Aachen - 100 Jahre Erster Weltkrieg: Collage geht unter die Haut

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100 Jahre Erster Weltkrieg: Collage geht unter die Haut

Von: Nina Krüsmann
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Mit Gedichten, Hymnen, Liedern und Textauszügen bringt das Rohtetheater das Thema Krieg auf die Bühne. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Immer wieder stellt sich die Frage nach dem „Warum“: Aus Anlass des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren unternimmt das Rohestheater in diesem Jahr den spannenden Versuch, das „Unspielbare“ mit einer Eigenproduktion auf die Bühne zu bringen. Das Ergebnis der Theatergruppe der Mies-van-der-Rohe-Schule Aachen ist eine rund 70-minütige Collage aus Text, Musik und Spiel, die es in sich hat.

„1914 – 2014 – HURRA“ lautet der Titel. Die 20-köpfige Schauspielgruppe unter der Leitung von Eckhard Debour ging aus von historischen und gegenwärtigen Feldpostbriefen, mit Gedichten, Hymnen, Liedern und Romanauszügen aus Erich Maria Remarques Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“, Jürgen Todenhöfers Afghanistanbericht „Du sollst nicht töten“ und Johannes Clairs Einsatzbericht „Vier Tage im November“ als Soldat in Afghanistan.

Dabei schlägt die Inszenierung einen choreographischen Kriegsbogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Sie singen, spielen, tanzen und hinterfragen hundert Jahre (Welt-)krieg. Was dargeboten wird, geht unter die Haut: Da ist auch schonmal die Rede von freiliegenden Gedärmen und auch von seelischen Narben, die immer wieder aufbrechen.

„Die Jugendlichen haben sich problemlos und engagiert auf ein für sie fernliegendes Thema eingelassen“, betont der Regisseur, der in Aachen bekannt ist für seine gehaltvollen, beeindruckenden Theaterinszenierungen. So auch dieses Mal: Die jungen Schauspieler agieren mitten im Publikum. Holzplanken befinden sich zwischen den beiden Zuschauertribünen. Das Publikum wird von der Intensität des Schauspiels, seiner Dynamik, dem Inhalt der Texte und der akustischen Gestaltung emotional stark angerührt.

Entstanden ist das Stück über einen sechsmonatigen Prozess. „Begonnen haben wir mit einem Friedenstheaterworkshop in Bosnien, waren dann im belgischen Ypern in den damaligen Schützengräben, haben uns mit Zeitzeugen und Betroffenen auseinandergesetzt, haben einen Friedenstheaterworkshop mit unserer Partnerschule aus Reims gemacht“, zählt Debour auf. Keine Frage, die Vorarbeit war mindestens ebenso intensiv wie der Eindruck beim Premierenpublikum. Eben dies ist der Theatergruppe ein Anliegen: Sie möchten Friedenspolitik betreiben. „Denn Theater ist für uns immer auch politisch“, betont Debour.

Weitere Aufführungen in der Aula an der Neuköllner Straße 15 gibt es am 3., 4. und 5. April, sowie am 2., 3., 4., 6. und 9. Mai jeweils um 20 Uhr. Infos und Tickets unter Telefon 0241/1608116 und www.rohestheater.de. Der Eintritt kostet 9 Euro (Schüler 5 Euro).

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