6666 Kilometer: Team Öcher Safari tritt bei Allgäu-Orient-Rallye an

Von: Thomas Vogel
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Rallye
Der Wagen Nummer zwei, Motiv Allgäu auf der Motorhaube, mit den Rallyefahrern. Foto: Harald Kroemer

Aachen. Es rappelt, es scheppert und klackert als Arnold den 24 Jahre alten Mercedes anwirft. Die Maschine klingt, als schaffe sie es nicht einmal über die gut ausgebaute Autobahn bis Köln, ohne schlapp zu machen. Tatsächlich ist die Aufgabe für diesen und zwei weitere alte Benz etwas anspruchsvoller, als eine Shoppingtour in die nahegelegene Metropole.

Sie sollen weit über 6000 Kilometer im Dauerbetrieb bis nach Amman in Jordanien fahren. Sollen? Sie müssen!

Arnold Syrnik ist einer von sechs jungen Menschen, die als Team der RWTH an der Allgäu-Orient-Rallye teilnehmen. Fünf von ihnen studieren Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Maschinenbau. „Wir kennen uns seit dem ersten Semester“, sagt Jenny Mehring, die einzige Frau in der Abenteurer-Gruppe. Gerade mal eine Minute war die Rallye zur Teilnahme an der Uni ausgeschrieben, bevor sie ausgebucht war.

Jetzt steckt das Team mitten in der Vorbereitung für den Start am 27. April in Oberstaufen. Von dort aus geht es mit den Autos und 110 anderen Teams in den Orient. „Wir starten in Deutschland, fahren dann über Österreich, Rumänien, Bulgarien durch die Türkei, dann mit der Fähre nach Israel und von dort aus nach Jordanien“, erklärt Tim Düster. „Erstmal mussten wir die Autos aber überhaupt finden und kaufen“, sagt Jenny. Und zwar nicht irgendwelche. Die Vorgabe lautete: Die Fahrzeuge müssen älter als 20 Jahre sein oder weniger als 1111,11 Euro kosten. Die Renn-Kombis des Teams Öcher Safari erfüllen sogar beide Kriterien.

Unterwegs im Roten Baron

Die drei Mercedes T-Modelle – bereits im August gekauft – stammen aus den Baujahren 1989 und 1990. Zwischen 550 und 850 Euro hat die junge Truppe dafür hingeblättert. Aber mit vollem Tank, wie sie unisono betonen. Der erste Wagen wurde auf den Namen Oscar getauft. „Der zweite hat den einfallsreichen Namen ‚Nummer zwei‘“, sagt Mehring. Der dritte trägt aufgrund seiner bordeauxroten Farbe den Titel „Roter Baron“. Weil die Wagen riesig sind, können die Studenten alles mögliche mitnehmen – inklusive ganzer Betten. Die werden mit einer Holzrahmenkonstruktion in den Fond der Mercedes integriert und eignen sich so als Nachtlager.

Der eigentliche Sinn und Zweck der drei Wochen langen Reise ist es, syrische Flüchtlingslager zu unterstützen. Die Autos werden nach der Rallye in Jordanien gespendet. Das gilt auch für den Gewinner-Preis: ein Kamel. Das Tier wird nicht überführt, sondern darf als Spende in Jordanien bleiben. „Wir selber wollen uns aber zusätzlich noch kleinere Projekte suchen“, erklärt Tim Düster. Viele Sportklamotten für Kinder nehmen sie zum Beispiel mit und Brillen. Gerne würden die Studenten auch gebrauchte Hörgeräte einladen, die in Deutschland als Medizinprodukte nicht mehr verwendet werden dürfen, in Jordanien aber helfen könnten.

Für Tim Düster gibt es viele gute Gründe, an der Rallye teilzunehmen: „Weil die Idee einfach verrückt ist, weil das eine der wenigen Rallyes ist, die man bezahlen kann als Privatperson, weil man etwas Gutes tut und weil es eine Spaßrallye ist.“ Während des Rennens müssen die Teams verschiedene Aufgaben lösen. Eine davon: Ein Musikinstrument muss mit nach Jordanien, das Team weiß aber nicht, welches.

Jedes Team wird ein Instrument mit zum Start bringen. Dort werden sie jeweils einem anderen Team zugelost. Jeder muss unterwegs ein Lied einstudieren. Das wird gemeinsam am Ziel mit den Instrumenten vorgetragen. Dafür gibt es dann auch Punkte. Im letzten Jahr mussten die Teams beispielsweise eine Flasche Bier aus jedem Land mitbringen oder türkische Kinderlieder lernen. Es gibt aber auch Rallye-Aufgaben, eine Sektion zum Beispiel in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren.

Fest steht: Die Teilnehmer aus Aachen wird man immer und überall erkennen. Dafür sorgt ein Mann mit extravagantem Namen, „Lake13“, der den Karossen eine ebenso extravagante Lackierung verpasst. Der Aachener Gaffitikünstler heißt mit bürgerlichem Namen Lars Kessler.

Jedes Vehikel ein Kunstwerk

Die Autos bearbeitet er mit normalen Farb-Spraydosen. „Die Rallye heißt ja Allgäu-Orient-Rallye und ich hab mir gedacht, dass ich zu jedem der drei Fahrzeuge ein bestimmtes Thema mache: einmal Allgäu, einmal Orient und einmal Rallye“, erklärt der Sprayer. Sechseinhalb Stunden braucht er für einen Wagen und rund 30 Dosen Farbe. Geld nimmt Lake13 dafür nicht, tritt aber als einer der Sponsoren des Teams in Erscheinung.

Ohne Sponsoren wäre die Rallye überhaupt nicht möglich. 20 000 Euro werden für die Allgäu-Orient-Rallye am Ende schätzungsweise über die Theke gegangen sein. Weit mehr würde es wahrscheinlich, wenn sie die Autos mit eigenen Mitteln fit für die lange Reise machen müssten. Dazu hat sich aber ein weiterer Sponsor bereit erklärt: die Mercedes-Benz Niederlassung Aachen. Serviceleiter Ronald Ott: „Wir schauen uns die Fahrzeuge der jungen Leute an, damit die auch im Orient ankommen.“

Was nicht mehr in Ordnung ist, repariert das Autohaus auf eigene Kosten. Vielleicht blickt Ronald Ott deshalb ein wenig sorgenvoll, als der Motor des „Roten Baron“ unter beeindruckender Geräuschkulisse und schnaufendem Anlasser zum Leben erweckt wird. Mit den Kombi-Modellen der 124-er Baureihe attestiert Ott eine gute Wahl: „Das Fahrzeug ist sieben Jahre gebaut worden. Es gab wenig technische Probleme, die Maschine ist sehr zuverlässig und Platz hat das Team auch genug.“

Platz genug sogar für weitere Hilfspakete. Wer sich mit Geld oder Sachspenden an der Hilfsaktion beteiligen möchte, kann sich über die Website an das Team Öcher Safari wenden.

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