28 Stunden munteres Treiben im Mörgenstheater

Von: Grit Schorn
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Wahrsagerin Doro Köhn schaut im „Dorf der Liebe” in die Zukunft der Besucher. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Wer nicht dabei war, hat viel versäumt: 28 Stunden von Samstagnachmittag bis in den späten Sonntagabend hinein währte das muntere Treiben im Mörgenstheater. Anne Wuchold und ihr Team hatten das gesamte Gebäude okkupiert und in „Das Dorf der Liebe” verwandelt.

Ziel der Performance war nicht nur, einen üppig bewaldeten, fantastisch wuchernden Kosmos vorzustellen, sondern auch die Grenzen zwischen Akteuren und Zuschauern verschwimmen zu lassen.

Trotz des Winterwetters erschienen viele neugierige Gäste im „Dorf der Liebe”. Da die Dörfler am Virus der Melancholie und der Angst vorm Aussterben leiden, werden Touristen eingeladen, um dem Dorf zu neuer Hoffnung (und zu Nachwuchs) zu verhelfen. Die Touristen - also das Publikum - werden zunächst einem Gesundheitscheck unterzogen. Versehen mit Impfpass und Mundschutz von „Assistenzärztin Dr. Ellen Betrix” (Katharina Merschel), können die Zuschauer dann im Dorf herumstreifen und den süßen Duft der Anarchie genießen. Auch der bizarre Arzt „Dr. Hauschka” (Sebastian Stert) treibt dort sein medizynisches Unwesen.

Wer Lust hatte zum Mitmachen und -spielen, hatte reichlich Gelegenheit dazu, in „Echtzeit” zwischen Bar und Spielbank, bei „Fruchtbarkeitstänzen”, Puppenspiel und echter Wahrsagerin (Doro Köhn) oder gar im „Liebescontainer” sein Vergnügen zu finden. Ebenso lockten die heidnische Kräuterküche mit waschechter „Kräuterhexe” (Anneli Schnitzler) oder die „Kirche” zwischen Totenschädeln und alten Gebetbüchern. Eine nächtliche Wald-Party mit de DJ „tinnitus B” lockte besonders jüngere Besucher. Die Tänzerin (grandios: Kerea Lindert Knoeppel) entzückte mit Verführung und Vorführung im Separee. Der Barkeeper (Arne Klar) schenkte nebst Brunnenwasser klaren und bräunlichen Wodka aus, welcher die menschlichen Bar-Hocker einander näher brachten.

Schlafender Hirte

Wer beim „Pfarrer Hubertus” (Klaus Rassau) beichten wollte, traf schon mal einen schlafenden Hirten im Bett an. Apropos Schlafgelegenheiten: Selbst die gab es, für Mitwirkende und Gäste, die angesichts der sich buchstäblich „häufenden Schneefälle” den Weg nach Hause scheuten. Erzkomödiantisch zeigte sich der „Casinobesitzer” (Vladimir Budde), der nicht nur Euro gegen harte „Zyros”-Währung tauschte, sondern auch als (tatsächlicher) Schachmeister glänzte. Hinreißend kafkaesk bis karnevalesk die „Baronin” (Anne Wuchold) und der „Baron” (Rainer Krause), die sich leicht spukig unter die Gäste mischten (Schöne Kostüme: Sigrid Brünninghoff). Und natürliche fehlte auch ein wandelnder Geist (Julia Brettschneider) nichtÉ

Eine fantastische Erlebniswelt die die Schauspielerin Anne Wuchold durchgesetzt und mit ihrem Team (Raumgestalterin Elisabeth Althoff und Dramaturgin Caroline Schlockwerder) realisiert hat. Reizvoll war auch die geglückte Zusammenarbeit von Profikräften des Theaters und den älteren Laien (Ü55) sowie einigen jungen Mitspielern (U21). Und auch viele Zuschauer wurden zu Teilnehmern und machten kräftig mit.
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