18 Schüler in Klasse 5: Wie geht es weiter?

Von: Margot Gasper
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An der Hauptschule Burtscheid gibt es diesmal nur eine Eingangsklasse. Das löst Diskussionen aus. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wie soll es weitergehen mit den Haupt- und Realschulen in Aachen? Linke und Grüne im Rat fordern schon länger eine grundlegende Weichenstellung. Nun kam das Thema erneut zur Sprache. „Da ist dringender Handlungsbedarf“, so Matthias Fischer (Linke) mit Blick auf die Gemeinschaftshauptschule Burtscheid. Denn die hat in diesem Schuljahr nur eine einzige Eingangsklasse mit 18 Kindern.

Das NRW-Schulgesetz aber sieht im Grundsatz mindestens zwei Parallelklassen pro Jahrgang vor. Im Schulausschuss wurde darüber zunächst nicht diskutiert. Die Liste der Verwaltung über die Neuaufnahmen an allen Schulen bekamen die Politiker erst in der Sitzung als Tischvorlage zu Gesicht. Bis Jahresende, rechtzeitig vor dem Anmeldeverfahren für das Schuljahr 2018/19, müsse aber eine Entscheidung her, forderte Fischer.

Die Grünen sehen das genauso. „Wir müssen endlich diskutieren, was wir mit den Hauptschulen machen“, findet Ulla Griepentog. „Seit drei Jahren schiebt die große Koalition das vor sich her.“ Linke und Grüne bringen die Option einer fünften Gesamtschule oder einer Sekundarschule (integrierte Schulform ohne Oberstufe) ins Gespräch – auch angesichts der vielen Ablehnungen, die die Gesamtschulen auch im jüngsten Anmeldeverfahren wieder aussprechen mussten.

„Zur Hauptschule Burtscheid muss im Laufe des Jahres eine Entscheidung getroffen werden“, erklärt auch Michael Sahm (Piraten) auf Anfrage. Auch er findet die Idee einer fünften Gesamtschule für Aachen attraktiv. „Die Anmeldezahlen in Burtscheid geben Anlass nachzudenken“, sagt der SPD-Schulpolitiker Bernd Krott. „Wir sollten aber keine voreiligen Entscheidungen treffen.“ Man müsse alle Schulformen der Sekundarstufe I in den Blick nehmen – und die künftige Entwicklung der Gymnasien.

Die neue Landesregierung will den Gymnasien freistellen, ob sie beim „Turbo-Abi“ bleiben oder zur neunjährigen Gymnasialzeit zurückkehren. „Wir müssen abwarten, ob die Gymnasien sich für G8 oder G9 entscheiden. Das wird uns die nächsten Jahre beschäftigen“, ist Krott überzeugt. G9 am Gymnasium werde sich womöglich auch auf die Nachfrage nach Gesamtschulplätzen auswirken.

Auch CDU-Schulexperte Holger Brantin warnt vor Schnellschüssen: „Wenn eine Schule einmal weg ist, ist sie weg.“ Gerade Haupt- und Realschulen nähmen im Laufe der Zeit zahlreiche Kinder auf, die von anderen Schulen und Schulformen „umgeschult“ würden.

Es seien auch die Hauptschulen, erinnert Brantin, die bei der schulischen Versorgung von Flüchtlingskindern und der Inklusion von Kindern mit Handicap sehr viel schulterten. Keine übereilten Entscheidungen ist die Devise von Gretel Opitz (FDP): „Bei den wenigen Hauptschulen, die wir noch haben, ist es wichtig, dass wir vorsichtig damit umgehen.“

Aus Sicht von Schulrat Jürgen Rudig ist Eile auch gar nicht nötig. Aktuell müsse nichts passieren, erklärt der neue Schulamtsdirektor für die Hauptschulen auf Anfrage. „Mit 18 Schülern hat die Klasse eine zulässige Größe. Schulaufsichtlich akzeptieren wir, dass Hauptschulen nur eine Eingangsklasse bilden. Das ist auch mit der Bezirksregierung in Köln so abgesprochen.“

Die Bezirksregierung bestätigt das ausdrücklich. Hauptschulen könnten auch mit einer Klasse pro Jahrgang fortgeführt werden, teilte die Behörde auf Anfrage mit, etwa „wenn sich aus der Schulentwicklungsplanung ergibt, dass die Fortführung dieser Schule in der Kommune von entscheidender Bedeutung ist“.

Für die Schulentwicklungsplanung sei der Schulträger verantwortlich. Somit entscheide die Stadt, ob eine einzügige Hauptschule fortgeführt werden soll. Wörtlich heißt es aus Köln: „Die Stadt Aachen als Schulträgerin kann die GHS Burtscheid demnach so lange fortführen, wie eine Eingangsklassenbildung an dieser Schule möglich ist (mindestens 18 Anmeldungen für die Klasse 5).“

Monika Schüttert dürfte das mit Erleichterung vernehmen. Gerade erst hat sie die Schule als neue Schulleiterin übernommen. „Ja, wir haben aktuell 18 Kinder in Klasse 5“, sagt sie. „Aber erfahrungsgemäß kommen im Laufe der Zeit zahlreiche Schüler dazu.“

Kinder von anderen Schulen und anderen Schulformen aufzunehmen, sei das „Schicksal“ der Hauptschule. „Die Kinder werden bei uns aufgefangen und zu einem Ziel geführt, das sie erreichen können.“ Und nicht nur in den unteren Jahrgängen: Fürs aktuelle neunte Schuljahr habe die Schule sogar derart viele Anfragen bekommen, berichtet Schüttert, „dass wir nicht alle aufnehmen konnten. Wir haben in der Neun drei Klassen komplett voll.“

Die Hauptschule sei wichtig und wertvoll, ist die Schulleiterin überzeugt: „Durch die enge Verzahnung von Beruf und Schule bringen wir die Kinder ins Berufsleben. Bei uns schaffen fast alle Schüler einen Abschluss.“ Und gerade eine kleine Schule wie die an der Malmedyer Straße könne jedes Kind im Blick haben.

In der Diskussion um die Zukunft von Haupt- und Realschulen dürfte ein Aspekt eine Rolle spielen, der derzeit in der Politik öffentlich noch kein Thema ist. In vielen Internationalen Förderklassen in Aachen lernen zahlreiche Flüchtlingskinder Deutsch. Irgendwann brauchen sie alle einen Platz in einer Regelklasse.


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