Not der Kinder bringt Jugendamt in Nöte

Von Gerald Eimer 06.09.2010, 19:44

Aachen. Weil immer mehr Kinder und Familien in Not geraten, schlägt das Jugendamt Alarm. Um die Beratung und Unterstützung zu sichern, müssen die städtischen Sozialraumteams aufgestockt werden.

Siebeneinhalb neue Stellen sollen die Politiker am Mittwoch bewilligen, die zusätzlichen jährlichen Personalkosten sind mit 370.000 Euro veranschlagt. Ob diese Aufstockung ausreicht, ist allerdings längst nicht ausgemacht.

Denn wie die Fachverwaltung auf Grundlage früherer Erhebungen errechnet hat, fehlen in den sozialarbeiterischen und pädagogischen Fachbereichen eigentlich 18 Stellen. Grund sind die stetig steigenden Fallzahlen, mit denen das Jugendamt konfrontiert ist.

Für die Linke ist dies Anlass, die «zeitnahe» Einstellung weiterer Fachkräfte zu fordern. Auch der städtische Personalrat hat sich dafür ausgesprochen. Die SPD will sich noch genauer erklären lassen, warum 7,5 Stellen ausreichend sein sollen, wenn doch eigentlich 18 benötigt werden. Die FDP meint, «7,5 Stellen sind nur ein Pflaster».

Hoffnungslos überlastet

Der zuständige Dezernent Wolfgang Rombey sagt, ihm gehe es zunächst um eine «schnelle Entlastung für die Kollegen, die vor Ort eine schwere Arbeit machen». Angesichts der Haushaltslage sei es «unrealistisch, auf einen Schlag 18 Stellen zu schaffen», meint er.

Derzeit teilen sich 63 Beschäftigte die 41 Stellen in den Sozialraumteams. Doch sie können offenbar längst nicht mehr alle Fälle nach den erforderlichen Kriterien abarbeiten. Mehrfach sollen Mitarbeiter Überlastungsanzeigen gefertigt haben, um sich auch rechtlich abzusichern. Denn kritisch wird es insbesondere dann, wenn Kinder in Gefahr sind.

Schwerwiegende Kindesmisshandlungen oder Vernachlässigungen mit Todesfolge hat es in Aachen bisher glücklicherweise nicht gegeben. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sei die Personalaufstockung erforderlich. Nur so könnten «Fehler durch Organisationsverschulden» ausgeschlossen werden, heißt es aus Sicht der Fachverwaltung.