Aachen - Stöbern in bunter Wunderwelt

Stöbern in bunter Wunderwelt

Von: Martin Thull
Letzte Aktualisierung:
2754601.jpg
Spannenden Lesestoff gibt es im Bilderbuchmuseum in Troisdorf.
2754732.jpg
thull, bilderbuchmuseum

Aachen. „Es war einmal…“ – eine Burg. Irgendwann wurde sie zum Rathaus. Und als das zu klein war und ein neues gebaut werden musste, kam ein glücklicher Zufall den Bürgern von Troisdorf zu Hilfe und brachte sie auf eine Idee: Sie bekamen nämlich 1982 eine große Sammlung des Troisdorfer Kaufmanns Wilhelm Alsleben geschenkt: über 300 historische Bilderbuch-Originalillustrationen sowie Druckvorlagen; dazu einige Tausend moderne Bilderbücher.

Wie ein Märchen

Und wohin damit? In die Burg Wissem, die seitdem zu einem Pilgerort für alle jungen und alten Menschen geworden ist, die die bunt bebilderten Bücher mit wundervollen Geschichten lieben. Als wäre ein Märchen wahr geworden.

Kindern soll etwas Gutes getan werden – durch altersgerechte Bücher und sie schmückende Illustrationen. Das geschieht bereits seit mehreren hundert Jahren. Zu besichtigen auf Burg Wissem. Und so ist das Bilderbuchmuseum in Troisdorf eine Stätte, in der es nicht allein um das „Anschauen“ von Dingen ge ht, wie das sonst vielfach in Museen der Fall ist.

Hier geht es um Anfassen und Blättern, um Entdecken von Verborgenem, um das sich Einlassen auf spannende oder gruselige, witzige oder auch lehrreiche Bildergeschichten. Im ganzen Haus sind Lesebereiche eingerichtet, Kuschelecken, in denen die großen und kleinen Besucherinnen und Besucher sich auf die Welt bunter Kinderbücher einlassen können.

Die Schmökerstube

Der romantischste Raum: Die Schmökerstube im obersten Turmzimmer der Burg mit einem einmaligen Rundblick für kleine und große Bilderbuchfans. Jona und ihre Oma haben allerdings das grüne Sofa im größten Lesesaal besetzt und die Enkelin liest der Grußmutter aus einem großen Buch eine Geschichte vor. Gemeinsam gehen sie auf Entdeckungsreise, geradezu eine seltene Idylle.

Vielleicht gibt es ja Puristen, die in der Illustration von Büchern eine Verkümmerung sehen, eine Einschränkung der Fantasie des Lesers. Weil sie meinen, die Bilder müssten im Kopf entstehen aus den Vorgaben der Autorin oder des Autors. Sie würden auch die Verfilmung von Romanen ablehnen mit ähnlichem Argument.

Und dennoch – bereichern die Illustrationen nicht die kindliche Welt (und die der Erwachsenen)? Weil sie originell sind und einen Eindruck verstärken können. Und eine eigene Welt schaffen, die in die der Leser hineinreichen kann. Diese Puristen sollte man nach Troisdorf schicken, damit sie in der Fülle des dortigen Angebots einen anderen Eindruck gewinnen. Wie dort Elfen und Zwerge, liebenswerte Kinder und schreckliche Monster Gestalt annehmen und mit den Leserinnen und Lesern eine neue Welt entstehen lassen.

Angekauft und geschenkt

Zudem beherbergt die Burg Wissem Europas einzigartiges Spezialmuseum für künstlerische Bilderbuchillustration, historische und moderne Bilderbücher sowie Künstlerbücher. Da kann die Wahl schon einmal zur Qual werden, wenn an den meterlangen Regalen eine Auswahl getroffen werden soll. Schließlich ist das Museum durch Ankäufe und Schenkungen systematisch ausgebaut worden. Wechselausstellungen ergänzen die Angebote in den Regalen und Schaukästen. Schön für junge und alte Besucher: Der beliebte Kinderbuch-autor Janosch hat dem Museum seinen Nachlass als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Doch auch Wissenschaftler finden den Weg hierhin: Mit der historischen Kinder- und Jugendbuchsammlung von Prof. Dr. Theodor Brüggemann beherbergt das Museum eine der bedeutendsten Kinderbuchsammlungen im europäischen Raum. Die über 2000 wertvollen Bände aus der Zeit von 1498 bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts bieten eine einmalige Informationsquelle für Forscher und Kinderbuchliebhaber. Einige der Sammlungsstücke sind in den Vitrinen ausgestellt. Und es ist verblüffend zu sehen, wie schon vor rund 400 Jahren Erwachsene versuchten, Kindern die Welt mit Hilfe von Illustrationen zu erklären.

Rotkäppchen

Lehrreich und unterhaltsam sind auch die Bereiche des Museums, in denen thematisch konzentriert bestimmte Themen der Kinder- und Jugendliteratur gezeigt werden. Etwa verschiedene Ausgaben von Daniel Defoes „Robinson Crusoe“.

Oder die einzigartige Rotkäppchen-Sammlung des Schweizer Sammlerehepaares Elisabeth und Richard Waldmann. In über 30-jähriger Sammeltätigkeit hatte dieses ein Ensemble von etwa 800 Büchern aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, zahlreiche Gemälde, Grafiken und Originalillustrationen sowie eine Vielzahl volkskundlicher Objekte zum Thema „Rotkäppchen“ zusammengetragen.

Und seit Sommer 2003 ist die medizinische Kinderbuchsammlung Murken im Museum zu besichtigen. Sie umfasst mit etwa 3800 Bänden alle wesentlichen Kinderbücher zur Heilkunde sowie zu den Themen Arzt und Krankenhaus von der Biedermeierzeit bis heute. Die Welt der Bilderbücher wird so ausgeweitet in die Welt der Kinder allgemein.

Namhafte Kinderbuchverlage sind inzwischen eine Kooperation mit dem Troisdorfer Museum eingegangen, erreichen sie doch hier ihre Leserschaft sehr viel unmittelbar.

Idylle mit Wassergraben

Noch heute ist Burg Wissem teilweise von einem idyllischen Wassergraben umgeben. Das leuchtend rote Herrenhaus wurde um 1840 im klassizistischen Stil erbaut. Es wird von zwei Türmen geschmückt und wurde vermutlich unter Verwendung älteren Baumaterials errichtet.

Später wurden Dächer und Turmhauben der erhaltenen Barockanlage angepasst. 1939 kam die Burg Wissem in den Besitz der Stadt Troisdorf. Von 1945 bis 1981 diente das Haus als Rathaus, seit 1982 beherbergt es das Museum. Ein Park mit Wildgehegen und Abenteuerspielplatz erhöht die Attraktivität dieses Ausflugziels.

Kinder mögen sich nicht zuletzt deshalb im Bilderbuchmuseum wie im Paradies fühlen, weil sie nicht aufräumen müssen.

Unmissverständlich wird in den Leseräumen darauf hingewiesen, dass die aus den Regalen entnommenen Bücher bitte nicht zurückgestellt werden sollen. Sondern auf die Fensterbank gehören. Dem Personal würde es so leichter fallen, die kostbaren Lesestücke wieder an den richtigen Ort zurückzustellen. Wer würde sich als Kind das nicht für zu Hause wünschen?

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert