36 Zentimeter: Aachen tief unterm Weihnachtsschnee

Von: Alfred Stoffels
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Ergiebige Schneefälle, so heißt der Fachausdruck, machten Weihnachten in Aachen so weiß wie selten. In den Straßen türmte sich der Schnee, wer irgend konnte, ließ sein Auto stehen. Auch die Aseag fuhr zwei Tage lang nicht, seit Sonntagmorgen sind die Busse wieder unterwegs. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eine weißere Weihnacht hat es in Aachen selten gegeben. Vorher lag ja schon ein Haufen Schnee in der ganzen Stadt herum, doch am Heiligen Abend ging es dann noch einmal richtig zur Sache - es schneite fast ohne Unterlass bis tief in den Abend hinein.

Die Wetterstation auf dem Wingertsberg meldete denn auch am Sonntag, zum Abschluss der Festtage, rekordverdächtige 36 Zentimeter Schnee. Was in freier Natur für eine unglaublich schöne Kulisse und Spaß ohne Ende sorgte, auf Straßen und Plätzen aber fast den totalen Stilstand auslöste: Die Aseag ließ ihre Busse zwei Tage lang im Depot, viele Autofahrer gerieten trotz aller Fahrkünste immer wieder an den Rand ihrer Möglichkeiten, und unzählige Aachener schlichen aus der warmen Stube ein ums andere Mal vor die Tür - schippen, schippen, schippen, so hieß die Devise.

Auch altgediente Aseag-Chauffeure können sich nicht erinnern, dass die Stadt Aachen so lange am Stück ohne die Rote Flotte auskommen musste: Ab Donnerstagnachmittag ging nichts mehr, am 24. und 25. Dezember drehte sich ebenfalls kein Reifen, erst am zweiten Weihnachtstag um 6 Uhr begann der Fahrplan wieder ganz sachte in Erscheinung zu treten. Sprecherin Anne Linden: „Es war eine Extremsituation.”

Als „Glück im Pech” bezeichnet sie die Tatsache, dass der komplette Ausfall der Busse in eine deutlich publikumsarme Zeit fiel, Schulferien inklusive. Das Unternehmen hatte dennoch eine Info-Hotline eingerichtet, die auch intensiv genutzt wurde. Bis auf einige Ausnahmen sollen sich die Anrufer „absolut verständnisvoll” geäußert haben.

Was der Aseag zu schaffen machte, das war die schiere Masse Schnee: Die Fahrbahnen wurden teilweise so eng, dass ein Durchkommen nicht mehr möglich war, viele Haltestellen konnten nicht mehr angefahren werden. Und es gab auch kaum noch Wendemöglichkeiten, so dass die totale Einstellung des Betriebs verfügt wurde. Auf den Hauptachsen wagten sich zunächst einmal lediglich einige Testwagen auf die Piste, aber auch die mussten Abkürzungen fahren.

Anne Linden: „Es waren spannende und aufregende Tage, und ich glaube, dass wird noch eine Weile so bleiben” - die Wetteraussichten sind unbeständig, und heute müssen wieder viele Menschen zur Arbeit.

„Kampf” am Himmel

Dass zurzeit wenig Verlass ist auf Aussagen aller Art, bestätigt Jürgen Laufer von der Wetterstation auf dem Wingertsberg. Was die Lage so unübersichtlich macht, ist ein „Kampf” am Himmel - Warm- gegen Kaltluft, Nord gegen Süd. Sowas ist nach wie vor gut für ergiebige Schneefälle, so dass sich die weiße Pracht noch vermehren könnte bis zum Jahresende. Zumal in unserem Teil von NRW keine Erwärmung in Sicht ist und kaum etwas wegtauen wird.

Dass es gleich zu Winteranfang in Aachen schon aussieht wie in den Alpen, bringt als Spezialproblem die Frage mit sich: Wohin mit dem ganzen Zeug? In den Alpen gibt es genug Platz zum Wegschaffen, in einer dicht bebauten Stadt ist das eher anders. So wurden viele Straßen in Windeseile zu ganz engen Röhren, an beiden Seiten türmte sich der Schnee. Räumfahrzeuge hatten keine Chance, geparkt wurde vielerorts in zweiter Reihe - die eigentlichen Parkbuchten waren nicht mehr erreichbar.

Der Verkehr kam also weitgehend zum Erliegen - was in der Polizeistatistik auch seinen Niederschlag fand: Zwar kam es über die Weihnachtstage im Stadtgebiet zu rund 60 Karambolagen und anderen Unfällen, aber es gab lediglich Sachschaden, nichts wirklich Schlimmes. Dennoch war die Leitstelle des Präsidiums sehr gefragt, permanent mussten Auskünfte zum Straßenzustand gegeben werden. „Großes Thema” waren auch die unzähligen Eiszapfen und die mit ihnen verbundenen Gefahren; bereitwillig wurde über die Sach- und Rechtslage aufgeklärt.

Die Abteilung Brandschutz der Feuerwehr hatte es während der Festtage lediglich mit einem schnell gelöschten Zimmerbrand in der Weißenburger Straße zu tun, der Rettungsdienst war allerdings häufiger gefragt: Viele Einsätze wurden gefahren, bei denen es häufig um gesundheitliche Probleme ging. Einstürzende Flachdächer, wie sie zum Teil in der Städteregion zu beklagen waren, gab es in Aachen nicht.

Nachschub ungewiss

Auch während der Feiertage war der Winterdienst des Stadtbetriebs mit allen verfügbaren Leuten im Einsatz, von jeweils 4 bis 22 Uhr. Wegen der unglaublichen Schneemengen konnten nur die Straßen der Dringlichkeitsstufe 1 geräumt und gestreut werden, immerhin 555 Kilometer. Mit dem Salz ging man zuletzt etwas haushälterisch um - außer an den Gefällstrecken und den großen Kreuzungen -, weil man nicht so genau weiß, ob heute Nachschub eintrifft. In diesen Zeiten empfiehlt es sich, noch ein paar Reserven in der Hinterhand zu haben.

Nun aber zu den angenehmen Seiten: Die Aachener zog es - zumeist per pedes - in Scharen hinaus, um die Winterwunderwelt aus erster Hand zu genießen. Überall da, wo sich nur ein Hübbelchen auftat, wurde um die Wette gerodelt, wobei Papa und Mama den neuen Fotoapparat ausgiebig einweihen konnten. Der Wald wurde eher zurückhaltend frequentiert, nachdem die Stadt vom Betreten abgeraten hatte - zu groß die Gefahr abbrechender Äste oder umstürzender Bäume.
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