15000 Pauer bisher im Umlauf

Von: Christiane Krahl
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Jule Klieser und Frank Suttner (l.) von der „Regionalgeld-Initiative Aachen e.V.” wollen weitere rund 35000 Pauer aus ihrem Geldkoffer in die Aachener Geldbörsen und Ladenkassen bringen. Foto: Christiane Krahl

Aachen. Das DIN-A-4-große Schild mit dem bunten „Pauer-Point” prangt schon an vielen Schaufenstern der Aachener Innenstadt. Auch in vielen privaten Geldbörsen und Kassenfächern von Geschäften hat er schon Einzug gehalten, und in Zukunft sollen ihn noch mehr Aachener kennenlernen und benutzen: den Pauer.

Er ist seit kurzem die „Regionalwährung” in Aachen, sie soll eine Alternative zum derzeitigen Geldsystem mit dem Euro bieten.

„Wir kämpfen nicht gegen das aktuelle Geldsystem, sondern bauen etwas Neues daneben auf”, erläutert Jule Klieser, die erste Vorsitzende des Vereins „Regionalgeld-Initiative Aachen” das leistungsgedeckte Gutscheinsystem.

15.000 Pauer hat die Initiative seit April 2010 in Umlauf gebracht. Dabei hat ein Pauer den gleichen Wert wie ein Euro. Über 20 ähnliche „Regionalwährungen” sind in den vergangenen Jahren schon in verschiedenen Teilen Deutschlands in den Handel gekommen.

Dazu gehört zum Beispiel der „Chiemgauer”, der seit 2003 für regionalen Umsatz im Oberbayerischen sorgt. In zwei Fällen konnten die örtlichen Initiativen außerdem Banken von ihrer Idee überzeugen. Dort können Kunden ihre Konten auch in der jeweiligen Regionalwährung einrichten.

Mit dem Aachener Pauer, der nach dem Aachener Bach namens Pau benannt ist, soll die wirtschaftliche Struktur in Aachen und Umgebung gestärkt werden. Das Bürgergeld hat ausschließlich in der Region einen Wert und kann auch nur dort ausgegeben werden.

Auf diese Weise bekommt der Kunde zum Beispiel beim Kauf von Lebensmitteln frische Ware, die nur einen kurzen Weg vom Erzeuger bis zur Verkaufstheke hinter sich hat. Außerdem werden hiesige Geschäfte unterstützt, die nicht von großen überregionalen Anbietern verdrängt werden.

Zusammenbruch sicher?

So soll die Region unabhängig von Deutschland-weiten und internationalen Waren- und Geldkreisläufen bleiben, die das Guthaben des einzelnen Kunden und die regionale Geschäftswelt schwächen könnten.

„Der Zusammenbruch des aktuellen Geldsystems ist sicher, das haben Experten festgestellt”, sagt Jule Klieser. Alle 60 bis 70 Jahre könne dies der Fall sein, wie beispielsweise der „Schwarze Freitag”, an dem 1927 die Berliner Börse zusammengebrochen sei, beweise, rechnet die erste Vorsitzende der Initiative vor.

Nachteilig ist, dass die derzeit 50.000 Pauer noch nicht umfassend vor Fälschern geschützt seien, gibt die Initiative zu. Dies solle jedoch beim Druck der nächsten Charge berücksichtigt werden, versichert Vorstandsmitglied Frank Suttner.

Eine Fälschung würde sich bei dem vergleichsweise überschaubaren Pauer-Kontingent nicht lohnen und sofort auffallen, fügt Dorothea Topfmeyer, stellvertretende Vorsitzende der Initiative, hinzu.

Die Pauer-Idee hat schon rund 50 Händler und Dienstleiter in Aachen, Belgien und den Niederlanden überzeugt, und auch die Niederländerin Gudrun Kollerics macht seit Kurzem mit. Sie hat, wie alle anderen teilnehmenden Geschäftsleute, ein Starterkit mit 200 Pauer von der „Regionalgeld-Initiative Aachen” bekommen.

Wer wieder aussteigen möchte, muss die 200 Pauer an die Initiative zurückgeben. Das Regionalgeld hat ab der Übergabe den Wert von 200 Euro und kann sofort in Umlauf gehen.

In Kollerics und anderen teilnehmenden Geschäften, den „Pauer-Points”, kann dann jeder Kunde in den Kreislauf einsteigen, indem er sein Wechselgeld in Ein-, Fünf-, Zehn oder 20-Pauer-Scheinen ausgezahlt bekommt. Das Kleingeld wird in Euro-Cents gewechselt.

Wer möchte, kann auch ohne Einkauf in allen „Pauer-Points” Euros gegen Pauer im gleichen Wert eintauschen.

Leider, bedauert Gudrun Kollerics, sei der Pauer noch nicht so oft über die Ladentheke ihres Stickereigeschäftes im Vaalser gegangen. Doch das soll sich ändern, denn der Pauer soll noch bekannter werden, sind sich die Mitglieder der „Regionalgeld-Initiative Aachen” einig.

Sie wollen ihren derzeit noch mit rund 35.000 Pauer gefüllten Geldkoffer leeren und noch mehr Geschäfte und Dienstleister von ihrer Idee überzeugen. Dazu haben sie einen neuen Flyer entworfen, der in der Hauptgeschäftsstelle in der Frre Roger-Straße 8-10 ausliegt und alle Vorteile des Pauers auf einen Blick erklärt.

Geplant ist auch, die aktuelle Internetseite in Niederländisch und Französisch zu übersetzen, so dass auch die Nachbarn aus dem Dreiländereck mehr über das neue Regionalgeld erfahren können. Außerdem sollen Rabatt-Aktionen bei vielen teilnehmenden Geschäften gestartet werden.

Jeder Kunde, der mit Pauer bezahlt, bekommt einen Preisnachlass. Die Pauer-Geschäfte wollen zusätzlich zum Jahresende einen Kalender für 2011 ausgeben, auf dem alle Dienstleister aufgelistet sind, die Pauer akzeptieren.

„Es funktioniert”

Martin Görk, Inhaber des Wolle-Geschäftes „Görk und Görk” in der Aachener Innenstadt, hat sein Starterkit schon im April bekommen und setzt es seitdem oft ein, denn in seinem Geschäftsviertel machen auch zwei weitere Ladenbesitzer mit. „Es funktioniert gut”, sagt er überzeugt. Doch es müssten sich noch mehr Kunden und Geschäfte beteiligen, damit sich der Pauer noch weiter ausbreite.

Eine Liste aller teilnehmenden Geschäfte und weitere Informationen zur Regionalwährung sind im Internet unter jhttp://www.pauer-aachen.de zu finden. Persönliche Beratung gibt es im Hauptsitz der „Regionalgeld-Initiative Aachen e.V.” im Haus der Evangelischen Kirche, Frre Roger-Straße 8-10, donnerstags von 16.30 bis 18.30 Uhr in Zimmer 214. Zusätzliche telefonische Informationen gibt Jule Klieser unter 0170-9028294.

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