10.000 Kinder sind von Armut bedroht

Von: Daniel Gerhards
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Sie setzen auf ein „Netzwerk
Sie setzen auf ein „Netzwerk gegen Kinderarmut”: Jugendamtschefin Elke Münich, die Ratsvertreter Martin Künzer und Ruth Wilms, Bürgermeister Björn Jansen, Jugendhilfeplanerin Annette Tiltmann und Stefanie Uerlings (von links). Foto: Ralf Roeger

Aachen. 10 000 Kinder sollen es sein, die in Aachen von Armut bedroht sind. Fast jedes vierte Kind lebt von Sozialgeld. Dazu kommen viele Kinder, deren Eltern im Wohngeldbezug oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen sind. Dem will man begegnen - und das besser als bisher. Dazu wurde am Dienstag das „Aachener Netzwerk gegen Kinderarmut” gegründet.

„Diese Zahlen wollen wir nicht auf sich beruhen lassen. Wir wollen Wege finden, diesen Kindern eine Perspektive zu bieten”, sagte Elke Münich, Fachbereichsleiterin Kinder, Jugend und Schule der Stadtverwaltung. Dabei gebe es in Aachen bereits „starke und breit gefächerte Angebote, die Kinder, Jugendliche und Eltern fördern”. So bieten Familienzentren, Schulen, Sportvereine, Stiftungen oder soziale Einrichtungen vieles an, das die Sprache, die emotionale Entwicklung oder die Gesundheit fördert.

Start in Aachen-Nord

Das Netzwerk wird mit 64 000 Euro über drei Jahre vom Landschaftsverband Rheinland gefördert. Bei der Auftaktveranstaltung im Ludwig-Forum wurde deutlich, dass es nun keine weiteren Angebote geben soll. „Es kann nicht darum gehen, immer neue Projekte zu starten. Wir wollen das, was da ist, stärker aufeinander beziehen und abstimmen, um den Kindern eine bessere Perspektive zu bieten”, sagte Münich.

Zunächst startet das Netzwerk in Aachen-Nord. Im Sommer oder Herbst soll es in Haaren/Verlautenheide fortgesetzt werden. Man wolle zunächst herausfinden, welche Probleme am drängendsten sind.

Beispiele für etwaige Kernprobleme könnten Sprachdefizite, Übergewicht oder die Nutzung des Bildungs- und Teilhabepakets sein. „Wir wollen sehen, wie wir das gemeinsam besser machen können”, sagte Münich. Dazu sind sicher viele kleine Schritte und Maßnahmen nötig.

Der Zusammenschluss zum Netzwerk soll dazu führen, dass die Angebote auch tatsächlich von den Kindern aus armen Familien wahrgenommen werden.

„Wir wollen das vorhandene Fördersystem so strukturieren, dass die Menschen, die es am dringendsten brauchen auch davon profitieren”, sagte Annette Tiltmann, Jugendhilfeplanerin und kommunale Netzwerkkoordinatorin gegen Kinderarmut. Denn für Familien aus dem gebildeten Mittelstand sei es kein Problem, Angebote wahrzunehmen. „Bei armen Familien sieht das schon anders aus”, sagte Tiltmann.

Dass die Arbeit im Netzwerk erfolgreich sein kann, haben die Verantwortlichen in Aachen am Beispiel der Maßnahmen in Monheim am Rhein gesehen. Nach einigen Jahren der Arbeit berichtet Monheims Jugendamtsleiterin Annette Berg, dass nun nahezu 100 Prozent der Kinder zu den Vorsorge-Untersuchungen gehen, dass weniger Kinder stark übergewichtig (adipös) sind und dass die Zahl der Kinder, die nach der vierten Klasse eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen, um zehn Prozent gestiegen ist. Solche Erfolge tragen auch dazu bei, soziale „Folgekosten” zu verringern. „Leben in Armut hat oft zur Folge, dass die Kinder später nicht in der Lage sind, ihr Leben zu meistern”, sagte Berg.

Durch die Auftaktveranstaltung im Ludwig-Forum wolle man für das Thema sensibilisieren. Damit das Netzwerk funktioniert, benötigt man viele Unterstützer. „Wir brauchen eine Aufbruchstimmung für dieses Thema”, so Tiltmann.

Ratsfrau Ruth Wilms, Vorsitzende des Kinder- und Jugendausschusses, erklärte, dass man zunächst in Aachen-Nord Erfahrungen sammeln wolle. Später soll das Netzwerk dann für weitere Stadtbezirke angepasst werden. „Jeder Bezirk hat andere Bedürfnisse und Einrichtungen”, sagte Wilms.

Martin Künzer, Mitglied des Kinder- und Jugendausschusses, will durch das Netzwerk gar eine ganz neue „Philosophie” im Umgang mit Kinderarmut anstoßen. Denn, so Künzer: „Schwierige soziale Verhältnisse sind bei uns vielmehr Hemmschuh als in anderen Ländern.”
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