Aachen - 15 Fünftklässler und zwei Lehrer im Team

15 Fünftklässler und zwei Lehrer im Team

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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Gruppenarbeit spielt eine große Runde in der Klasse 5a. Im Englischunterricht mit Ines Starke-Kessels (hinten) geht es hier gerade um die verschiedenen Zimmer in einer Wohnung. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Donnerstagvormittag am Anne-Frank-Gymnasium: Die Klasse 5a hat Englisch. Lehrerin Ines Starke-Kessels spricht mit den Kindern über all das, was man so im Haus hat: die verschiedenen Zimmer und die Einrichtung darin.

 Dass die 5a eine besondere Klasse ist, merkt man vor allem daran, dass „nur“ 15 Kinder in der Runde sitzen. Und dass neben der Englischlehrerin eine weitere Lehrerin den Unterricht mitgestaltet.

Die Klasse 5a ist sozusagen eine „Pionierklasse“, nicht nur für das Gymnasium in Laurensberg, sondern für ganz Aachen: Sie ist die erste Inklusionsklasse im Gymnasialbereich. Vier der Kinder haben einen besonderen Förderbedarf im Schwerpunkt Lernen. Sie werden „zieldifferent“ unterrichtet, nicht nach den allgemeinen Lehrplänen, sondern nach ihrem individuellen Fahrplan.

Inklusion im Unterricht ist natürlich nichts wirklich Neues am Anne-Frank-Gymnasium. Kinder mit körperlichen Handicaps etwa werden längst ganz selbstverständlich integriert. Aber Lern-Förderkinder, das war völliges Neuland für das Gymnasium. Schließlich soll diese Schulform schwerpunktmäßig auf ein Studium vorbereiten.

Nach dem neuen Schulgesetz hat jedes Förderkind das Recht, eine allgemeine Schule zu besuchen. „Nach den Osterferien hat die Stadt Aachen uns vier Inklusionsschüler zugewiesen“, erinnert sich Schulleiter Wolfgang Gurzan. Das Anne-Frank-Gymnasium wurde davon einigermaßen überrascht. Die Eltern der vier Förderkinder ebenso. Sie hatten sich eine Gesamt- oder Hauptschule gewünscht.

15 Wochen nach Schuljahresbeginn steht nun fest: Die Inklusionsklasse ist erfolgreich gestartet. „Alle Beteiligten sind sehr zufrieden“, fasst Gurzan zusammen. Das dürfte auch an den guten Rahmenbedingungen liegen. So hat die Schule eine Förderschullehrerin mit ganzer Stelle bekommen. Klassenlehrerin Anita Zucketto-Debour, auch Inklusionsbeauftragte der Schule, arbeitet im Team mit Förderschullehrerin Renate Rummel. „Den ehemaligen Medienraum haben wir zum Differenzierungsraum für die 5a umgebaut“, erläutert der Schulleiter. So kann sich Renate Rummel bei Bedarf mit einigen Schülern nach nebenan zurückziehen.

Dem Schulleiter war es wichtig, dass alle Beteiligten freiwillig am Projekt Inklusionsklasse mitarbeiten. „Und das hat zum Glück geklappt“, sagt Gurzan. „Wir haben elf Eltern für die Inklusionsklasse gewinnen können und auch genügend Lehrkräfte, die bereit waren, hier etwas Neues zu wagen.“

Im Unterricht, sagt Englischlehrerin Ines Starke-Kessels, „machen wir möglichst viel gemeinsam. Und das gelingt uns recht gut.“ Je nach Unterrichtsstoff bearbeiten die Kinder aber auch ganz unterschiedliche Aufgaben. Individuelle Förderung, betont der Schulleiter, bringe ja nicht nur die vier Förderschüler voran. Auch besonders begabte Kinder können hier an Aufgaben wachsen, die genau auf sie zugeschnitten sind.

Klassenarbeiten werden in allen drei Fünferklassen parallel geschrieben. So kann überprüft werden, dass die Lernfortschritte der Kinder aus der 5a genauso groß sind wie die ihrer Kollegen in der 5b und 5c.

Der Umgang der Kinder miteinander, sagt Renate Rummel, sei gekennzeichnet von großer Hilfsbereitschaft. Das soziale Lernen, das in so einer bunten Gruppe stattfindet, könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Vielfalt sei eine Bereicherung für alle.

Und wie geht es weiter mit der Inklusion am Anne-Frank-Gymnasium? „Wenn wir nur wüssten, was da auf uns zukommt“, sagt Wolfgang Gurzan. Genaue Zahlen für Aachen werden erst nach Ende der Anmeldefrist, irgendwann im Frühjahr, vorliegen. Erst dann kann verteilt und geplant werden. Gurzan sieht bei der großen Aufgabe Inklusion auch die übrigen Aachener Gymnasien in der Pflicht.

Alle Gymnasien gefordert

Aachens Schuldezernentin Susanne Schwier erwartet, dass vor allem im Förderschwerpunkt Lernen viele Kinder an allgemeinen Schulen angemeldet werden. Und auch sie betont: „Die Belastung für einzelne Schulen darf nicht zu groß werden. Und die Schulen müssen mit dem nötigen Personal ausgestattet werden.“

Das Anne-Frank-Gymnasium stehe dem Thema Inklusion sehr offen gegenüber, sagt der Schulleiter. „Aber wir brauchen Unterstützung. 30 Kinder in einer Klasse und dann noch zwei Förderkinder dazu, so würde das nicht gelingen.“ Und auch platzmäßig, befürchtet Gurzan, komme die Schule beim Thema Inklusion künftig schnell an ihre Grenzen.

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