Aachen - 170 Radler beim „Ride of Silence“ unterwegs für mehr Sicherheit

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170 Radler beim „Ride of Silence“ unterwegs für mehr Sicherheit

Von: Svenja Pesch
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Trauer- und Demozug zugleich: Auch diesmal machten die Teilnehmer des „Ride of Silence“ an der Schanz Station, wo vor zwei Jahren ein Radfahrer tödlich verunglückte. Foto: Michael Jaspers
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Unvergessen: Das „Ghostbike“ am Hansemannplatz erinnert weiter an den Tod einer jungen Frau vor einem guten Jahr. Foto: Michael Jaspers
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Appell an Planer und Politiker: Organisator Jan van den Hurk fordert ein Umdenken. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sie wollen nachhaltig ein Zeichen setzen und wachrütteln, aber vor allem wollen sie, dass endlich mehr passiert. Mehr als nur Markierungen am Rande von zum Teil extrem stark befahrenen Straßen zu setzen. Die 170 Teilnehmer des zweiten Aachener „Ride of Silence“, die sich Mittwochabend vor dem Hauptbahnhof versammelten, hatten eine deutliche Botschaft.

„Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, der braucht vor allem Sicherheit“, lautete einer der Sätze, die auf Pappe geschrieben und an manchen Rädern angebracht wurden. Die traurige Bilanz des Vorjahres: 283 verunglückte Radfahrer und zwei Todesopfer in Aachen. Für Organisator Jan van den Hurk Anlass, erneut zu einem Trauerzug per Drahtesel aufzurufen.

„Die Gedenkveranstaltung auf zwei Rädern nimmt Anteil am Schicksal der verletzten und zu Tode gekommenen Radfahrer. Darunter im letzten Jahr eine 29-jährige Frau am Hansemannplatz, ein 86-jähriger Mann auf der Sittarder Straße sowie 2016 ein 57-Jähriger an der Schanz“, berichtete van den Hurk. Kurz nach dem tragischen Unfall am Hansemannplatz fand der erste „Ride of Silence“ mit über 400 Teilnehmern statt. Weiße „Ghostbikes“, die an den drei Unfallorten aufgestellt wurden, mahnen zur Rücksicht.

Der Ride of Silence findet seit 15 Jahren jeweils am dritten Mittwoch im Mai statt. In mehr als 440 Städten auf sieben Kontinenten fährt der weltweite Fahrradkorso schweigend durch die Städte. Die Vielzahl der Teilnehmer trug dabei weiße oder helle Kleidung. Neben einem Helm, den allerdings nicht sonderlich viele auf dem Kopf trugen, befestigten einige vor Beginn des Korsos einen Regenschirm auf dem Gepäckträger – der graue Himmel und vereinzelte Tropfen verhießen wettertechnisch nichts Gutes.

Um kurz vor 19 Uhr positionierten sich die Teilnehmer laut klingelnd, zehn Ordner waren im Einsatz, die vor und hinter der Gruppe fuhren, sowie einige Polizisten, die dafür sorgten, dass die Radler ungehindert ihre 14 Kilometer lange Strecke sicher abfahren konnten. Diese führte vom Hauptbahnhof auf die Theaterstraße und den Grabenring über die Franzstraße bis hin zum Boxgraben und zur Schanz, wo die erste Schweigeminute stattfand. Von dort aus ging es über den Alleenring und die Zollernstraße hin zum Europaplatz und zur Jülicher Straße.

Am Hansemannplatz gedachten die Radler ebenfalls mit einer Schweigeminute des zweiten Todesopfers. Dann führte die Route über die Peterstraße und den Grabenring zur Jakobstraße und schlussendlich zum Markt. Daniel Herding, Mitorganisator der Veranstaltung, brachte das „Ghostbike“ von der Sittarder Straße zum Gedenken auf den Marktplatz.

Van den Hurk hofft, dass nicht nur dadurch das Thema Radsicherheit im Alltag präsenter wird. „Der Radverkehr ist eine Managementaufgabe, und die verantwortlichen Personen müssen endlich aktiv werden. Wir benötigen dringend bauliche Veränderungen – die Niederlande gehen da mit positivem Beispiel voran und verfügen über sichere Radwege und sichere Kreuzungen“, resümierte er und blickte in Richtung Rathaus, wo zeitgleich eine Ratssitzung stattfand. Vielleicht wurde auch dort das Zeichen wahrgenommen.

 

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