Aachen - 5000 Altautos stapeln sich auf dem Gelände

5000 Altautos stapeln sich auf dem Gelände

Von: Heiner Hautermans und Georg Dünnwald
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Bis zu vier Lagen hoch türmen sich die 5000 Altautos auf dem Firmengelände am Feldchen. So eng geht es inzwischen zu, dass Hobbyschrauber nicht mehr zugelassen werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Autowracks, so weit das Auge reicht: Wer sich auf das Gelände der Aachener Autorecycling GmbH an der Straße Feldchen begibt, wird nachhaltig mit den Hinterlassenschaften der sogenannten Abwrackprämie konfrontiert.

Auf 12.000 Quadratmeter Firmenareal sind dort 5000 Altfahrzeuge gelagert, teilweise in vier Lagen übereinander. Je 1000 weitere sind in angemieteten Außengeländen untergebracht, aus Angst vor Vandalismus will die Firma nicht, dass deren Standorte (außerhalb Aachens) genannt werden: „Manchmal findet man morgens hundert Autos, an denen keine Scheibe mehr ganz ist.”

Fachfirmen von diesem Kaliber gibt es nur wenige in Aachen. Die Aachener Autorecycling ist eine der Großen ihrer Art. Und alle haben sich ausdehnen müssen, so dass - zusätzlich zu den bekannten Pkw-Handelsfirmen am Grünen Weg, Strangenhäuschen und Hergelsbendenstraße in Haaren - weitere Areale zu Großstellplätzen umfunktioniert wurden, etwa am Rotter Bruch.

Bundesweit waren es im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Kraftfahrzeuge, die gegen ein neues Auto aus dem Verkehr gezogen wurden. Zwischen dem 14. Januar und dem 30. Dezember konnten Autobesitzer die Abwrackprämie beantragen, wenn ihr Wagen älter als neun Jahre war und länger als ein Jahr in ihrem Besitz. Aber bereits am 2. September war Schluss, das von der Bundesregierung aus konjunkturellen Gründen zur Verfügung gestellte Geld für die „Umweltprämie” war aufgebraucht. In Aachen waren es Abertausende, von denen allein 9000 bei der Aachener Autorecycling GmbH gelandet sind. 2000 wurden bereits verwertet.

Weiterhin im Stau

Die anderen stehen dort, wo sie sich schon öfter befunden haben: im Stau. Diesmal vor der Presse. Zunächst müssen nämlich alle umweltgefährdenden Stoffe entfernt werden, nicht nur Benzin oder Öl, auch das Wasser aus der Scheibenwaschanlage, das möglicherweise Reinigungsmittel enthält. Ebenso das Kühlwasser, die Batterie oder die Reifen, die alle getrennt entsorgt werden müssen, die meisten Stoffe gegen einen ordentlichen Obolus. Nur für das Altöl gibt es einen kleinen Erlös.

Das dauert, bis die Altautos solchermaßen gestrippt ist. Mitarbeiter Thomas Maaßen: „Es erfordert einen relativ großen Zeitaufwand. Wir schaffen nicht mehr als 20 bis 30 Wagen pro Tag.” Erst danach werden die Restkarossen in die hauseigene Presse geschoben, die sie in etwa zwei mal zwei Meter große und 30 Zentimeter dicke Blechpakete verwandelt. Diese können dann im Hochofen eingeschmolzen und zu Stahl wiederverwertet werden.

Auch heute noch werden einzelne Abwrackprämien-Autos auf das Gelände gebracht, wenn nämlich ein Neuwagen Lieferfristen hatte und erst jetzt dem Kunden überstellt wird.

Annehmen muss die Autorecycling GmbH alle Wagen, dazu hat sie sich in Verträgen mit den Autoherstellern verpflichtet. Allerdings hat sie inzwischen Hobbyschraubern untersagt, sich selbst Ersatzteile zu besorgen, dafür ist es inzwischen zu eng.

Und oft kommt es vor, dass Kunden kein Verständnis dafür haben, dass die - noch ganz passablen - Gefährte nicht verkauft werden dürfen. Das war nämlich Bedingung für die Abwrackprämie, dass alle Pkw verschrottet werden.

Hält er die ganze Aktion denn für sinnvoll? Thomas Maaßen äußert sich doppeldeutig: „Das ist im Grunde Luxusmüll hier.” Zwar profitiere seine Firma auf der einen Seite, habe auf der anderen aber einen enormen Kostenapparat aufgebaut, etwa für das Anmieten zusätzlicher Flächen. In den Spitzenzeiten musste man sogar zwei Fahrer anstellen, die täglich ausrangierte Wagen abholten und an den jeweiligen Bestimmungsort brachten.

Bis Ende des Jahres, so hofft er, wird das Unternehmen den Rückstand abgearbeitet haben. Alles streng nach Vorschrift, denn zertifizierte Unternehmen wie die Autorecycling GmbH werden stichprobenartig überprüft: „Da müssen sie jeden Tropen nachweisen, der entsorgt wird.”
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