Azubi-Casting wider den Fachkraftmangel
Von Sarah Maria Berners
Das Ausbildungsprojekt Apropos vom Fachbereich Wirtschaftsförderung hatte zur Podiumsdiskussion mit dem Thema «Ausbildung in Zeiten des demografischen Wandels. Unternehmerische Eigenverantwortung oder gesellschaftspolitische Aufgabe?» eingeladen. Moderiert wurde die interessante Debatte vom Aachener Lokalchef der «Nachrichten», Achim Kaiser.
Potenziale heben Ulrichs Zahlen aus der Ausbildungsmarktforschung machen deutlich, dass der Fachkräftemangel alleine rein zahlenmäßig nicht beizukommen ist. Hans-Helmut Lehmkuhl, von der Agentur für Arbeit, bestätigte den bundesweiten Trend für Aachen. «Wir werden einen starken Wettkampf zwischen Studium und Ausbildung erleben. Azubis werden ein knappes Gut und knappe Güter sind teuer», betonte Lehmkuhl. «Trotz des Bedarfs ist es schwierig, die jungen Leute überhaupt in eine Ausbildung zu vermitteln», weiß Luise Clemens, Projektleiterin Apropos. Wer von der Hauptschule kommt oder einen Migrationshintergrund hat, hat schlechte Karten. Das zeigen die Zahlen. Eine Perspektive, die die Motivation der betroffenen Gruppen nicht steigert. «Dabei müssen wir diese Potenziale heben», betonte IHK-Geschäftsführer Heinz Gehlen. Nur wie bekommt man alle Jugendliche in eine Ausbildung? Das ist nicht nur eine Frage der Wirtschaft, sondern auch eine Frage des Bildungssystems. In diesem Punkt waren sich die Podiumsgäste einig. «Wir müssen die Jugendlichen früher an die Hand nehmen und es es wird sich heute immer mehr gekümmert», so Gehlen. Praktika und Mentorenprogramme sind wichtig, denn diese erleichtern die Entscheidungsfindung auf beiden Seiten und in der praktischen Arbeit können sich Schüler hervortun, deren Noten nicht überzeugend waren. Wer einmal eine Ausbildungsstelle hat, wird häufig übernommen. «Wir bilden ja nicht nur aus altruistischen Gründen aus, sondern aus ökonomischen. Wir brauchen Nachwuchs für unser Unternehmen», betonte Rolf Deubner, Junior Chef eines Baumaschinenbetriebes. Und dennoch seiht sich die Firma auch in einer starken sozialen Verantwortung und hat zum Beispiel einem türkischen Sonderschüler eingestellt, der jetzt in der Luxemburger Filiale wichtige Arbeit tut. Problematisch ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Azubis. Unternehmen kritisieren die mangelnde Qualifikation der Bewerber. «Ich glaube nicht, dass das Niveau dermaßen gesunken ist», sagt Reinhard Hentrup, Leiter des Mies van der Rohe-Berufskollegs. Die Erfahrung besagt teilweise anderes: «Bewerber sind entweder glänzend oder versieben es völlig», sagt Petra Pauli, Sprecherin der Vereinigten Unternehmerverbände Aachen. Imagekampagnen «Leider ist es für uns Menschen schwer, langfristige Entwicklungen in die Gegenwart zu integrieren», sagt Ulrich. Auf dem Ausbildungsmarkt und im Bildungssystem hätte sich viel früher etwas tun müssen, damit der Fachkräftemangel abgemildert werden kann. Aber nicht nur die Unternehmen, sondern auch Städte und Kommunen müssen ausbilden. Bei der Stadt Aachen werden nach angaben von Dieter Begaß vom Fachbereich Wirtschaftsförderung im nächsten Jahrzehnt 400 Bedienstete in den Ruhestand gehen. Ein weiteres Problem ist das Image der Berufe. Kaufmann oder Mechatroniker sind begehrt. «Wer will schon beim Flirt in der Disco erzählen, dass er Gebäudereiniger wird?», fragte Ulrich. Hier müsse ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden. Verbände starten Imagekampagnen beispielsweise für den Beruf Lkw-Fahrer. «Bisher führen diese noch nicht zu Erfolgen», sagt Yvonne Faber von der Spedition Hammer. «Wie wäre es mit einer Casting Show, das liegt doch im Trend», warf Wolfgang Flachs, Obermeister der Fleischerinnung, ein. Aachens next Top-Fleischer? Ausbildung in Zeiten des demografischen Wandels - unternehmerische Eigenverantwortung oder gesellschaftspolitische Aufgabe? Es müssen wohl alle ihren Beitrag leisten - die Unternehmen, die Jugendlichen, der Staat und die Gesellschaft.
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