14 Rentner übernehmen kostenlos kleine Reparaturen

Von: Christiane Krahl
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Der Seniorenhilfstrupp hat einen neuen Unterschlupf beim Betreuungsverein der Diakonie gefunden. Hinten rechts: Geschäftsführer Udo Krohn-Grimberghe. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Nach einem erfüllten Berufsleben wollen sich 14 Aachener Rentner und Pensionäre noch lange nicht zur Ruhe setzen: Mit Werkzeugkoffern und Leitern ausgerüstet besuchen sie regelmäßig ältere oder durch eine Behinderung eingeschränkte Menschen, um dort den neu gelieferten Schrank zusammenzubauen oder den Heizkörper zu entlüften.

Bis vor kurzem trafen sich die Gruppenmitglieder des ehrenamtlichen Reparaturdienstes „Senioren helfen Senioren” noch in den Räumen ihres ehemaligen Trägers, der „Diakonie im Kirchenkreis Aachen”. Nun sind die jung gebliebenen Rentner umgezogen in das Büro des „Betreuungsvereins der Diakonie Aachen”, der gleichzeitig der neue Träger des Reparaturdienstes ist. Die Trägerschaft wurde aus Kostengründen an den Betreuungsverein übertragen.

Schnell rumgesprochen

In ihrer neuen Zentrale an der Martinstraße 10-12 haben die Ehrenamtler schon wieder jede Menge zu tun, denn ihr Umzug und ihre neue Rufnummer (0241/4504826) hat sich schnell herumgesprochen. Gruppenmitglied Horst Fischer hat die aktuellen Aufträge in einer Klarsichtfolie zusammengeheftet, um so Namen, Adressen und Reparaturanliegen der Anrufer im Überblick zu halten. „Wir besprechen einmal in der Woche in unserer Runde, wer am besten für den Auftrag geeignet ist und in wessen Wohngebiet der Auftraggeber ist”, erklärt Fischer. Der 78-Jährige hat früher als Kraftfahrzeugmechaniker-Meister und technischer Beamter der Bundeswehr gearbeitet. Seine Kollegen waren in ihrem Berufsleben als Chemiker, Schreiner, Berufsschullehrer oder Elektrofachmänner im Einsatz.

Für jedes ihrer Fachgebiete gibt es etwas zu tun. „Wir kommen uns dadurch nicht nutzlos vor und sind glücklich, dass wir Menschen mit kleinen Arbeiten helfen können”, sagt Gruppenmitglied Paul Pressler. Allein oder zu zweit, je nach Auftragslage, rücken die Senioren in die Stadt Aachen und die Städteregion aus. Ausgerüstet sind sie mit Werkzeugen aus dem Gruppenfundus und eigenen Geräten, mit denen die Arbeit manchmal leichter von der Hand geht.

Der Reparaturdienst der Senioren ist kostenlos. Nur die manchmal benötigen Ersatzteile und die Anfahrt des Dienstes wird bei kurzen Strecken mit sieben Euro und bei längen Strecken außerhalb des Stadtgebietes mit 15 Euro berechnet. Um dem gewerblichen Handwerk keine Konkurrenz zu machen, hat sich die Gruppe mit der örtlichen Handwerkskammer darauf verständigt, nur Kleinstreparaturen außerhalb einer bezahlten Dienstleistung zu übernehmen. „Es gibt aber Menschen, die uns ausnutzen wollen”, berichtet ein Gruppenmitglied. Ein Anrufer bat beispielsweise um eine komplette Hausrenovierung, erinnert er sich. Solche Aufträge lehnen die Senioren jedoch strikt ab.

Echte Vertrauenssache

Wichtig ist den Senioren neben der neuen Aufgabe im Rentnerleben das gemeinsame Klönen an jedem Dienstagvormittag ab 10 Uhr. „Damals im Beruf hatte ich Arbeitskollegen und heute habe ich meine Kollegen vom Reparaturdienst”, betont Fischer. Sie verstehen ihre Arbeit als Vertrauenssache, da sie ihre Auftraggeber im eigenen Haushalt besuchen. Deshalb sollten Interessierte, die Mitglied bei „Senioren helfen Senioren” werden wollen, neben handwerklichem Geschick und einem eigenen Fahrzeug auch Spaß an sozialer Arbeit haben.

Gern würden die 14 Ehrenamtler außerdem eine Frau in ihre Reihen aufnehmen. Bisher ist Marianne Scheut-winkel die einzige Frau im Team. Sie übernimmt einmal in der Woche den ehrenamtlichen Telefondienst und trägt die Anfragen der Hilfesuchenden in die Auftragsliste ein.

Das Konzept der Aachener Senioren hat schon in einigen anderen deutschen Städten Schule gemacht, und immer wieder wird die Gruppe von interessierten Besuchern begleitet, die in der eigenen Region einen ähnlichen Reparaturdienst aufbauen wollen. Derzeit sind die Senioren mit einer Vertreterin aus Vaals in Kontakt, denn auch dort gibt es Interesse an der Idee.

Udo Krohn-Grimberghe, Geschäftsführer des „Betreuungsvereins der Diakonie Aachen” freut sich, dem Reparaturdienst eine neue Heimstatt zu geben. „Wir haben viel Erfahrung mit ehrenamtlicher Arbeit. Deshalb passt die Gruppe sehr gut zu uns”, erklärt er.
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