Schloss Homburg ist wie neu

Von: Jens Höhner
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Thront auf dem Burgberg über dem oberbergischen Ort Nümbrecht: das Schloss Homburg. Foto: Jens Höhner
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Alt und Neu passen hier gut zusammen: Vom Schneckenweg über die neue Orangerie bis zu historischen Gegenständen. Foto: Jens Höhner

Nümbrecht. Zwei Riesenameisen warten auf ihren Umzug, gerade hocken sie auf einem Steindach. „Sie müssen nachrosten“, erklärt der Restaurator Andreas Hoppenrath, warum die beiden Stahlskulpturen noch nicht ihren Platz gefunden haben. Bald werden sie die Fassade des Forsthauses emporkrabbeln, doch da ist die Farbe frisch.

Denn nach einer Bauzeit von vier Jahren hat das Schloss Homburg in Nümbrecht seine Pforten geöffnet. Dieses gilt als Wahrzeichen des Oberbergischen Kreises. Und dort haben sich nicht nur zwei moderne Gebäude ins mittelalterliche Ensemble gefügt, sondern sind auch die bestehenden Bauten von Grund auf saniert worden. Haben die Ameisen endlich die richtige Patina und hinterlassen dann keine braunen Spuren mehr, laden sie zum Besuch ins alte Forsthaus und in die darin untergebrachte Sammlung mit naturkundlichen Exponaten ein.

„Neu ist auch, dass dort vier Großinsekten – ein Heupferd, eine Schmeißfliege, ein Hirschkäfer und ein Nachtpfauenauge – auf Knopfdruck Kindern einiges über die Natur erzählen“, erklärt der 48 Jahre alte Hoppenrath. Er ist als Restaurator nicht für die Instandsetzung alter Dinge zuständig, sondern eben auch für das Arrangement jeder Schau. „Conservation Management“ heißt das heute.

Mehr als zehn Millionen Euro hat der Oberbergische Kreis als Hüter des Schlosses für den Umbau und die Sanierung ausgegeben, für weitere drei Millionen Euro wurde auch der Schlosspark mit Kräutergarten und Rasenlabyrinth neu gestaltet. Fast das gesamte Geld stammt aus öffentlichen Fördertöpfen.

Dort, vor den Toren der Burganlage, ist zudem die Biologische Station in einem schicken roten Neubau ansässig. „Jedes Schloss braucht ein Labyrinth, wir wollten auch eins“, blickt derweil die Museumsdirektorin Gudrun Sievers-Flägel zurück. Doch weil mannshohe Hecken den Blick auf das 1276 erstmals in den Urkunden erwähnte Schloss verstellt hätten, kam es zu der flachen Rasenvariante. Diesen Schneckenweg nutzen Naturfreunde zum Beispiel, um zu meditieren.

Seit 1971 bilden am Fuß des Burgbergs auch die alte Bäckerei und die Mühle einen eigenen kleinen Museumsbereich. Er ist zurzeit allerdings nicht zugänglich. Ab Sommer 2015 soll beides nach Angaben der Museumsleitung wieder in Betrieb gehen.

Mehr als 100.000 Ausflügler kommen nach Angaben der Museumsdirektorin jährlich in die kleine Gemeinde Nüm-brecht, um den Burgberg hinaufzuschnaufen, die Ausstellung mit historischen Dingen aus dem Alltag, darunter etwa Waffen, Rüstungen, Spielzeug und Gebrauchsgegenstände, anzuschauen und vom Burgfried den Blick weit ins Bergische schweifen zu lassen. In diesen Tagen wird das Museum übrigens exakt 88 Jahre alt, einst hatten zwei Räume dafür ausgereicht.

Sehr beliebt ist die Schlossküche im Untergeschoss, selbst bei Politikern. In den 1970er Jahren nutzte die Bundesregierung diesen kühlen Raum für einen Staatsempfang abseits der damaligen Hauptstadt Bonn: Bundeskanzler Willy Brandt lud den sowjetischen Staatspräsidenten Leonid Breschnew zu oberbergischem Spießbraten ein. Es heißt, dass bei dem Mahl ordentlich gebechert wurde und der Abend weitaus später endete, als es das Protokoll vorsah.

Heute kann jedermann diese Küche für private Feiern ebenso mieten wie einige andere Räume im einstigen Heim der Grafen von Sayn (später Sayn-Wittgenstein-Homburg). Das Gartenzimmer steht zudem für Trauungen offen. „Ein moderner Kulturbetrieb muss eben modern wirtschaften“, sagt Gudrun Sievers-Flägel.

Nach den Plänen des Kölner Architekten Thomas van den Valentyn (69) ist die neue Orangerie entstanden, ein lichtdurchfluteter Anbau, der sich nahtlos ins Historische fügt. Hier haben schon Unternehmen aus der Finanzbranche Versammlungen abgehalten, jüngst präsentierte ein Pharmakonzern dort ein neues Medikament.

Lesungen, Konzerte und andere Veranstaltungen gibt es überdies im üppigen Programm des Schlosses. Verantwortlich war Architekt van den Valentyn unter anderem auch für die Neugestaltung des Musikgymnasiums Schloss Belvedere in Weimar und die Restaurierung des Reichstagspräsidentenpalais‘ in Berlin.

Ein „White Cube“, ein neutraler und unterirdisch gelegener Schauraum ohne Tageslicht, beherbergt auf Schloss Homburg unterdessen die Sonderschauen: Zunächst sind dort Zeichnungen des Kölner Cartoonisten Peter Gaymann zu sehen (bis 12. Oktober).

„Fürsten und Fälschern“ gehören dann vom 22. Oktober bis zum 31. Januar 2015 der „White Cube“ und der Zwinger: Denn in den Jahren zwischen 1690 und 1698 war auf Schloss Homburg eine Münzstätte. Und weil auch die Homburger Burghüter gewieft wirtschaften mussten, schlugen sie nicht nur echte Münzen, sondern stellen auch Falschgeld her. Jene Sonderschau erzählt eben solche Münzgeschichten. Dafür rollen noch einmal die Bagger an: In Kürze beginnen Ausgrabungen, die weitere Funde aus jenen Jahren des Münzwesens ans Tageslicht bringen sollen. Und die bedeuten neue Arbeit für den Restaurator Andreas Hoppenrath.

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