinem Autounfall auf unwegsamem Gelände aufgefunden hat. Jetzt will sie ihn in ihrem Hause gesund pflegen.

Schon diese kleine Probeszene offenbart jene Art von „Suspense”, die nicht nur Alfred Hitchcock, sondern auch Stephen King berühmt machte. Petra Welteroth und Franz Sodann wirken geradezu wie Wunschkandidaten für die Bühnen-Adaption von Stephen Kings Thriller, der in Deutschland „Sie” hieß. Bereits 2007 haben die beiden Schauspieler „Misery” in Gera vorgestellt, jetzt wollen sie das Aachener Publikum mit einer neuen Fassung auf die Folter spannen - kurzweilig und lustvoll, versteht sich.

Der Titel „Misery” bezieht sich auf die kitschige Romanreihe, mit der Autor Paul Sheldon seit Jahren Erfolge hat. Er will seine von vielen geliebte Romanheldin sterben lassen, um endlich etwas Anderes und Besseres zu Papier zu bringen. Doch er hat die Rechnung ohne die Wirtin gemacht, nämlich ohne Annie Wilkes, die eine glühende Verehrerin von „Misery” ist. Sie will den ihr ausgelieferten Autor zwingen, eine weitere Schmonzette, natürlich mit der höchst lebendigen Heldin, in ihrem Hause zu verfassen.

Schon bald fühlt sich Paul wie in Geiselhaft, er ist verletzt und braucht nach seinem Unfall Schmerzmittel, die Annie ihm geben oder vorenthalten kann. Dabei ahnt er noch nichts von dem gefährlichen Geheimnis, das die einstige Krankenpflegerin mit sich herumträgtÉ

Nähe und Distanz

Petra Welteroth reizt an dieser Rolle nicht nur Annies immer deutlicher werdende Persönlichkeitsstörung, sondern auch das Problem von Nähe und Distanz, das der einsamen Frau zu schaffen macht. „Misery ist die Geschichte eines Realitätsverlustes”, betont die vielseitige Schauspielerin, die kein Gruselkabinett vorstellen will, sich vielmehr für Annies Zerrissenheit und ihre Sehnsucht nach einer heilen Welt interessiert.

Ihr zur Seite steht als gepeinigter Paul der Schauspieler Franz Sodann, ein Sohn des früheren „Tatort-Kommissars” Peter Sodann. Der 35-jährige Franz Sodann, der auch ein Gastspielmanagement leitet, fühlt sich in seiner „klaustrophobischen Rolle” sichtbar wohl.

In der neuen Bearbeitung ist das schwarzhumorige Stück noch komprimierter und ganz auf die inneren Vorgänge zugespitzt. 70 Minuten atemlose Spannung erwarten die Besucher, dessen ist sich das Mimen-Duo sicher. Zehn Vorstellungen soll es geben, dann geht´s auf Tournee. Regie führt Robert Roth.
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