Wie erwartet: Ja zur Gesamtschule
Von Gerald Eimer
Sie fühle sich wie David gegen Goliath, hatte sie zuvor erklärt. Doch die Sympathien und der Beifall der rund 200 mit zahlreichen Transparenten ausgestatteten Protestler gegen die geplante Gesamtschule waren ihr sicher.
Mobil gemacht hatten Lehrer, Eltern und Schüler der Hauptschule Aretzstraße, der Hugo-Junkers-Realschule und des Geschwister-Scholl-Gymnasiums - drei Schulen, die nun zugunsten der vierten Gesamtschule auslaufen sollen. Im Schuljahr 2010/11 soll sie starten - wobei die Schulpolitiker am Dienstag bemüht waren, auf mehrere Bedingungen hinzuweisen, die mit diesem Vorhaben verknüpft seien. Dazu gehöre etwa der gebundene Ganztag, wie er jetzt schon an der Aretzstraße und am Geschwister-Scholl-Gymnasium betrieben wird. Dazu sollen aber auch die erprobten und für gut befundenen pädagogischen Konzepte an den jeweiligen Schulen gehören. Und dazu sollen auch übersichtliche Klassengrößen und ein überdurchschnittliches Lehrerangebot gehören, um den besonderen Anforderungen gerecht zu werden. «Wir wollen sie nach Kräften unterstützen», betonten die Sprecher von CDU, SPD und Grünen ein ums andere Mal. Doch politische Absichtserklärungen waren den betroffenen Lehrern und Eltern eindeutig zu wenig. «Sie zerschlagen gesunde Schulen», warfen sie den Gesamtschul-Verfechtern vor. Für vorhandene Konzepte könnten keine Garantien gegeben werden, weil Schulgesetze dem entgegenstehen, argumentieren sie. «Wir fallen mit unseren Standards weit zurück», sorgen sich Lehrer der Realschule. Und auch die Kollegen der Hauptschule, die zusätzlich um ihre Arbeitsplätze bangen, sind überzeugt, dass ihre Schülerschaft keine Chance an der künftigen Gesamtschule haben wird. «Integrierte Stadtteilschule» Wenn die Grundanforderungen nicht in vollem Umfang genehmigt werden, würden sie ihren Antrag zurückziehen, unterstrichen Claus Haase (SPD), Wolfgang Boenke (CDU) und Karin Schmitt-Promny (Grüne) mehrfach. Man wolle ein «kleingliedriges Schulsystem» nicht durch eine «große, anonyme Einrichtung» ersetzen, betonten sie. Daher sprechen CDU und Grüne auch lieber von einer «integrierten Stadtteilschule» als von einer Gesamtschule. Alle drei Sprecher erklärten erneut, dass die schlechten Anmeldezahlen am Geschwister-Scholl-Gymnasium und die zugleich seit Jahren hohe Nachfrage nach Gesamtschulplätzen Grundlage der jetzigen Entscheidung sei. Die Gefahr habe bestanden, dass die Bezirksregierung eingreife und das Gymnasium schließe. Im Ostviertel sollen jedoch auch künftig alle Schulabschlüsse bis hin zum Abitur ermöglicht werden, lautet der erklärte Wille. Von einer Entscheidung «nach Gutsherrenart» spricht hingegen die FDP. 1400 Schüler auf den Schulen im Ostviertel seien nun die eigentlichen Verlierer. Opitz forderte die anderen Fraktionen auf, den Antrag zurückzunehmen und sich für die «Veränderung der Schullandschaft» mehr Zeit zu nehmen. Ihr schloss sich Senol Asik, Sprecher der Stadtschulpflegschaft, an. Mitgetragen wird die Gesamtschule von den Linken, die sich bereits vor gut einem Jahr dafür ausgesprochen haben. Weitere Proteste Die endgültige Entscheidung für die vierte Gesamtschule soll erst in der Ratssitzung am 24. Juni fallen. Doch bereits für die Sitzung am Mittwoch im Ratssaal (Beginn 17 Uhr) haben Lehrer, Eltern und Schüler weitere Proteste angekündigt.
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