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„100 Jahre Wohnen bei der Lebenshilfe“: Gemeinsam, aber selbstbestimmt

Von: Angelina Boerger
Letzte Aktualisierung:
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100 Jahre Wohnen bei der Lebenshilfe: Die Hausleitungen und Bewohner der einzelnen Häuser hatten Grund zum Feiern. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Auch wenn es „normal ist, verschieden zu sein“, hatten vier der sieben Wohneinrichtungen der Lebenshilfe Aachen doch eins gemeinsam: Sie alle feierten dieses Jahr ein Jubiläum. Zählt man die Jubiläen nämlich zusammen, bringen sie stolze „100 Jahre Wohnen bei der Lebenshilfe“ zu Tage: ein Grund zu feiern.

Das älteste Haus ist das Werner-Groß-Haus in der Welkenrather Straße, das seit 1976 seine Pforten geöffnet hat. Zu seinen 30 Bewohnern zählt auch Günther Hahn, der mit seinen 79 Jahren der älteste ist und schon seit 29 Jahren in der „Villa Kunterbunt“ lebt.

„Das Besondere an unserem Haus ist, dass es in einem ganz normalen Mietshaus liegt, so dass es einem Passanten nicht unbedingt auffällt,“ sagt Mechthild Brandt, Leiterin des Hauses. „Durch unsere zentrale Lage können wir auch spontan kleine Unternehmungen machen.“

Reisen und Ausflüge

Aber auch weitere Ausflüge sind kein Hindernis. So sind im September dieses Jahres einige Bewohner der Häuser nach Königswinter oder sogar nach Mallorca gereist.

„Es ist uns wichtig, dass die Wünsche der Bewohner realisiert werden können, denn sie sollen und wollen selbst entscheiden, was sie tun möchten. Dafür hängen wir verschiedene Vorschläge aus, und jeder kann sich dort eintragen, beziehungsweise eintragen lassen, wohin er möchte. So gibt es dann ein buntes Angebot von einem Tagesausflug an die Mosel bis hin zu einer Flugreise.“

Da das Haus Siegel, das seinen 30. Geburtstag feiert, seinen Standort an der Monschauer Straße hat, haben die Bewohner natürlich eine besondere Verbindung zum Aachener Wald. Es bietet ein häuserübergreifendes Angebot für Unternehmungen im Wald an, wie beispielsweise einer Walkinggruppe unter der Leitung der Eltern eines Bewohners. „Die zwei Gruppen, eingeteilt in schnellere und langsamere Walker, ziehen bei Wind und Wetter ihre Runden um den Stauweiher,“ erzählt der Leiter der Wohnstätte, Jochen Pelzer. Generell sind die Bewohner des Hauses sehr sportlich unterwegs, eine Staffelgruppe nimmt jährlich am ATG-Winterlauf teil und ihr berühmtester Läufer, Michael Schombel, startete schon mehrfach beim Aachener Firmenlauf.

Walter Geißler, der seit 1991 in der Wohnstätte lebt, und früher gemeinsam mit Günter Hahn in einer der Werkstätten der Lebenshilfe gearbeitet hat, nutzt heute als Rentner die verschiedenen Seniorenbetreuungen des Hauses, wo er auch seinen alten Arbeitskollegen wieder trifft.

Barbara Krüger, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Aachen, betont vor allem die Wahrung der Individualität der Bewohner. „Jeder von ihnen hat einen unterschiedlichen Charakter und ist an unterschiedlichen Dingen interessiert. Am wichtigen ist neben der Schaffung einer gemeinsamen Tagesstruktur, auch die Individualbetreuung. Die Bewohner sollen immer die Möglichkeit haben, ihren Tag individuell zu gestalten und sich auch mal aus dem Gruppenleben zurückziehen zu können.“

13 Plätze im Ostviertel

Die kleinste Wohnstätte der Lebenshilfe ist das Haus Panneschopp, das dieses Jahr 20-jähriges Bestehen feiern darf. Mit gerade einmal 13 Plätzen liegt es gut integriert mitten im Ostviertel in der Lützowstraße. Die Bewohner haben ein besonderes Verhältnis zu de umliegenden Nachbarn. Im Sommer sitzen alle zusammen im Gemeinschaftsgarten und grillen oder treffen sich im Herbst auf eine Tasse Kaffee. Diese Bewohner kamen natürlich auch zur diesjährigen Jubiläumsfeier vorbei.

„Die Lage ist wirklich optimal,“ findet Judith Gundlach, Leiterin der Wohnstätte Panneschopp. „Wir können Veranstaltungen wie das Open-Air-Kino oder das Parkleuchten im Kennedypark fußläufig erreichen. Unsere Bewohner, die alleine gut zu Fuß sind, erledigen ihre wöchentlichen Einkäufe in den Supermärkten und Gemüseläden in der Nähe. Wir lieben unser Viertel und können den teils schlechten Ruf nicht nachvollziehen.“

Das jüngste Haus, Haus Drimborn, das an der Adenauerallee liegt, gibt es in dieser Form erst seit 2006. Zu den 24 Bewohnerinnen und Bewohnern zählen auch die Künstler Sürejja Durovsk und Jürgen Kirschbaum, deren Werke über Aachen hinaus bekannt sind. Kirschbaum, der in der Kunstwerkstatt „Willsosein“ arbeitet, ist außerdem Heimbeiratmitglied.

Dieser Beirat, bestehend aus 20 Personen der verschiedenen Häuser und einem unparteiischen Ehrenamtler, setzet sich in erster Linie für die Wünsche der Bewohner ein. „Manchmal geht es nur um kleine Verbesserungen, wie beispielsweise neue Stühle für den Garten. Oder aber es wird richtig was geplant. Dieses Jahr kam zum Beispiel der Wunsch nach einem eigenen Oktoberfest auf. Das wird dann gewissenhaft in Angriff genommen.“

Aufwändig saniert

Doch auch wenn das Haus Drimborn erst Zehnjähriges feiert, gibt es das Wohnheim in anderer Form schon länger. Denn vorher lebten die Bewohner im heutigen Lebenshilfe-Haus, direkt nebenan. Dieses konnte wegen nicht ausreichender Barrierefreiheit nicht weiter als Wohnheim genutzt werden und wurde kurzerhand saniert und zum Hauptsitz der Lebenshilfe umfunktioniert.

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