Aachen - Auf geht‘s! Zu den Zeugnissen der Aachener Stadtgeschichte

WirHier Freisteller

Auf geht‘s! Zu den Zeugnissen der Aachener Stadtgeschichte

Letzte Aktualisierung:

Aachen. Nach unserer ersten Wandertour, der Felspassage im Kreis Düren, geht‘s heute per pedes zur Waldschenke nach Aachen. Hier beginnt die zweite Tour unserer Wanderaktion „Auf geht‘s“. Eine detaillierte Wanderkarte finden Sie heute wieder als Beilage in Ihrer Tageszeitung.

Die rund zehn Kilometer lange Route verläuft durch schöne Abschnitte des Aachener Waldes von der Waldschenke via Fernsehturm Mulleklenkes hinauf zum Dreiländerpunkt und zurück durch den Friedrichswald. Dominierendes Thema ist der Landgraben, der die Außengrenze des Aachener Reiches bildete und dessen Verlauf entlang der heutigen Grenze zu Belgien gut erkennbar ist. Entlang der Route liegen weitere lokalgeschichtliche Attraktionen, die unbedingt einen Blick oder einen kleinen Abstecher wert sind.

Zunächst geht es durch den Königswald. 1611 wurde ein Teil des Waldgebietes unter die direkte Obhut der Herzöge von Burgund gestellt und mit aufwändigen Grenzsteinen markiert. Es geht vorbei am Fernmeldeturm Mulleklenkes, ein kurzes Stück auf belgischem Staatsgebiet, bevor die Route auf den Dreiländerpunkt trifft.

Mit etwa 800.000 Besuchern jährlich ist der Ort zu einer Attraktion für Touristen geworden. Gleichzeitig mit 322,5 Metern über Meereshöhe der höchste Punkt der Niederlande, steht der Dreiländerpunkt auch für die historisch gewachsenen Gemeinsamkeiten und Verbindungen zwischen den Bewohnern der Dreiländerregion.

Vom Dreiländerpunkt aus führt die Route durch den gleichnamigen Wald in nordwestliche Richtung. An einigen Stellen ist der Weg in die umgebende Landschaft eingelassen. Rechts und links des Weges ragen steile, bis zu mehreren Meter hohe „Wände“ empor. Dabei handelt es sich um sogenannte Hohlwege, welche durch die fortwährende Nutzung durch Fuhrwerke, Frachtverkehr und Viehtrieb über Jahrhunderte entstanden sind: Die starke Beanspruchung rief im Erdgrund Rillen hervor, die mit der Zeit vom Regen immer weiter ausgeschwemmt wurden. In der Aachener Region nennt man diese Wege auch „Grachten“. Sie waren also die Fernstraßen des Mittelalters. Am Dreiländerweg und in der Verlängerung nach Belgien führte die Postkutschenstrecke von Aachen nach Lüttich. Mit dem Bau der Lütticher Straße um 1750 verfiel dieser ehemals stark frequentierte Weg.

In naturbelassenem Gelände kreuzt die Grenzroute im weiteren Verlauf Zeugen der Regionalgeschichte. Ein Beispiel ist das direkt am Dreiländerweg gelegene Türmchen Beeck. Dieser Wehrbau aus dem 15. Jahrhundert bildet einen der ehemals acht Wachtürme des Aachener Reiches. Die Wachtürme dienten der Verteidigung sowie feld- und forstpolizeilichen Zwecken. Alle waren so am Inneren Landgraben positioniert, dass es möglich war, Nachrichten per Rauchsignal an den „Langen Turm“ in der Innenstadt zu senden.

An das Türmchen Beeck schließt sich der Geusenweg an. Er diente den religiös verfolgten „Geusen“ als Kirchweg, die in der Mitte des 16. Jahrhunderts im spanisch beherrschten Flandern und im Artois lebten. Zwischen 1558 und 1800 bestand in Vaals für diese religiösen Flüchtlinge eine wallonische Kirchengemeinde. Eine nahezu versteckte Hohlwegverbindung zwischen Geusenweg und Reinartzkehl war nach dem Zweiten Weltkrieg als „Kaffeegasse“ bekannt, da sie den Schmugglern als nicht einsehbarer Schlupfweg diente.

Ein kurzer Halt lohnt am Gut Reinartzkehl. Der Name verweist auf seine Lage in einer Vertiefung („Kehle“). Heute wird hier eine Reitschule betrieben. Jenseits von Gut Reinartzkehl erreicht die Grenzroute den Friedrichwald. An seinem nördlichen Rand begleitet sie einige Zeit ein besonders schönes Stück des inneren Landgrabens. Die über 200 Jahre alten Buchen haben hier besonders bizarre Wuchsformen ausgebildet. Der Innere Landgraben bestand aus einem Doppelwall mit einem Graben, der gerade breit genug für zwei Reiter war. Dies ist hier bis heute sehr gut zu erkennen.

Im Norden des Preuswaldes geht es zurück zum Ausgangspunkt an der Waldschenke.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert