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100 Sorten Lakritz: Domlädchen am Münsterplatz wird 120 Jahre alt

Von: Karen von Schmieden
Letzte Aktualisierung:
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Die Naschereien werden noch mit einer traditionellen, mechanischen Waage abgemessen: Hannah Schulte hat das Domlädchen übernommen und sich damit einen Traum erfüllt. Foto: Leah Hautermans
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Süßes in allen Farben des Regenbogens: Naschereien werden nach Belieben zusammengestellt. Foto: Leah Hautermans

Aachen. Am Münsterplatz hat sich was geändert – und das merken die Aachener immer schnell. Mit großen Augen und vielen Fragen stehen sie im neu eröffneten Domlädchen: „Ist größer geworden, oder?“ Nicht nur das: Die 25-jährige Hannah Schulte hat dem heißgeliebten Zuckerladen der Aachener eine neue, liebevolle Note gegeben – und dabei Altbewährtes beibehalten.

Fünf Wochen hat Schulte mit ihrer Familie umgebaut, eine Wand entfernt, Möbel erneuert, gestrichen. Jetzt steht sie zwischen Gläsern voller bunter Süßigkeiten, ausgestattet mit Exoten („Sanddorn-Bärchen) und Klassikern („Brausetaler“). Und natürlich einem gut bestückten Lakritzregal mit rund 100 Sorten: Unter den Stammkunden sind zahlreiche Süßholz-Fans.

Mit der Neueröffnung des Domlädchens hat sich die 25-Jährige einen Jugendtraum erfüllt. „Als Kind hat das für mich dazugehört - jeden Dienstag, nach der Theater-AG und kurz vor Ladenschluss durfte ich mit meinem Vater herkommen und eine Süßigkeitentüte holen“, erinnert sie sich. Schon in der Schule schwärmte sie davon, selber mal die Bonbongläser im Lädchen befüllen zu können. Der Traum durfte dann allerdings noch ein paar Jahre reifen.

Nach einem Masterstudium der Kulturwissenschaften arbeitete sie zunächst als Bildungsreferentin im Diözesanverband der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ). Als Vorbesitzerin Karin Thouet, die das Domlädchen 20 Jahre geführt hat, das Geschäft schließlich abgeben wollte, sah Schulte ihre Chance: „Ich wollte diesen Ort, der nicht nur für mich, sondern auch für Aachen so wichtig ist, erhalten.“

Ein Ort mit Geschichte: Seit 1896 werden im Domlädchen Zuckerwaren verkauft, in diesem Jahr kann 120-jähriges Jubiläum gefeiert werden. Um den Wandel des Geschäfts aufzuarbeiten, hat Schulte Dokumente im Stadtarchiv gewälzt. Die meisten Hinweise auf die Geschichte des Lädchens schlummern jedoch in den Gedächtnissen der Kunden. Während sie sich Süßigkeiten aussuchen, teilen viele ihre persönlichen Erinnerungen an das Domlädchen: Sie erzählen von Naschereien in der Schulpause und von Mutmach-Bonbons, bevor den Eltern schlechte Noten gebeichtet wurden. „Oft kommen Kunden im Rentenalter herein, die davon erzählen, dass sie früher selbst mit ihren Großeltern hier eingekauft haben“, sagt Schulte. Das Lädchen ist eben eine Institution in Aachen, und die will sie mit neuen Ideen weiterführen.

Was für sie einen Zuckerladen ausmacht? „Dass sich jeder selber ein Tütchen zusammenstellen kann.“ Kinder bekommen von Mama oder Opa ein 50-Cent-Stück in die Hand gedrückt und rechnen mit, wägen Vorteile ab, finden Lieblingssorten. „Und das schöne Geräusch, wenn Lakritz in die Waagschale klackert.“ Darum werden die Naschereien auch noch mit einer traditionellen, mechanischen Waage abgemessen.

Für die Zukunft gibt es viele Pläne: Das Jubiläum zum 120-jährigen Bestehen steht an, außerdem möchte Schulte im nächsten Jahr Lakritz-Verköstigungen anbieten, in denen über die Geschichte der Süßwarenkultur berichtet wird. Die Aachener Lakritz-Fans wird’s freuen.

Das Domlädchen, Münsterplatz 27, wurde Anfang März neu eröffnet. Geöffnet ist es montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr.

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