Aachen - 10 Jahre „Soziale Stadt im Ostviertel”: Gedämpfte Feierlichkeiten

10 Jahre „Soziale Stadt im Ostviertel”: Gedämpfte Feierlichkeiten

Von: Georg Dünnwald
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Immer gut für einen Spruch: Oberbürgermeister Jürgen Linden führte durch die „Hauptstraße des Ostviertels”, die Elsassstraße. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zehn Jahre lang wurden das Ostviertel und Rothe Erde massiv unterstützt. Land und Bund steckten in die „Soziale Stadt” 17 Millionen Euro, damit es aufwärts geht in den Quartieren. 300 große und kleine Projekte wurden unterstützt, Ende des Jahres läuft das Programm aus.

Das sollte gefeiert werden, hatten sich die Mitarbeiter des Stadtteilbüros gedacht, und klügelten gemeinsam mit Eventmanager Christian Mourad ein umfangreiches Programm aus. Anspruchsvoll war es, aber längst nicht so erfolgreich wie erhofft.

Den Anfang machte am Freitag eine Stadtteilführung für jene, die sich in Stadtteilkonferenzen, Workshops und, und, und engagiert hatten - als dickes Dankeschön mit allerlei Überraschungen. Denn die Gäste hatten keine Ahnung, was sie vom Nachmittag bis in den späten Abend hinein erwartete.

Beispielsweise eine Führung durch die Elsassstraße mit Cityguide Jürgen Linden. Was der OB als Stadtführer zum besten gab, war fast Kaberett, garniert mit großem historischem Wissen über die „Hauptstraße des Öcher Ostviertels”.

Zuallererst stellte Linden klar: „Ich bin ja ein Kind aus einem anderen Viertel”, und meinte damit die Straßen rund um den Kaiserplatz und St. Adalbert.

„Wenn wir Fußball gegen die Elsassstraße gespielt haben, haben wir vorher die Fluchtwege ausspioniert.” Ganz nach dem Motto: „Rauh, aber herzlich.”

Ein bisschen dozierte aber auch der Herr Oberbürgermeister: „Der Teil, in dem wir stehen, wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, der Teil hinter dem Elsassplatz, der als Klammer dient, kam erst in den 20er Jahres des 20. Jahrhunderts dazu.”

Auch die soziologische Zusammensetzung der Bewohner habe sich stark unterschieden. Während im alten Teil der Straße, der Geschäfts- und Wohnstraße, vorwiegend Kleinbürger wohnten und außerhalb wohnende Kaufleute ihren Geschäften nachgingen, sei die „Neustadt” von Arbeitern bevölkert worden.

Schon in den 20er Jahren sei der Schmuggel Lebensgrundlage gewesen und die gesamte Elsassstraße das Schmuggelzentrum Aachens. Auch die politischen Ansichten liefen konträr voneinander weg.

Im Geschäftsviertel lebten die Sozis, im Arbeiterviertel die Nazis. „1932 hat es eine riesige Straßenschlacht gegeben.” Nach dem Krieg wurde aus der ganzen Straße ein Arbeiterviertel, seit Mitte der 70er Jahre siedelten immer mehr Zuwanderer aus der Türkei in der Elsassstraße.

Bei Kappertz traf die Gruppe auf zwei Überraschungskellner, die Spezialitäten aus dem Ostviertel und Rothe Erde servierten. Die Vorzeigekabarettisten Manfred Hammer und Rudi Zins, die in der Kappertzhölle auf diversen Strunxsitzungen wahre Erfolge feierten, erwiesen dem Öcher Osten ihre Reverenz und erfreuten ihr von der Zahl her kleines Publikum.

Trotz Plakaten, trotz großen Zeitungsartikeln, zum Feier-Abend bei Kappertz fanden sich nur wenig mehr als 100 Menschen am Samstagabend ein. Aber die bereuten es nicht, gekommen zu sein.

Tropigeneralin Sarah Simons moderierte gekonnt das Programm, TN-Boom zeigte, was die Truppe tänzerisch drauf hat, das Chaos-Theater und Theaterausbruch gaben Szenisches, die Tuf-Band unterhielt musikalisch, die großen Herren des Öcher Fastelovvends, Josef, Jupp und Jüppchen brachten die Gäste zum lauten Lachen, die 4Amigos bewiesen einmal mehr ihre große Qualität.

Josef, Jupp und Jüppchen und die 4 Amigos haben übrigens ihren Wurzeln im Pfarrkarneval von St. Josef.

Das war allerdings noch nicht alles. Am Sonnragnachmittag eröffnete Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt in den Aachen-Arkaden eine Fotoausstellung zum Thema Aufbruch Aachen-Ost. Die Ausstellung ist bis Samstag, 5. September, zu den Öffnungszeiten zu sehen. Die Fotos sind nicht von Profis geknipst worden, sondern von Hobbyfotografen.

Vorher wurde Polittalk geboten, Kandidaten und engagierte Fachleute aus den Quartieren redeten über Vergangenheit und Zukunft über Rothe Erde und das Ostviertel, darunter auch die OB-Kandidaten Karl Schultheis, Hilde Scheidt und Horst Schnitzer.

Hans-Dieter Schaffrath und Jörg Polzin hatten sich aus Zeitgründen schon verabschiedet wie auch Harald Baal, der für Marcel Philipp in die Bütt springen wollte.

Lange dauerte der Polittalk in vier nicht enden wollenden Runden, der Moderator und Rundfunkjournalist Olli Hahn ließ den Diskussionsteilnehmern viel zu viel Raum. Nicht mehr als 60 Zuschauer erschienen.
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