Mit einer Wette fing vor 50 Jahren alles an

Von Anke Hinrichs 04.03.2010, 14:51

Aachen. Wenn ein Musikverein über ein Geheimrezept für Eier mit Speck verfügt, ein Instrument mit dem wunderlichen Namen «Ur-Tuba» besitzt und nebenbei auch noch 50 Jahre alt wird, ist das ein Grund das Jubiläum zu feiern. Genau das tut der Musikverein Hahn (MVH) am 6. März in der Hahner Pfarrkirche und am 20. März im Krönungssaal.

«Aber wo ist Hahn», fragt sich selbst der ortskundige Aachener. Für die Hahner Musikfreunde ist die Wissenslücke indes kein Affront, sie sind stolz auf den im äußersten Südosten gelegenen und 980 Seelen umfassenden Ortsteil von Aachen. «In Hahn ist jeder vierte Bewohner Mitglied im Musikverein», freut sich der Vorsitzende Günther Schreiber und erzählt gemeinsam mit den Urgesteinen Hubert Merx und Franz-Josef Hansen von den Anfängen des MVH.

Im Örtchen lebten und wirkten schon vor 50 Jahren ein sangesfreudiges Männerquartett, ein Pastor und dessen Schwester. Alle sind untrennbar mit der Geburtsstunde des Vereins verbunden.

Jakob Lückerath, besagter Pastor, hatte nämlich einen Traum: Er wollte sein eigenes Blasorchester haben, um für alle Feierlichkeiten in und um Hahn herum gerüstet zu sein und nicht immer Musikanten der benachbarter Gemeinden ausleihen zu müssen. Also setzte der Kirchenmann zu der kühnen Wette an, man werde im nächsten Jahr eine eigene kleine Blaskapelle am Platze haben - und besiegelte alles mit nichts Geringerem als zehn Flaschen Wein.

Das war 1959. Schnell sorgte der Pastor dafür, dass das Männerquartett nicht nur sang, sondern auch zu musizieren begann. Die Wette wurde gewonnen und 1960 der MVH gegründet - und die Kapelle wuchs und gedieh. Zehn Bläser bliesen schon zwei Jahre später für die Kommunionkinder an Fronleichnam. Jetzt fehlte dem Wohlklang nur noch eine Tuba.

Auch da wusste Lückerath, selbst eifriger Tenorhornspieler in der Kapelle, Abhilfe zu schaffen. Er trug das eigentlich für eine Waschmaschine zurückgelegte Geld ins nächste Musikalienhaus und erwarb das teure Instrument, die «Ur-Tuba», die heute noch bei keinem Konzert fehlen darf. Beim nächsten Auftritt baute sich des Pastors Schwester, die dem Geistlichen den Haushalt führte, vor dem Tuba-Spieler Franz-Josef Hansen auf und stellte fest: «He, Franz-Jupp, du bes op ming Waschmaschin am blose». Leider starb der findige Pastor schon 1963, doch seine Begeisterung für die Blasmusik ist im Verein bis zum heutigen Tag ungebrochen vorhanden.

Längst rekrutiert sich der MVH nicht mehr nur aus seinem unmittelbaren Dunstkreis, der Verein zählt mittlerweile rund 300 Mitglieder. Aus dem gesamten Umland strömen die Musikbegeisterten nach Hahn, denn es hat sich herumgesprochen, dass hier über die Jahre hinweg eine vorbildliche Struktur in Sachen musikalischer Bildung aufgebaut worden ist: Die Vorschulkinder besuchen zunächst einen Blockflötenkreis, nach zwei Jahren und nachdem sie im Einzelunterricht die Grundkenntnisse für ein Blasinstrument erworben haben, kommen sie in das Ausbildungsorchester. Dort werden sie fit gemacht für das Jugendorchester, in dem zur Zeit 56 Kinder spielen.

«Mit 18 Jahren ist man dann reif für das Große Orchester», erzählt Ronja Ortmann, selbst seit 15 Jahren im Verein und zu dessen neuer Generation gehörend. Sie begann mit neun Jahren und einem Saxophon, heute bläst sie das Horn im Großen Orchester und ist für die Jugendarbeit zuständig.

Speck und Ei

Jedes Kind darf sein Instrument auswählen, auch wenn es, wie damals im Fall ihres Bruders Tim, einfach zu groß für die kleinen Musikanten ist. «Meine Posaune war im ganz ausgezogenen Zustand fünf Zentimeter größer als ich, da habe ich eben nur die oberen Töne gespielt, mitmachen war alles», lacht der jetzt Vierundzwanzigjährige - immer noch begeistertes aktives Mitglied. Die Orchester selber werden teils von professionellen Musikern, teils von langjährigen aktiven Mitgliedern des Vereins geleitet, den Einzelunterricht besorgen Studierende der Musikhochschule.

Wichtig ist dem Verein aber auch die soziale Komponente, so stellen sie ihr Spiel regelmäßig in den Dienst regionaler Kinderhilfsprojekte. Aber auch die Jugendarbeit prägt dieser Geist. Ronja Ortmann: «Wir machen immer zwei Fahrten im Jahr, Sommeraktionen und natürlich eine Weihnachtsfeier. Gerade die Dreizehn- und Vierzehnjährigen können wir halten, der MVH ist für die meisten wie eine zweite Familie. Die Kinder und Jugendlichen haben hier ihren Freundeskreis».

Das Repertoire des Vereins ist breit gefächert und geht vom Marsch über Filmmusik bis hin zu klassischen Stücken, alles in sinfonischer Blasmusik.

Auch zu Karneval ist der MVH aktiv, das Jugendorchester stellt während der närrischen Tage die Hofkapelle des Märchenprinzen und die Orchester marschieren mit beim Rosenmontagszug, als «Spielmannszug Hahn». Ein Utensil dürfe allerdings bei allen Aktivitäten der Hahner nicht fehlen, erklärt Hubert Merx: «Das ist unsere große Pfanne für mindestens 30 Eier, da braten wir für die Kinder und Jugendlichen und natürlich auch für uns bei jeder Gelegenheit Speck und Ei nach unserem Geheimrezept».

Drei Veranstaltungen zum Jubiläum

Festmesse zum Jubiläum des Musikverein Hahn, 6. März, 17.30 Uhr, Pfarrkirche Hahn

Jubiläumskonzert 50 Jahre Musikverein Hahn, 20.März, 19.30 Uhr, Krönungssaal im Aachener Rathaus

Fotoausstellung zum Jubiläum, bis zum 12. März, Sparkasse Walheim