Aachener Friedenspreis ringt um Haltung zu Israel

Von Gerald Eimer 19.07.2011, 09:15

Aachen. Die Antisemitismus-Debatte hat erneut den Aachener Friedenspreis erreicht.


Auslöser sind einmal mehr die schwer umstrittenen Karikaturen und Texte von Walter Herrmann, Friedenspreisträger des Jahres 1998 und Initiator der sogenannten Kölner Klagemauer.

Insbesondere Friedenspreis-Mitglied Matthias Fischer, aktiv auch bei der Linkspartei, wirft Herrmann anhaltende antisemitische Hetze und Fanatismus vor. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am vergangenen Freitag hat Fischer daher den Friedenspreis aufgefordert, sich von Herrmann und dessen Agitation zu distanzieren.

In der Begründung für seinen Antrag geht Fischer dabei noch einen Schritt weiter: Teilen der Linken sowie Mitgliedern des Friedenspreises und auch Teilen des Vorstands wirft er vor, sich nicht mit dem auch in den eigenen Reihen vorhandenen «latenten Antisemitismus» auseinandersetzen zu wollen. Wenn der Friedenspreis weiterhin glaubwürdig agieren wolle, dürften sich die Mitglieder weder «die Auseinandersetzung mit dem eigenen Rassismus, noch die kritische Aufarbeitung des eigenen Antisemitismus» ersparen, schreibt Fischer.

Diesen Vorwurf haben die Mitglieder des Friedenspreises am Freitag mit deutlicher Mehrheit zurückgewiesen, wie der Vorsitzende Karl Heinz Otten auf Anfrage mitteilte. Er sprach anschließend von einer sachlichen Diskussion, die zu einem guten Ergebnis geführt habe, wobei er keinen Hehl daraus machte, dass er die ganze Veranstaltung für ziemlich überflüssig hielt. Antisemitische Tendenzen könne er weder in den eigenen Reihe, noch bei dem Kölner Herrmann entdecken. Er wolle sich für die künstlerische Freiheit einsetzen und dem Friedenspreisträger Herrmann keine Verhaltensvorschriften erteilen.

Fischer hält das für unsäglich und erinnert nicht nur an Karikaturen im Stile des NS-Hetzblatts «Der Stürmer», sondern auch an völlig unakzeptable Analogien, in denen Herrmann die Politik Israels gegenüber Palästinensern mit dem NS-Terror gegen Juden gleichsetzt. Auch deshalb hat es Ermittlungen wegen Volksverhetzung gegen Herrmann gegeben.

Über Fischers Antrag wurde am Freitag ebensowenig abgestimmt wie über zwei Gegenanträge, die den gut 50 anwesenden Mitgliedern im Philipp-Neri-Haus ebenfalls vorlagen. Stattdessen beschlossen sie, in einem Workshop die eigene Linie nochmals abstecken zu wollen. Geklärt werden soll dabei insbesondere, wann der Punkt erreicht ist, an dem die Kritik an der Politik Israels in Antisemitismus umschlägt. Für Otten ist jedenfalls klar, dass sich der Friedenspreis die Kritikfähigkeit an der israelischen Politik erhalten müsse. Seine Aufgabe sei es, die Position der israelischen Friedensbewegung zu stärken.

Ganz klares Votum

Vorstandsmitglied Hilde Scheidt, die zugleich Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ist und die Arbeit des Friedenspreises in der Nahost-Frage durchaus kritisch begleitet, äußerte sich am Montag zufrieden über das «ganz klare Votum gegen antisemitische Karikaturen und Flugblätter». Auch sie betont, dass der Friedenspreis die Politik der israelischen Regierung kritisieren dürfe. Man müsse aber «eine saubere Linie gegen jeglichen Antisemitismus finden».

Die Auseinandersetzung über diese Grenzziehung wird weitergehen, ist Otten überzeugt. «Das Thema ist nicht dauerhaft vom Tisch zu bekommen.» Wie heikel es ist, hatte sich in Aachen zuletzt anlässlich der Nakba-Ausstellung gezeigt, die sich kritisch mit der Gründung des Staates Israel befasste und der evangelischen Kirche Antisemitismus-Vorwürfe einbrachte, weil sie die Ausstellungsräume zur Verfügung gestellt hatte.