2000 Weihnachtskisten an den Mann gebracht

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
4678040.jpg
Nicht nur Lebensmittel fanden sich in den Paketen, auch Spielzeug war dabei.
4678589.jpg
Das Angebot im Ballsaal des Alten Kurhauses war riesig. „Ich danke den Aachenern, die eine Kiste gebracht haben“, sagte Tafel-Vorsitzende Jutta Schlockermann. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Gehen Sie bitte an Tisch 1“, forderte Jutta Schlockermann die Kundin auf. Die Aachener Tafel hatte am Donnerstag zur Verteilung der von Aachenern gestifteten 2000 Weihnachtspakete gebeten.

Draußen, vor dem repräsentativen Eingang des Alten Kurhauses standen die Menschen, die berechtigt waren, eine Weihnachtskiste mit nach Hause zu nehmen, dicht gedrängt. Obwohl Jutta Schlockermann, die Vorsitzende der Aachener Tafel, vier „Schichten“ eingeteilt hatte, kamen die meisten Tafelkunden früher und mussten entsprechend warten. Zuerst hatte die Familien mit Kindern den Zuschlag, alte Menschen kamen danach dran.

Wie eine Bahnschaffnerin

Oben, auf der ersten Etage, am Eingang zum Ballsaal, begrüßte die Tafelvorsitzende jeden der Kunden freundlich und knipste wie eine Bahnschaffnerin ein Klämmerchen in den Kundenausweis. So war sichergestellt, dass jeder Kunde nur einmal seine Weihnachtsfreude abholen konnte. Die 65 ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter, die schon seit Mittwoch im Dauereinsatz waren, brachten jeden Kunden freundlich zum angewiesenen Tisch, dort hatte er die Qual der Wahl. Weihnachtskiste um Weihnachtskiste wartete darauf, mitgenommen zu werden. Und so gut wie kein Tafelkunde musste seine Kiste selbst zum Nebenraum schleppen, wo die Pakete mit Hilfe weiterer fleißiger Tafelmitarbeiter in die mitgebrachten Einkaufstrolleys umgepackt wurden. Die elf weiß gepunkteten Einkaufstrolleys, die am Mittwochnachmittag aus dem Justitzzentrum angeliefert wurden, waren schon am Vormittag weg.

Der Aufzug zum Ausgang Kurhausstraße hatte Hochkonjunktur, er wurde genutzt wie selten. Denn das Schleppen des Kisteninhalts dürfte vielen der bedürftigen Aachener zu schwer gewesen sein. Die Spender hatten sich Packen der Kisten sehr großzügig gezeigt.

„Ist da Schweinefleisch in Dosen drin“, fragte eine Kundin ihre Betreuerin. „Wenn es drin ist und sie mögen es nicht, tauschen wir das mit etwas anderem aus“, kam die freundliche und prompte Antwort. Ein Ehepaar mit einer etwa achtjährigen Tochter war unschlüssig. Prüfend schweifen die Blicke über die liebevoll gepackten Kisten. Schließlich entschied das Kind. In einer der Kisten hatte sie einen Teddybären gefunden. „So einen wollte ich immer haben“, sagte sie mit strahlenden Augen.

Jutta Schlockermann atmete auf. Auch in diesem Jahr konnte die Aachener Tafel Dank der Großzügigkeit der Aachener allen erschienenen Kunden eine Weihnachtskiste zukommen lassen. Im Vorfeld hatten die „Aachener Nachrichten“ und der WDR getrommelt, damit die armen Öcher sich wenigstens zum Christfest ein Festmahl bereiten dürfen. Dabei durften, wie auch in den vergangenen Jahren, nur eingetragene Kunden der Aachener Tafel ihr Paket abholen.

Die Aachener Tafel sorgt das ganze Jahr über dafür, dass ihre Kunden, deren Einkommmen vorne und hinten nicht reicht, wenigstens einen Teil ihrer Lebensmittel im Tafel-Geschäft an der Clermont­straße einkaufen dürfen. Ein Großteil der Tafel-Kunden besteht aus Rentnern, die mit Kleinstrenten über die Runden kommen müssen, alleinerziehenden Müttern und Vätern und Hartz-IV-Empfängern. Auch Menschen sind darunter, die „Aufstocker“ genannt werden. Die also so unter Niveau entlohnt werden, dass sie beim Job-Center um mehr Geld bitten müssen und trotzdem, der geringen Sätze wegen, nicht mit ihrem Geld auskommen können.

Um 16 Uhr war der letzte Kunde der Tafel bedient. Es ging ans Aufräumen. Denn den Ballsaal des Alten Kurhauses hat die Aachener Tafel nur für zwei Tage zur Verfügung. Pünktlich standen denn auch 15 Auszubildende der Sparkasse Aachen auf der Matte. Sie hatten sich zum freiwilligen Aufräumen gemeldet. „Das finde ich ganz toll“, kommentierte Jutta Schlockermann den Einsatz der jungen Leute.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert